Bio? Logisch!

Kräftiges Plus beim Bio-Umsatz

Zahlen, die sich sehen lassen können: Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln wuchs im vergangen Jahr um 22 Prozent. Insgesamt gaben Konsumentinnen und Konsumenten 14,99 Milliarden Euro für Bio-Lebensmittel aus, deren Marktanteil somit bei 6,4 Prozent gelandet ist. Auch teure Produkte wie Bio-Fleisch waren gefragt.

„Durch Fridays for Future und Corona haben wir 2020 ein phänomenales Wachstum auf dem Bio-Markt zu verzeichnen. Er ist ungefähr doppelt so viel gewachsen wie der konventionelle“, sagte Diana Schaack, Marktanalystin bei der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI), auf der heutigen Bilanz-Pressekonferenz der rein digital stattfindenen Biofach.

Nach wie vor ist Deutschland nach den USA weltweit der wichtigste Markt. Bei den in Sachen Lebensmitteln oft sparsamen Deutschen legten vor allem teure Produkte zu: 73 Prozent mehr Geflügel und 55 Prozent mehr Fleisch aus ökologischer Landwirtschaft landeten in den Einkaufskörben.

Mehr Nachfrage, mehr Fläche – Problem Bio-Milch

Im Vergleich zu 2019 legten die ökologisch bewirtschafteten Agrarflächen um 5,3 Prozent zu, insgesamt hatten sie im letzten Jahr einen Anteil von 10,2 Prozent. Laut aktuellen Koalitionsvertrag möchte die Bundesregierung bis 2030, dass ein Fünftel der Flächen von Bio-Bauern beackert wird. Schon heute stammt ein Viertel der Hülsenfrüchte, ein Drittel des Hafers, ein Fünftel des Obsts von Bio-Flächen und jedes siebte Ei aus ökologischer Tierhaltung.

stabili Bio-Milchpreise in Deutschland
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Die Produktion von Bio-Milch ist um vier Prozent gestiegen, wobei ein höheres Wachstum möglich gewesen wäre. Es gibt mehr Betriebe, die auch bio umstellen wollen, als Molkereien annehmen. Derzeit reicht die Nachfrage seitens des Handels schlicht nicht aus. Der Bio-Milchpreis bleibt seit Jahren auf hohem Niveau stabil, da ein Überangebot vermieden wird.

„Die Außer-Haus-Verpflegung hat ein großes Potenzial für weiteres Wachstum auf dem Bio-Markt“, erklärte Felix Löwenstein, Vorsitzender Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Der geringe Anteil von nur elf Prozent am Bio-Markt 2019 hat sich jedoch in der Corona-Krise angesichts geschlossener Gastronomie und im Homeoffice mit eigener Küche statt Kantine als Glücksfall erwiesen. Die Einbrüche waren bei weitem nicht so gravierend wie bei den konventionellen Lebensmitteln. Aber: „Ich finde es völlig irre, dass die Bundesregierung seit vier Jahren in ihrem Koalitionsvertrag das Ziel 20 Prozent der Flächen bis 2030 ökologisch zu bewirtschaften festgeschrieben hat, aber es noch nicht ansatzweise schafft, in ihren Kantinen einen Bio-Anteil von 20 Prozent zu realisieren.“

Bio als Problemlöser

Löwenstein wiederholte zudem seine Kritik, dass in der Gemeinsamen Agrarprolitik der EU (GAP) anders als von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner behauptet, nicht von einem Paradigmenwechsel gesprochen werden kann. „Natürlich ist effizientes Wirtschaften wichtig, aber ohne stabile Systeme geraten wir in große Probleme, sobald Störungen auftreten. Der ökologische Landbau ist die Antwort auf die Frage, wie wir resiliente Systeme entwickeln können.“

Die EU möchte bis 2030 erreichen, dass ein Viertel der Flächen ökologisch bewirtschaftet werden. Aber Bio würde nicht die ökologischen Probleme auf den restlichen Äckern lösen. „Dort muss sich viel ändern und die Politik kann den ökologischen Landbau als Instrument für den Umbau beispielsweise hin zu mehr Bodenfruchtbarkeit nutzen.“ Löwenstein warnte eindringlich, nötige Veränderungen nicht in die Zukunft zu schieben. Der Druck würde dadurch zusehends höher, die Maßnahmen schmerzhafter, am Ende stünden harte Brüche für Landwirtinnen und Landwirten. Für den weiteren Ausbau der ökologischen Agrarwende bräuchten sie vor allem Planungssicherheit.

1 Kommentar zu “Kräftiges Plus beim Bio-Umsatz

  1. Das nenne ich mal prompte Berichterstattung! Hut ab, Jens. Und noch viel Erfolg auf der Biofach.

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