„Wir müssen durch die Delle“
15,31 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2022 für Bio-Lebensmittel aus, ein Minus im Vergleich zum Vorjahr von 3,5 Prozent. Der Umsatz liegt jedoch ein Viertel über dem von 2019 vor dem Bio-Boom der ersten beiden Jahre der Corona-Pandemie. Das geht zum Teil auch auf gestiegene Preise zurück. Auf der heutigen Bilanzpressekonferenz der diesjährigen Biofach wurde wieder klar: Der Markt wird die ökologische Transformation ohne unterstützende Politik kaum bewältigen und das Ziel der Bundesregierung 30 Prozent Bio-Flächen liegt noch in weiter Ferne, obwohl 2030 angepeilt ist.
Neues Buch über Bio-Pioniere: „Für unsere Zukunft“ ist erschienen
Der mitgliederstärkste Anbauverband Bioland möchte in seiner Kooperation mit Lidl ökologische Ideale mit der Wirtschaftslogik des Discounters verbinden. Lieber heute als morgen möchte sich der Mustergeflügelhof Leonhard Häde von einseitiger Tierzucht auf Höchstleistungen verabschieden und so weit wie möglich auf Zweinutzungsrassen setzen. Das sind zwei von mehreren brisanten Spannungsfeldern, die ich in meinem neuen Buch „Für unsere Zukunft – Wie Bio-Pioniere eine lebenswerte Welt gestalten“ beleuchte.
Gut für den Planeten, gut für uns
„Unser Ernährungssystem ist die größte Bedrohung für die Natur“, sagte Dr. Rolf Sommer, Fachbereichsleiter Landwirtschaft und Landnutzungswandel WWF Deutschland, anlässlich des diesjährigen Herbst-Symposiums der Interessengemeinschaft FÜR gesunde Lebensmittel in Fulda. Zu viel Getreide landet in Futtertrögen statt auf dem Teller, der Anteil an tierischen Produkten auf dem Speiseplan ist zu hoch. Dabei gälte es, bis 2050 zehn Milliarden Menschen gesund zu ernähren und dabei die planetaren Grenzen in Sachen Ressourcennutzung nicht weiter zu überschreiten. Das kann durchaus gelingen.
Rinder Match: Die ökologische Landwirtschaft und die passende Milchkuh
Früher gaben seine Kühe durchschnittlich 7.500 Liter Milch im Jahr, heute sind es nur noch 6.000 bis 6.500 Liter. Für den Landwirt Siegfried Meyer aus dem bayerischen Opfenried ist dies dennoch ein richtiger Schritt nach vorne. Seitdem er 1988 seinen Betrieb auf biologisch-dynamische Wirtschaftsweise umgestellt hatte, liegt sein Fokus stark auf langlebige, robuste und gesunde Tiere. Die ökologische wie wirtschaftliche Rechnung geht für ihn auf. Allerdings widmet sich die Rinderzucht mehrheitlich einseitiger Hochleistungen entweder auf Milch oder Fleisch in der intensiven konventionellen Tierhaltung. Für die ökologische Landwirtschaft ist dies ein Problem.
Von der Weide in die Kantinen: 100 Prozent Bio-Rindfleisch ist möglich
Die Vorteile von regionalem Bio-Weiderindfleisch liegen auf der Hand: kurze Transportwege, Transparenz, Tierwohl und mehr Grund- statt Kraftfutter. Das im Februar 2020 in Berlin gestartete Projekt GanzTierStark hatte sich zur Aufgabe gemacht, Bio-Weiderindfleisch in öffentlichen wie betrieblichen Kantinen in Berlin und Brandenburg zu etablieren. Prof. Dr. Dr. Martina Schäfer, Zentrum Technik und Gesellschaft der Technischen Universität Berlin, hatte es mit initiiert, betreut es wissenschaftlich und zog in einer Podiumsdiskussion mit weiteren beteiligten Akteuren auf der diesjährigen Biofach eine Zwischenbilanz.
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