Bio? Logisch!

Nach Skandal: Schlachtbetrieb bei Färber in Neuruppin bleibt eingestellt

Schweine werden getreten, geworfen, mit Haken blutig geschlagen, unfachgemäß betäubt und damit scheinbar einige bei Bewusstsein getötet. Das Deutsche Tierschutzbüro hatte Anfang des Jahres der Presse heimlich gedrehtes Videomaterial aus dem bio-zertifizierten Schlachthof Färber in Neuruppin zugespielt. Zu dessen Kunden gehörte auch die Bio-Supermarktkette Bio Company. Der Schlachtbetrieb ist eingestellt, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Schlachthof Färber in Neuruppin – Foto: Henry Mundt

Da die Emil Färber GmbH Mitte April die Schlachtzulassung für ihren Standort in Neuruppin zurückgegeben hat, scheint der Schlachtbetrieb nicht nur seit Januar pausiert, sondern dauerhaft eingestellt zu sein. Derzeit werden im Schlachthof lediglich bereits getötete Tiere zerlegt und verarbeitet. Mehrere Anfragen bezüglich der Zukunft des Standorts blieben seitens des Unternehmens unbeantwortet. (Mittlerweile steht fest, dass der Standort geschlossen wird. Siehe Nachtrag vom 27. Mai 2021)

Noch im Januar teilte das Unternehmen dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) auf Anfrage schriftlich mit, ein umfangreiches Investitionsprogramm zu starten, „mit dem auch die Arbeitsabläufe in der Schlachtung so verändert werden, dass in Zukunft solche Vorfälle nicht mehr vorkommen“. Unter anderem sei eine Videoüberwachung installiert und eine Betäube-Aufzeichnung erneuert worden. Das Veterinäramt hatte für den Weiterbetrieb Fixiereinrichtungen vorgeschrieben, wie ebenfalls rbb berichtete.

Die Staatsanwaltschaft Neuruppin wirft ehemaligen Mitarbeitern Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vor und ermittelt. Warum und wie Kontrollinstanzen versagt haben, liegt ebenso im Fokus. Der Schlachthof schien bis dato bei Kontrollen nicht negativ aufgefallen zu sein.

Färber und Bio Company: Keine Kooperation mit dem Standort Neuruppin

Zu den Kunden des Schlachthofs Färber gehörte auch die Biomanufaktur Havelland, ein Tochterunternehmen der Bio-Supermarktkette Bio Company. Die Fleisch- und Wurstprodukte waren dort und bei weiteren Bio-Händlern im Sortiment. Kurz nach Bekanntwerden der Vorfälle bezog man bereits im Dezember letzten Jahres nach eigenen Angaben keine Ware mehr vom Färber-Standort in Neuruppin.

Eine bereits Ende April an die Bio Company gestellte Anfrage, welcher Schlachthof die Biomanufaktur Havelland seitdem beliefert, blieb trotz mehrfachen Nachhakens bis heute unbeantwortet. Ebenso gab es bislang keine Auskunft, ob noch Geschäftsbeziehungen mit der Emil Färber GmbH bestehen. Mittelfristig soll gemeinsam mit Partnern eine eigene, regionale Schlachtung aufgebaut werden, wie es in einer Ende Februar veröffentlichten Pressemitteilung heißt. Für Details sei es jedoch zu früh.

Nachtrag 27. Mai 2021: Färber schließt den Standort in Neuruppin dauerhaft

Die Zerlegung ist mittlerweile eingestellt, Färber schließt seinen Standort in Neuruppin dauerhaft, die Immobilie wird verkauft. Beschlossen wurde dies auf der Gesellschafterversammlung am 19. Mai, wie die allgemeine fleischer zeitung berichtet. Dass sich eine Modernisierung, wie sie auch das zuständige Veterinäramt gefordert hat, wirtschaftlich nicht gelohnt hätte, widerspricht Manfred Kempter, Geschäftsführer Emil Färber.

„Wir haben in Neuruppin kein verlässliches Personal für die Schlachtung gefunden. Das ist in der Region ein großes Problem“, sagt er und führt weiter aus: „Verstöße gegen den Tierschutz ziehen in allen unseren Schlachtbetrieben die fristlose Kündigung nach sich. Das ist auch entsprechend ausgeschildert. Wir sind froh, dass das Deutsche Tierschutzbüro die Missstände in Neuruppin aufgedeckt hat.“

Kempter ist zuständig für „Färber West“, der Standort Neuruppin gehört zu „Färber Ost“. Dessen Geschäftsführer machte nach mehrfachen schriftlichen und telefonischen Anfragen deutlich, nicht mit „über bio“ reden zu wollen. „Färber Ost ist ein rechtlich eigenständiges Unternehmen, an dem wir beteiligt sind. Auch dort dulden wir keine Verstöße gegen das Tierschutzgesetz“, erklärt Kempter. Über die Gesellschafterversammlung habe man entsprechenden Einfluss genommen.

Für ökologische und konventionelle Landwirte ist der Verlust des regionalen Schlachthofs ein herber Schlag, ein moderner Standort wäre wünschenswert gewesen. Zumal in Neuruppin die Videoüberwachung nachgerüstet wurde und somit mögliche Verstöße gegen den Tierschutz schneller erkannt und abgestellt hätten werden können. Auch mit der vom Veterinäramt vorgeschrieben Fixierung wären Betäubungsfehler so gut wie ausgeschlossen. „Bereits im vergangenen Jahr musste Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) im Rahmen einer kleinen Anfrage im Landtag zugeben, dass die Zahl der Tiertransporte in Nicht-EU-Länder von 2016 auf 2019 von rund 31.000 Schweinen auf mehr als 36.000 Schweine gestiegen ist“, schreibt die allgemeine fleischer zeitung.

Weiterhin unklar: Wo lässt Biomanufaktur Havelland schlachten?

Weiterhin bleibt unklar, wo die Biomanufaktur Havelland, Tochterunternehmen und Lieferant der Bio-Supermarktkette Bio Company, derzeit schlachten lässt. Seit Ende April bemüht sich „über bio“ um Antworten. Ein gestriger E-Mail-Austausch mit der Pressesprecherin brachte wiederholt keine klaren Aussagen. Gründe für das Schweigen werden ebenfalls nicht genannt.

2 Kommentare zu “Nach Skandal: Schlachtbetrieb bei Färber in Neuruppin bleibt eingestellt

  1. Jens H.

    Spannende Recherche, Jens! Gut, dass Du Dich auch durch ausbleibende Antworten nicht vom Berichten abhalten lässt. Vielleicht werden ja zumindest Fragen von Kund:innen der Bio Company und der Biomanufaktur Havelland beantwortet.

    • Jens Brehl

      Gerne wäre ich mit den Unternehmen in den Dialog gekommen, aber das passiert vielleicht noch. Möchte da am Ball bleiben.

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