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„Heimlich“ die größte Bio-Bäckerei Europas in Fulda gebaut

Die Backstationen des konventionellen Lebensmittelhandels und des Discounts mit hochwertigen Bio-Produkten zu erobern, ist Bio Breadness aus Fulda gelungen. Der Start der ökologischen Großbäckerei vor zehn Jahren war jedoch milde ausgedrückt turbulent und alles andere als einfach: Kunden für die ökologische Backwaren gab es zunächst gar nicht. Daher galt es gestern auf dem Betriebsgelände die Erfolge zu feiern, zudem kamen mögliche weitere Investitionen in den Standort zur Sprache.

In den vergangenen zwei Jahren hat Bio Breadness etwas über 40 Millionen Euro investiert, in diesem Zuge eine zweite Produktionslinie etabliert und damit das Produktionsvolumen verdoppelt. Sieben Tage die Woche rund um die Uhr wird gearbeitet, unter Volllast steht das Werk jährlich für 40.000 Tonnen Backwaren. Die ökologischen Brote, Brötchen und Baguettes (95 Prozent zertifiziert nach Bioland, Naturland, Demeter oder Biokreis) finden tiefgekühlt ihre Wege in die Filialen des konventionellen Lebensmittelhandels sowie Discounts, und werden dort nach Bedarf aufgebacken. Die Kunst sei es gewesen, die größte Bio-Bäckerei Europas in Fulda zu bauen, ohne dass es jemand merkt, so Andreas Swoboda, Geschäftsführer Bio Breadness. „Wir haben einen stabilen Arbeitgeber in der Region ergänzt. Ich bin dankbar und zufrieden mit dem Erreichten.“ Der Erfolg sei ohne die Mitarbeiterschaft (derzeit über 250) undenkbar, deren Einsatz wurde gestern mehrfach anerkannt und hervorgehoben.

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„Wir sind im gesamten deutschen Lebensmittelhandel zu finden“, sagte Peter van den Berg, CEO der Pandriks Gruppe, zu der seit 2016 Bio Breadness gehört. Aber auch in in Polen, Rumänien, Spanien, Skandinavien und den USA können die Menschen Bio-Backwaren made in Fulda genießen. Sich auf dem Markt zu behaupten, gelänge nur mit Top-Produkten in Top-Qualität.

Die Stunde Null von Bio Breadness

Einst als zweiter Produktionsstandort für die Fuldaer Herzberger Bäckerei (unter dem neuen Firmennamen gutes gut gebacken gmbh, kurz: ggg) geplant, hieß es nach dem Verkauf des Lebensmittelhändlers tegut an die schweizerische Migros den Schalter umzulegen: Die Herzberger Bäckerei landete wieder bei tegut, den neuen Produktionsstandort übernahm Pandriks.

„Die ersten drei Jahre waren sehr hart“, gab van den Berg unumwunden zu. Zu Beginn gab es sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber keine Kunden und folglich auch keinen Umsatz. „So eine leere Halle kann ganz schön laut brüllen“, meinte Swoboda. Aber: „Wir hatten gute Gedanken und einen Schwung Mut.“ Seine Vision war es, hochgradig effizient große Mengen in Bio-Qualität speziell für den konventionellen Lebensmittelhandel zu produzieren. Dies sollte die Nachfrage nach Bio-Rohstoffen weiter befeuern, damit möglichst zusätzliche Ackerflächen ökologisch bewirtschaftet werden.

Doch zuallererst liefen konventionelle Backwaren für den polnischen Markt vom Band. Damit war die Produktionslinie alles andere als ausgelastet. „Wir haben mehr gereinigt, als produziert“, so van den Berg. Der Weg zu Bio in Verbandsqualität war dennoch vorgezeichnet: Seit jeher verzichtet Bio Breadness auf technische Enzyme, die unter EU-Bio erlaubt aber bei den Anbauverbänden verboten sind, und setzt stattdessen auf traditionelle lange Teigführung. „Wir wollten es von Anfang an richtig machen“, so Swoboda.

