Demeter: „Wir müssen ordentlich Präsenz zeigen“
Nicht „nur“ das Tanken hat sich extrem verteuert, auch die allgemeinen Lebenshaltungskosten sind gestiegen. Bio-Lebensmittel sind nach wie vor gefragt, allerdings ist höherpreisige Verbandsware nicht überall ein Selbstläufer. Im Interview geben Handelsreferentin Laura Stricker und Regioreferent Tim Fetzer vom Demeter Landesverband Baden-Württemberg Einblicke, wie sie den Absatz im Lebensmittelhandel und in der Außer-Haus-Verpflegung befeuern möchten – und wo Hürden liegen. Spoiler: Den großen Hebel gibt es nicht, aber viele kleine Schritte.
Bruderhahn: Töten von Embryonen bleibt bei Demeter ausgeschlossen
Ursprünglich waren sich die vier mitgliederstärksten Anbauverbände einig: Der Bruderhahn der Legehenne muss ökologisch aufgezogen werden. Seit Ende April erlaubt Biokreis als Alternative das Töten von Embryonen, Naturland prüft diesen Schritt – und stimmt sich eng mit Bioland ab. Demeter bleibt bei der Absage und steht damit fest zum Bruderhahn. „Wir respektieren ungeborenes Leben“, sagt im Interview Jörg Hütter, Leitung Politik, Richtlinien und Qualitätsentwicklung. Ökologische Geflügelhaltung sieht er als ganzheitliches System, in dem Henne und Hahn zusammengehören. Steht hier womöglich Ideologie der Wirtschaftlichkeit im Weg? Verbraucht der Bruderhahn nicht zu viele Ressourcen? Und was macht eigentlich die Lösung Zweinutzungsrassen, die man in der ökologischen Landwirtschaft noch mit der Lupe sucht?
Zeig deinen ökologischen Wert
Viele Menschen wünschen sich mehr Klimaschutz und Tierwohl. Dennoch sind höherpreisige Bio-Lebensmittel, die dank der Richtlinien der Anbauverbände die gesetzlichen Vorgaben in vielen Punkten übertreffen, derzeit teils schwer zu vermarkten. Der ökologische Mehrwert muss am Produkt noch sichtbarer werden, ist eine Erkenntnis aus dem Gespräch mit den Demeter-Regionalreferenten Martina Thalmayr (Bayern) und Tim Fetzer (Baden-Württemberg).
Demeter: Quote für Zweinutzungshühner vorerst vom Tisch
Weil es der Markt nicht regelt, sollte auf der Delegiertenversammlung des Anbauverbands Demeter im nächsten April über eine feste Quote von 20 Prozent Zweinutzungshühnern und -hähnen abgestimmt werden. Bei Beschluss wäre Demeter der erste Anbauverband, der diesen Schritt gehen würde, um einen Ausweg aus der ökologisch fragwürdigen und unwirtschaftlichen Mast der Bruderhähne – diese verbrauchen zu viel Futter und liefern wenig Fleisch – weiter zu ebnen. Der entsprechende Antrag wird allerdings nicht gestellt. Carsten Bauck, einer von vier Sprechern der Facharbeitsgruppe Geflügel, ist enttäuscht und zieht persönliche Konsequenzen.
„Derzeit muss man deutlich risikofreudiger sein“
Während die Nachfrage nach hochwertigen Bio-Lebensmitteln in den ersten beiden Jahren der Corona-Pandemie extrem stieg, sind derzeit aufgrund der Preissteigerungen vor allem günstige Produkte in den Fokus der Kundschaft gerückt. Welche Folgen dies für hochpreisige Verbandsware hat und ob man mit ökologischen Werten derzeit überhaupt punkten kann, erklärt Demeter-Vorstand Dr. Alexander Gerber im Interview. Von besonderen Herausforderungen und bitteren Realitäten für Erzeugerbetriebe in den östlichen Bundesländern spricht Geschäftsführerin des Landesverbands Demeter im Osten, Nancy Schacht.
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