in eigener Sache

Neues E-Book erschienen: „Mitgefangen, mitgehangen – Bio und das große Schlachten“

Sie gibt es oftmals ungern zu, aber auch die Bio-Branche ist von großen Schlachtkonzernen abhängig. Tönnies ist Deutschlands größter Hersteller von Bio-Schweinefleisch – ausgerechnet das Unternehmen, das in den vergangenen Jahren zum Sinnbild für die Probleme der Fleischindustrie geworden ist. Über diese Verflechtungen und mögliche Auswege schreibe ich in meinem neuen Buch „Mitgefangen, mitgehangen – Bio und das große Schlachten“.

Das System der Fleischindustrie ist implodiert. In den Ställen konventioneller Schweinemäster stauen sich seit Monaten Hunderttausende Tiere. Viele Landwirte wissen nicht mehr ein und aus. Wegen der Corona-Pandemie mussten und müssen große Schlachthöfe zeitweise schließen oder können nur noch deutlich weniger Tiere schlachten. Ganz anders in der ökologischen Landwirtschaft: Bei Mästern von Bio-Schweinen läuft das Geschäft.

Mitgefangen, mitgehangen: Bio-Branche abhängig von großen Schlachtkonzernen

Für 4,99 Euro in allen E-Book-Stores erhältlich

Doch die Bio-Branche ist in puncto schlachten oftmals als Teil des Systems auf die großen Schlachtkonzerne angewiesen. „Als Vorsitzender des Aktionsbündnisses Bioschweinehalter Deutschlands habe ich Tönnies immer als verlässlichen Partner wahrgenommen und kann anderen Betrieben nur empfehlen, mit dem Unternehmen zusammenzuarbeiten“, sagt Heinrich Rülfing. Sein Bio-Betrieb im nordrhein-westfälischen Rhede gehört zu den großen der Branche: 2.500 Mastschweine kann er jährlich liefern. „Damit Bio weiter wachsen kann, brauchen wir den Lebensmitteleinzelhandel und die Discounter. Bio-Metzgereien können sie nicht im großen Stil beliefern. Auf den Punkt gebracht: Ohne die großen Schlachtbetriebe können wir bei Bio nicht in die Breite gehen.“ Doch auch Rülfing möchte sich Unabhängigkeit bewahren und demnächst zusätzlich direkt auf dem Hof schlachten.

Ein positives Signal kam 2019 aus Fulda: Hier haben Bürger und Landwirte gemeinsam den Schlachthof vor dem Aus gerettet. Geschäftsführer Sven Euen weiß, was verloren ist, wird selten wieder aufgebaut. „Wir müssen keine großen Gewinne erwirtschaften, sondern benötigen nur genügend Mittel, um unsere Hauptaufgabe erfüllen zu können: den Standort erhalten“, erklärt er die neu gewonnenen Vorteile des Erzeugerschlachthofs.

Meine Meinung: „In Sachen Tierwohl und Nachhaltigkeit hat die ökologische Landwirtschaft oft die Nase vorn: mehr Platz für Tiere, Futter vom eigenen Hof, keine Gülle-Überschüsse dank Flächenbindung. Doch beim Schlachten ist Bio weitgehend Teil des Systems – für die Glaubwürdigkeit ist das ein Spiel mit dem Feuer. Bleibt die Frage, inwieweit die Bio-Branche die Schlachtindustrie ökologisch nachhaltiger und für alle Beteiligte sozial gerechter gestalten kann. Denn vieles ist nicht mit den ursprünglichen Werten vereinbar, mit denen die ersten Bio-Pioniere angetreten sind, um die Welt zu verändern.“

edition über bio gestartet

„Mitgefangen, mitgehangen – Bio und das große Schlachten“ ist der erste Titel der „edition über bio“. Im Laufe der Zeit sollen hier weitere E-Books folgen, denn es gibt noch viele spannende Themenfelder der Bio-Branche, die es zu beleuchten gilt.

0 Kommentare zu “Neues E-Book erschienen: „Mitgefangen, mitgehangen – Bio und das große Schlachten“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.