Bio? Logisch!

Bio-Strategie 2030 vorgestellt

Bis 2030 sollen 30 Prozent der Agrarflächen ökologisch bewirtschaftet werden – darauf hatten sich SPD, Bündnis90/Die Grünen und FDP im Koalitionsvertrag geeinigt. Derzeit sind es rund zwölf Prozent. Welche Rahmenbedingungen es braucht, um das ambitionierte Ziel zu erreichen, stellte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir heute mit seiner Bio-Strategie 2030 vor.

Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Bio sei ein funktionierender Markt und die ökologische Landwirtschaft leiste einen großen Beitrag für Klima-, Arten- und Wasserschutz, sagte Cem Özdemir zu Beginn der heutigen Pressekonferenz. Das Strategie-Papier seines Hauses nimmt mit seinen 30 Maßnahmen die komplette Kette von Wissenschaft, Erzeuger, Verarbeiter, Handel und Außer-Haus-Verpflegung (AHV) ins Visier. Denn 30 Prozent auf dem Acker reichen nicht aus, die Nachfrage muss kräftig anziehen.

Einen schnellen Hebel sieht Özdemir in der Außer-Haus-Verpflegung (AHV), daher sollen die Kosten für eine Bio-Zertifizierung gefördert werden. Wer seinen Bio-Anteil auf mindestens 30 Prozent des monetären Wareneinsatzes erhöhen möchte, kann schon heute einen Zuschuss von 80 Prozent der dafür notwendigen Beratungen erhalten. Der maximale Förderbetrag der „Richtlinie zur Förderung der Beratung von Unternehmen der Außer-Haus-Verpflegung zum vermehrten Einsatz von Produkten des ökologischen Landbaus (RIBE)“ liegt bei 35.000 Euro. Allgemein soll laut Bio-Strategie 2030 die Förderdatenbank weiterentwickelt werden, so dass sie auch unter kleinen und mittelständischen Unternehmen bekannter und damit öfter genutzt wird.

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Zudem gelte es auf allen Ebenen den Wissenstransfer zu stärken, wie auch die Öko-Forschung rund um Saatgut- und Tierzucht zu intensivieren. So sollen künftig 30 Prozent der öffentlichen Finanzmittel der Forschungsförderung dem Öko-Landbau vorbehalten sein. Für 2026 kündigte Özdemir eine Zwischenbilanz an. Dann ist ersichtlich, ob und in welcher Form die vorgestellten Maßnahmen umgesetzt wurden und als wie schlagkräftig sie sich erweisen.

Keine gemeinsame Bio-Position der Bundesregierung

Eine gemeinsame Bio-Strategie mit der Bundesregierung hatte sich Özdemir ausdrücklich gewünscht. Diese wäre ein deutliches Signal an die Bio-Lebensmittelbranche gewesen, dass alle Regierungsparteien hinter den vorgestellten Maßnahmen stehen. „Das war allerdings unmöglich“, gab der Bundeslandwirtschaftsminister zu. Laut Özdemir letzter Knackpunkt: Das von Bettina Stark-Watzinger (FDP) geführte Bundesministerium für Bildung und Forschung wollte auch neue Gentechnik in der Bio-Strategie verankert wissen. Er sei einige Kompromisse für eine gemeinsame Bio-Position eingegangen, dieser wäre jedoch einer zu viel gewesen. „Der Bio-Markt möchte die neue Gentechnik nicht“, sagte Özdemir mehrfach mit Nachdruck.

Bio weiterhin erklärungsbedürftig

Seit über 30 Jahren ist Bio in der Europäischen Union dank EU-Öko-Verordnung ein einheitlicher, geschützter und kontrollierter Lebensmittelstandard – und dennoch für einen großen Teil der Konsumentinnen und Konsumenten ein Buch mit sieben Siegeln. „Viele Menschen wissen nicht mehr, dass Bio-Produkte einen Beitrag für Klima- und Artenschutz leisten.“ Um dies zu ändern, startet bereits am 20. November das Bundeslandwirtschaftsministerium eine breit angelegte Informationskampagne. Neben Plakaten sollen auch Videos die Hintergründe von Bio erklären.

Bioland, Naturland und Demeter trommeln für Bio

In der gleichen Mission haben sich auch die drei mitgliederstärksten Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter in diesem Jahr auf dem Weg gemacht. So fiel Mitte September der Startschuss der dreijährigen Bioland Info-Tour unter dem Motto „Grenzenlos regional – Bio in Europa“, die durch 18 deutsche und 15 italienische Städte führt. Am Infomobil finden neben Workshops auch Verkostungen statt, regionale Bio-Produzenten werden eingebunden. Das Verständnis für Bio auf diese Weise zu stärken und den Bekanntheitsgrad des EU-Bio-Siegels zu erhöhen, ist der EU 5,8 Millionen Euro Förderung wert.

Kreislaufwirtschaft, CO2 speichern, flächengebundene Tierhaltung: „Wir sind in vielen Bereichen richtig, richtig gut – schaffen es aber nicht, die Herzen der Menschen zu erreichen“, sagte Christoph Zimmer, Geschäftsführer Bioland Landesverband Baden-Württemberg, vergangene Woche auf den Öko-Marketingtagen in Kirchberg an der Jagst. „Wir geben Antworten auf Fragen, die die Menschen nicht stellen“, zeigte er sich selbstkritisch und mahnte an, mit Bio-Botschaften die Lebensrealitäten der Menschen abzubilden.

Seit Anfang Oktober ist auch Naturland mit einem Foodtruck auf Bio-Tournee. Insgesamt stehen in drei Jahren 80 Termine in elf deutschen Städten an. Neben klassischen Infomaterialien wie Broschüren können die Konsumentinnen und Konsumenten mittels Virtual Reality-Brillen in die Bio-Welt eintauchen und erfahren, was Öko-Landbau zum Beispiel mit Artenvielfalt zu tun hat oder was Fisch zu Bio-Fisch macht. Die Kampagne „Being Organic in EU“ ist ein gemeinsames Projekt mit dem italienischen Verband FederBio. Naturland verfügt über ein Budget von 2,5 Millionen Euro, FederBio von ca. 6,2 Millionen Euro, welche jeweils zu 80 Prozent von der EU gefördert sind. Das öffentliche Geld stammt aus dem Programm „Finanzierung von Informations- und Absatzförderungsmaßnahmen für Agrarerzeugnisse im Binnenmarkt und in Drittländern“.

Einen fast schon klassischen Weg ist Demeter von Mai bis Oktober mit seiner Kampagne „Iss mehr wert“ gegangen, die größtenteils auf den eigenen Kanälen in den sozialen Medien stattgefunden hat. Demeter-Vorstand Alexander Gerber zeigte sich auf den Öko-Marketingtagen mit der Reichweite zufrieden. Doch nicht nur im virtuellem Raum wurde der Mehrwert ökologisch erzeugter Lebensmittel hervorgehoben, so bekam die Kundschaft in den tegut-Filialen entsprechende Durchsagen zu hören.

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