Würde sich der konventionelle Lebensmittelhandel und die Discounter auf Bio-Produkte in den Aufbackstationen einlassen? „Es gab durchaus noch eine gewisse Zurückhaltung, weil man den Mehraufwand durch die Bio-Kontrollen als zu hoch empfunden hat. Wir mussten Bio durchaus aktiv forcieren“, so Swoboda. Auch deswegen rief der eigentliche Private-Label-Produzent 2017 die Marke SlooOW ins Leben: in Folie verpackte Aufbackware, die heute durchgängig als Demeter ausgelobt ist. Die kann sich jeder Händler ins Regal legen, ohne gleich seine Backstation bio-zertifizieren zu lassen. Der Bio-Einstieg mit Bio Breadness war dadurch recht simpel. „Relativ schnell war uns darüber hinaus klar, dass wir uns eine Marke wünschen, mit der wir unsere Ansprüche an Spitzenqualität zeigen.“

Die ökologische Trendwende in den Aufbackstationen aus Sicht der Fuldaer erfolgte 2018: Das erste Bio-Brot aus dem Hause Bio Breadness landete im konventionellen Lebensmittelhandel. „Wir waren glücklich wie Kinder“, so van den Berg. Da die Bio-Nachfrage in Deutschland und Europa weiter wächst, kündigte er an: „In den nächsten Monaten überlegen wir, ob wir weiter in den Standort investieren.“ Konkrete Details nannte er nicht.

„Ganz gut gelungen“ – damit spielte der Fuldaer Stadtbaurat Daniel Schreiner auf die Abkürzung des ursprünglichen Unternehmensnamens gutes gut gebacken an. Schreiner freute sich, dass Bio Breadness einen Teil der tegut- Welt in der Region bewahre. Der Lebensmittelhändler tegut soll verkauft werden, die Fuldaer Firmenzentrale schließt am 31. März 2027, in diesem Zuge verlieren 470 Menschen ihren Arbeitsplatz. Längst sei Bio Breadness aus dem Schatten getreten, sowohl der Stadt wie auch dem Landkreis Fulda sei bewusst, was das Unternehmen in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit geleistet hat und heute noch leistet. „Ihr habt ein Stück Fuldaer Wirtschaftsgeschichte geschrieben.“

Herausforderungen für Bio

Wie wichtig ökologische Verarbeiter sind, die Landwirtinnen und Landwirten eine gesicherte Abnahme ihrer Bio-Rohstoffe bieten, hob Anne Baumann, geschäftsführende Vorständin Assoziation ökologischer Lebensmittelherstellerinnen und -hersteller (AöL), in ihrem Grußwort hervor. Seit 2014 engagiert sich Swoboda ehrenamtlich im AöL-Vorstand. „Bio-Produzenten müssen landwirtschaftliche Rohstoffe verstehen und mit deren natürlichen Schwankungen umgehen. Es braucht Erfahrung und Verständnis für Qualität. Diese Herstellerkompetenz ist nicht einfach so austauschbar“, so Baumann.

Sie kam allerdings nicht umhin, mit Blick auf die gesamte Bio-Lebensmittelbranche einen Schluck Wasser in den Bio-Wein zu gießen. Die Preissteigerungen angesichts von Kriegen (Ukraine, Iran) und weitere geopolitische Krisen hinterlassen ihre Spuren, wie auch die Ernteausfälle angesichts des Hitzesommers. „Wir erleben am Markt einen wahnsinnigen Preis- und Effizienzdruck.“

Dr. Alexander Beck, Geschäftsführung AöL, habe zunächst durchaus Zweifel gehabt, ob auf dem Bio-Markt Platz für einen großen Player wie Bio Breadness ist. Der Erfolg gibt Swobodas Vision recht. „Ein ökonomisch leistungsfähiges Unternehmen zu schaffen, um die Vorzüge des ökologischen Landbaus vielen Menschen verfügbar zu machen, war der richtige Weg“, so Beck. Jeder ökologisch bewirtschaftete Acker zahle auf eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen ein. Der Öko-Anbau sei nicht perfekt, liefere dennoch Antworten beispielsweise für den Klimaschutz und die Biodiversität.

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