Bio? Logisch!

Mehr Tierwohl auf den letzten Metern

Der Anbauverband Biokreis möchte Schlachtprozesse noch tierwohlgerechter gestalten und letztendlich seine Richtlinien in diesen Punkten verschärfen. Auf dessen Einladung trafen sich Anfang März virtuell Schlachter, Verarbeiter und Händler. Ziel ist ein neuer Premiumstandard des Verbands, allerdings ist die Betäubung mittels CO2 ein großer Knackpunkt.

Weiß, dass er dicke Bretter bohrt: Biokreis Geschäftsführer Josef Brunnbauer.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

„Es geht um die gesamte Bandbreite vom handwerklichen Betrieb bis zum großen Fleischverarbeiter, von der eigenen Schlachterei bis Lohnbetrieb, vom Schlachttiere selbst liefernden Landwirt bis zum beauftragten Spediteur“, erklärt Biokreis-Geschäftsführer Josef Brunnbauer das breit gefasste Spektrum. Entsprechend vielfältig sind Situationen und Verfahrensweisen in der Praxis. Besonders wichtig sei es Akteure ins Boot zu holen, die nicht Mitglied von Biokreis sind, um die komplette Wertschöpfungskette abzudecken. Das ist zum Beispiel der Schlachthof, der „nur“ nach EU-Bio zertifiziert ist und dementsprechend in den jährlichen Bio-Kontrollen nicht nach den in einzelnen Punkten strengeren Biokreis-Richtlinien geprüft wird. Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn das Bio-Geschäft gelte es nicht weiter zu verkomplizieren – motivieren statt durch noch mehr Aufwand abschrecken lautet die Devise.

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Derzeit werden vor allem die Erfahrungen der Akteure gesammelt. Um die entsprechende Datengrundlage zu schaffen, in welchen Punkten Richtlinien deutlicher gefasst werden müssen, steht als nächstes ein Besuch eines Schlachtbetriebs in Bayern an. Ein Termin steht noch nicht fest. „Derzeit haben Schlachthöfe aufgrund der extrem gestiegenen Energiekosten andere Sorgen, als unsere Verfahrensanalyse. Davor hat die Corona-Pandemie und deren Folgen gebremst. Unsere Aufgabe als Verband ist es jedoch, auch auf die ‚weichen‘ Themen zu schauen und diese weiterzuentwickeln.“ Kurz gesagt: Irgendetwas ist immer und man müsse jetzt starten.

Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Betäubung mittels CO2. Im Falle von Schweine ist sie bei Biokreis nur in Ausnahmefällen erlaubt, bei Geflügel ist die elektrische Ganzkörperdurchströmung Pflicht. „Die Elektrobetäubung in Gruppen ist bei Schweinen der Idealfall. Wird CO2 eingesetzt, können sie Erstickungsgefühle erleben. Das ist nicht sehr tiergerecht. Wie betäubt wird, ist für Konsumenten ein entscheidendes Kriterium.“ Die Bio-Anbauverbände sind sich einig, dass Tiertransporte maximal über 200 Kilometer erfolgen und lediglich vier Stunden dauern dürfen. Daher sind auch die Biokreis-Landwirte von regionalen Schlachtstrukturen und deren Methoden abhängig.

Neuer Biokreis-Premiumstandard

Seit 2007 können sich Biokreis-Erzeuger zusätzlich als „regional & fair“ zertifizieren lassen, wenn sie ihre Waren auf besonders kurzen Wegen an die Kundschaft bringen und Erzeuger „ehrlich“ entlohnt werden. Denkbar wäre ein weiterer Biokreis-Premiumstandard für diejenigen zu schaffen, die tierwohlgerechteres Schlachten als besondere Qualität ermöglichen und den noch im Detail zu definierenden Idealfall abbilden. „Das wäre zumindest ein Anfang und dann sehen wir, wer noch mitzieht“, resümiert Brunnbauer. Den Prozess hatten Bio-Fachhändler angestoßen, da sie sich Produkte wünschen, die man in Sachen tierwohlgerechten und ökologischen Schlachtprozessen besonders ausloben kann.

Mit 1.324 Mitglieder ist Biokreis der viertgrößte Bio-Anbauverband Deutschlands. Etwa die Hälfte der Mitglieder in der landwirtschaftlichen Erzeugung betreiben in den Bereichen Geflügel, Rinder oder Schweine Mast und ungefähr ein Viertel der verarbeitenden Betriebe sind in der Fleischverarbeitung inklusive Heimtiernahrung aktiv.

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