Meinung

Ein klares Ja zur neuen BioOst in Leipzig

Kommentar

Als reine Fachmesse ist die BioOst Geschichte: Nach der diesjährigen Premiere zusätzlich Endverbraucher zuzulassen, werden diese auch im kommenden April in der Leipziger Messehalle neben dem gewohnten Fachpublikum begrüßt. Dieser Mix gefällt nicht jedem Bio-Fachhändler oder Bio-Hersteller. Das neue Konzept ist allerdings folgerichtig – denn die Alternative kann sich niemand in der Bio-Branche ernsthaft wünschen.

Hinweisschild BioOst 2026
Die BioOst geht neue Wege.
Bild: Bernd Rottmann/BioMessen

An dieser Stelle muss ich offen zugeben, zunächst auch skeptisch gewesen zu sein. Nicht, weil die BioOst an zwei statt an einem Tag stattfinden sollte oder sich in diesem Jahr erstmals zusätzlich für Endverbraucher öffnete. Viel eher, weil die beiden Besuchergruppen durchweg vermischt wurden. Zwar trugen Fachbesucher und Fachbesucherinnen ein Bändchen am Arm, damit das jeweilige Standpersonal auf dem ersten Blick erkennen konnte, mit wem man es zu tun hat. Ich stellte es mir in der Praxis schwierig vor, mit einem Fachhändler, einer Fachhändlerin über Einkaufspreise zu sprechen, während gleichzeitig Endkunden potenziell zuhören. Während der eine Muster geschenkt bekommt, muss der andere für Produkte bezahlen. Genau das haben im laufenden Messebetrieb vereinzelte Stimmen auch bemängelt. Für andere war dieser Spagat wiederum einfach zu bewerkstelligen, und im Rückblick betrachtet keiner großen Rede wert.

An beiden Messetagen war ich auf der diesjährigen BioOst unterwegs, und führte etliche Gespräche. Das auf diesem Wege eingeholte und nicht repräsentative Stimmungsbild der Aussteller reichte von „Katastrophe“ bis „mega“. Von der Utopie es allen recht zu machen, muss man sich generell verabschieden. Zudem kommt es unter anderem auf das jeweilige Sortiment an, ob man auch bei der Endkundschaft punkten kann – oder ob man das überhaupt möchte. Starke Markenhersteller wie Sonnentor und Spielberger Mühle waren aufgrund des neuen Konzepts in diesem Jahr nicht mit Ständen auf der BioOst vertreten. Das Format – welches zumindest kommenden April bestimmte Uhrzeiten exklusiv für das Fachpublikum reserviert – passt nicht zur Messe-Strategie jedes Bio-Herstellers. Das ist okay.

Eine Alternative, die eigentlich keine ist

Nun kann man sich in weiteren Diskussionen verlieren, wie sinnvoll dieser Hybrid einer Fach-und-Verbrauchermesse ist. Die Zahlen der vergangen Jahre sprechen eine deutliche Sprache, denn es fanden immer weniger Aussteller und Fachbesucher ihren Weg nach Leipzig. Weiter so wie bisher hätte zwangsläufig zum recht baldigen Aus der BioOst geführt. Eine Alternative, die Bio nicht voranbringt und für die Bio-Branche durchaus ein Verlust gewesen wäre. Ernsthaft kann sich das niemand wünschen.

Daher ist es folgerichtig, dass die Messebetreiber Matthias Deppe und Wolfram Müller den Mut zum Experiment aufgebracht haben. Natürlich ist beim Erstlingswerk diesen April noch nicht alles perfekt gelaufen. Man war jedoch so flexibel, auf Wunsch der Aussteller im laufenden Messebetrieb Details zu verändern. So gab es am ersten Messetag einen kleinen Bereich, der exklusiv Fachbesuchern zugänglich war. Am zweiten Tag war er offen für alle. Und ja, die Vorträge waren teils wirklich schwach besucht. Wahrscheinlich wird man immer Punkte finden, die noch besser gelöst werden können.

Man kann den Blick aber auch auf etwas anderes richten und die Hingabe der Messebetreiber zur BioOst respektieren und wertschätzen. Ob im Norden, Süden, Westen oder Osten: Jede der regionalen BioMessen ist eine organisatorische Meisterleistung auf mehreren Ebenen. Deppe und Müller haben für den Leipziger Standort noch einen weiteren Kraftakt drauf gelegt. Obwohl sie bereits seit etlichen Jahren stattfindet, ist die BioOst für Endverbraucher ein neues und unbekanntes Format, welches sich erst bei dieser Zielgruppe noch etablieren muss. Der zusätzliche Aufwand für Marketing und Kommunikation ist nicht zu unterschätzen, der – nebenei bemerkt – auch finanziert werden möchte. Die Messebetreiber bieten die Chance, weiterhin für Bio in Leipzig zu trommeln, und bestenfalls neue Konsumentinnen und Konsumenten zu gewinnen. Wer möchte, kann diese Chance nutzen.

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