Bio? Logisch!

Biokreis verschärft Premiumstandard „regional & fair“

Ab 1. Januar 2024 greifen die verschärften Vorschriften des zusätzlich zur Biokreis-Zertifizierung freiwilligen Premiumstandards „regional & fair“. Die CO2-Betäubung bei Schweinen ist dann untersagt. Statt wie bei allen Anbauverbänden üblich, darf zudem die Wegstrecke zum Schlachthof keine 200 Kilometer, sondern nur noch 150 Kilometer betragen.

Erklärte die Herausforderungen auf der Mitgliederversammlung 2023: Biokreis-Pressesprecherin Stephanie Lehmann.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Natürlich müssen diese Schlachtstätten auch unter „regional & fair“ weiterhin die Biokreis-Verabeiterrichtlinien erfüllen. Unter dem freiwilligen Premiumstandard ist allerdings ab kommendem Jahr das Betäuben von Schweinen ausschließlich mittels Elektrobetäubung zulässig, Bolzenschuss und CO2 sind dann verboten. Damit zielt der Anbauverband explizit auf den Erhalt und Ausbau dezentraler Strukturen entlang der Wertschöpfungskette ab. Zudem dürfen ab kommendem Jahr das Biokreis regional & fair-Markenzeichen nicht an Eigenmarken des Handels vergeben werden.

Die neuen strengeren Vorgaben werden kontrolliert. Verarbeitende Unternehmen benötigen einen Lohnverarbeitervertrag mit dem Schlachthof, direktvermarktende Betriebe werden im Rahmen der Bio-Kontrolle zur Schlachtstätte befragt und die Wegstrecke und Betäubungsmethoden werden überprüft. Zudem erhebt die Biokreis-Qualitätssicherung im Rahmen der jährlichen Bio-Kontrollen aktuell alle Schlachtstätten, in denen Biokreis-Tiere geschlachtet werden, sowie welche Tiere das sind. Mit Hilfe dieser Daten soll ein Überblick über die von Biokreis-Betrieben genutzten Schlachtstrukturen gewonnen werden, um im Verband auf fundierter Grundlage weitere Entscheidungen zum Thema Schlachtung treffen zu können.

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In den allgemeinen Biokreis-Richtlinien bleibt das Betäuben von Schweinen mittels CO2 in Ausnahmefällen erlaubt. Eine entsprechende Änderung zeichnet sich auf der nächsten Mitgliederversammlung kommenden März nach jetzigem Kenntnisstand nicht ab.

Der best mögliche Fall

Biokreis erarbeitet derzeit einen Leitfaden, der die Werte und Vorstellungen rund ums Schlachten von Rindern, Schweinen und Schafen im Idealfall definiert. „Es ist nicht so einfach, eine Schlachtung an ein oder zwei Merkmalen als gut oder schlecht zu beurteilen“, machte Biokreis-Pressesprecherin Stephanie Lehmann auf der diesjährigen Mitgliederversammlung Anfang März deutlich. Doch von Beginn an war klar, dass Teile des Leitfadens in die „regional & fair“-Richtlinien einfließen, die erstmals 2007 aufgestellt wurden.

Derzeit nutzen 50 Biokreis-Mitglieder, darunter mit der Hausmetzgerei des Fachhändlers ebl Naturkost und Vorwerk Podemus zwei größere fleischverarbeitende Betriebe, das Biokreis regional & fair-Zeichen. Aber auch zehn direktvermarktende Betriebe mit Tierhaltung setzen auf den Premiumstandard. Einer davon ist der Klosterhof Bünghausen aus dem nordrhein-westfälischen Gummersbach, der in naher Zukunft Rinder teilmobil schlachten wird.

Als ursprünglicher Impuls hatten sich Bio-Fachhändler Produkte gewünscht, die man in Sachen tierwohlgerechteren und ökologischen Schlachtprozessen besonders ausloben könne. Seit zwei Jahren beschäftigt sich Biokreis explizit mit diesem komplexen Thema. Etliche Gespräche und Treffen entlang der Wertschöpfungskette haben stattgefunden, zudem besteht ein fachlicher Austausch mit der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL), denn auch hier widmen sich Expertinnen und Experten den gleichen Fragestellungen. So erarbeitet der Arbeitskreis „Tier und Fleisch“ ebenfalls einen Leitfaden, in dem bestmögliche Schlachtbedingungen rund ums Tierwohl definiert werden. Das Papier soll spätestens Anfang nächsten Jahres erscheinen. Biokreis und AöL hatten in diesem Jahr gemeinsam einen Schlachthof in Norddeutschland besucht.

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