„Die großen Krisen warten nicht, bis wir soweit sind“
Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten setzen Kundinnen und Kunden weiterhin auf ökologisch nachhaltig produzierte Lebensmittel. Sie gaben laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft in den ersten fünf Monaten dieses Jahres rund 35 Prozent mehr für Bio-Frischeprodukte aus, als im gleichen Zeitraum von 2019. Preissteigerungen sollen hierbei eine kleineren Anteil am Zuwachs haben. Tina Andres, Vorsitzende Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), interpretierte dies auf der heutigen Eröffnungs-Pressekonferenz der Biofach in Nürnberg als ein klares politisches Signal seitens der Konsumenten. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass die Bundesregierung ihr Ziel von 30 Prozent Öko-Agrarfläche bis 2030 nach heutigen Stand der Förderung wohl nicht erreichen wird.
Mehr Tierwohl auf den letzten Metern
Der Anbauverband Biokreis möchte Schlachtprozesse noch tierwohlgerechter gestalten und letztendlich seine Richtlinien in diesen Punkten verschärfen. Auf dessen Einladung trafen sich Anfang März virtuell Schlachter, Verarbeiter und Händler. Ziel ist ein neuer Premiumstandard des Verbands, allerdings ist die Betäubung mittels CO2 ein großer Knackpunkt.
Bio gerne billig – Discounter immer wichtiger
Das Umsatzwachstum mit Bio-Lebensmitteln hat sich etwas abgekühlt, beim Bio-Fachhandel steht sogar ein Rückgang im Vergleich mit dem Vorjahr von 22,2 Prozent zu Buche. Die Discounter können hingegen punkten, die sich zudem zur wichtigsten Verkaufsstätte für Bio-Fleisch entwickelt haben. Gestiegene Kosten für Futtermittel, Rohstoffe und Energie haben die Preise im Handel nach oben getrieben, was wiederum die Kundschaft vermehrt zu günstigen Produkten greifen lässt. Wo Bio steht, erklärte Diana Schaack von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft auf der Bio-Schweinetagung diese Woche in Bad Mergentheim.
„Einen Broiler in die Frischetheke zu legen funktioniert nicht“
Angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hat sich Bio-Futter extrem verteuert, teils sind Bio-Eiweißfuttermittel knapp und entsprechend wertvoll. Seit 1. Januar 2022 ist die Aufzucht der Bruderhähne der Hochleistungs-Legerassen bei allen Anbauverbänden mit Ausnahme von Biopark Pflicht, auch auf vielen nach EU-Bio zertifizierten Betrieben wachsen sie auf. Mag es ethisch richtig sein, wirtschaftlich und ökologisch ist die Praxis seit Kriegsbeginn noch fragwürdiger geworden: Die Hähne benötigen vergleichsweise zu viel Futter und liefern am Ende zu wenig Fleisch. Daher sollen sich in der ökologischen Landwirtschaft Zweinutzungsrassen mit einer ausgewogenen Eier- und Mastleistung so schnell wie möglich etablieren. Allerdings stockt das Vorhaben, da sich das Fleisch vom Zweinutzungshahn derzeit nur schwer vermarkten lässt. Woran das hapert weiß Wertschöpfungsketten-Managerin Anja Ettner vom Anbauverband Biokreis.
Steht der Bio-Bruderhahn weiterhin auf sicheren Füßen?
Welch ein Dilemma: Angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine haben sich Bio-Futtermittel verteuert und sind teilweise knapp. Die Aufzucht der Bruderhähne der auf Hochleistung gezüchteten Lege-Hybride ist bei den meisten Bio-Anbauverbänden Pflicht. Dabei verbrauchen die Tiere vergleichsweise zu viel Futter und bringen zu wenig Fleisch; der ökologische Fußabdruck ist entsprechend groß. Muss sich die Bio-Geflügelhaltung neu orientieren? Die Anbauverbände Bioland, Naturland, Demeter und Biokreis antworten.
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