Bio? Logisch!

Mehr wäre möglich gewesen: Umsatz mit Bio-Lebensmitteln 2021 gestiegen

Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln legte um knapp sechs Prozent zu: 15,87 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2021 aus. Damit haben Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft einen Anteil von 6,8 Prozent am Gesamtmarkt – 0,4 Prozent mehr als 2020. Stärkeres Wachstum wäre bei Bio-Fleisch möglich gewesen, allerdings war die Nachfrage größer als das Angebot. Der konventionelle Lebensmittelhandel inklusive Discounter und Drogerien bauten ihren Bio-Marktanteil weiter aus, der Fachhandel musste hingegen Federn lassen.

Niemand hat mit den enormen Zuwächsen von 2020 gerechnet, als der Umsatz mit Bio-Lebensmittel um satte 22 Prozent stieg. Das erste Pandemie-Jahr war geprägt von großen Vorratskäufen. Daneben wurde aufgrund zeitweise geschlossener Gastronomie und Homeoffice statt außer Haus gegessen verstärkt selbst gekocht. Dabei kam vermehrt Bio auf den Tisch. Im Folgejahr 2021 legte der Umsatz noch 5,8 Prozent zu, davon gehen rund zwei Prozent auf Preissteigerungen zurück.

Preise lügen: Bio-Lebensmittel müssen teilweise teurer werden

Rohstoffe werden für Verarbeiter teurer, die Endkundschaft trifft allerdings auf stabile Preise.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Zuletzt hatte Bioland-Präsident Jan Plagge den Lebensmitteleinzelhandel, die Discounter und den Fachhandel als Verhinderer der Inflation bezeichnet, da sie gestiegene Kosten der Hersteller nicht in die Produkte einpreisen und teils sogar Nachlässe forderten. Bio-Brotweizen hat sich 2021 beispielsweise erheblich verteuert, doch im Handel blieben die Preise für Mehl und Weizenbrötchen stabil, wie Diana Schaak, Marktanalystin bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, auf der heutigen Bio-Branchenbilanz-Pressekonferenz mitteilte. So drückten bei Bio-Mehl die Handelsmarken die Preise. Um höhere Kosten für Rohstoffe, Energie und Transport abzudecken, müssten in diesem Jahr Bio-Lebensmittel teilweise teurer werden – auch damit die Bio-Verarbeiter nicht unter die Räder kommen. „Kostensteigerungen werden uns noch auf der ganzen Linie begleiten.“

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Konventioneller Handel baut Vorsprung bei Bio aus

Weitere Marktanteile konnte sich der konventionelle Lebensmittelhandel, die Discounter und Drogerien sichern, hier gingen Bio-Lebensmittel im Wert von 9,88 Milliarden Euro über den Ladentisch. Das entspricht einem Plus von 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Fachhandel ist der Umsatz hingegen um 3,3 Prozent geschrumpft und lag bei 3,58 Milliarden Euro – und damit rund 13 Prozent höher als im Vor-Corona-Jahr 2019 (3,18 Milliarden).

Fleisch und pflanzliche Alternativen legen zu

Besonders Bio-Fleisch war 2021 gefragt. Die verkauften Mengen legten um 18,9 Prozent zu – allerdings ist dies ein hohes Wachstum auf kleinem Niveau. Bio-Fleisch kommt auf einen Mengenanteil von 4,4 Prozent am Gesamtmarkt und ist damit auch weiterhin ein deutlicher Nischenartikel. „Obst, Gemüse und vor allem Fleisch und Geflügel hätten noch viel stärker wachsen können, wenn die Rohstoffe entsprechend verfügbar gewesen wären. Bei Fleisch war über das ganze Jahr die Nachfrage größer als das Angebot“, erklärte Schaak. Ebenso beliebt waren Alternativprodukte wie Pflanzendrinks und Fleischersatz

Nach Ziel kommt Plan

Noch reicht der Ausbau der Bio-Fläche bei weitem nicht aus, um das 30-Prozent-Ziel der Bundesregierung zu erreichen.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Die Bundesregierung hat das Ziel ausgerufen, dass 30 Prozent der Agrarflächen bis 2030 ökologisch bewirtschaftet werden. Stand 2021: 10,8 Prozent und damit zeigt sich im Vergleich zu den Vorjahren ein weiter gesunkener prozentualer Zuwachs von 4,7 (2020: 6 Prozent, 2019: 7,7 Prozent, 2018: 9,1 Prozent). Benötigt wird allerdings ein jährliches Plus von elf bis zwölf Prozent, wie Schaak deutlich machte. „Der politische Rahmen stimmt nicht, die letzten 16 Jahre waren eher bio-feindlich als bio-fördernd“, sagte Tina Andres, Vorstandsvorsitzende Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Das „ambitionierte“ Ziel der neuen Bundesregierung begrüßte sie sehr, allerdings bräuchte es ähnlich wie bei der Energiewende einen konkreten Aktionsplan. Auch die aus ihrer Sicht bisher unterfinanzierte Forschung in der ökologischen Landwirtschaft gelte es zu stärken, 30 Prozent der Mittel sollen dorthin fließen.

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