„Einen Broiler in die Frischetheke zu legen funktioniert nicht“
Angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hat sich Bio-Futter extrem verteuert, teils sind Bio-Eiweißfuttermittel knapp und entsprechend wertvoll. Seit 1. Januar 2022 ist die Aufzucht der Bruderhähne der Hochleistungs-Legerassen bei allen Anbauverbänden mit Ausnahme von Biopark Pflicht, auch auf vielen nach EU-Bio zertifizierten Betrieben wachsen sie auf. Mag es ethisch richtig sein, wirtschaftlich und ökologisch ist die Praxis seit Kriegsbeginn noch fragwürdiger geworden: Die Hähne benötigen vergleichsweise zu viel Futter und liefern am Ende zu wenig Fleisch. Daher sollen sich in der ökologischen Landwirtschaft Zweinutzungsrassen mit einer ausgewogenen Eier- und Mastleistung so schnell wie möglich etablieren. Allerdings stockt das Vorhaben, da sich das Fleisch vom Zweinutzungshahn derzeit nur schwer vermarkten lässt. Woran das hapert weiß Wertschöpfungsketten-Managerin Anja Ettner vom Anbauverband Biokreis.
Bio braucht konventionell und konventionell braucht bio
Bio-Produkte und der konventionelle Lebensmittelhandel sind eine Liebe auf dem zweiten Blick. Mittlerweile sind beide unzertrennlich, schon längst ist die ökologische Landwirtschaft auf diesen Wachstumstreiber angewiesen. Vor allem, wenn die Bundesregierung ihr Ziel von 30 Prozent ökologisch bewirtschafteter Agrarfläche bis 2030 erreichen möchte. Und der konventionelle Handel benötigt Bio nicht zuletzt auch, um sich zu profilieren und Kunden zu binden. Ist es eher eine Zwangsehe oder doch echte Liebe? Welche Schlüsselrolle Bio bei konventionellen Händlern spielt, erklärte Professor Dr. Achim Spiller, Inhaber des Lehrstuhls Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte an der Georg-August-Universität Göttingen, anlässlich des 13. Marktgesprächs der BioHandel Akademie.
Steht der Bio-Bruderhahn weiterhin auf sicheren Füßen?
Welch ein Dilemma: Angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine haben sich Bio-Futtermittel verteuert und sind teilweise knapp. Die Aufzucht der Bruderhähne der auf Hochleistung gezüchteten Lege-Hybride ist bei den meisten Bio-Anbauverbänden Pflicht. Dabei verbrauchen die Tiere vergleichsweise zu viel Futter und bringen zu wenig Fleisch; der ökologische Fußabdruck ist entsprechend groß. Muss sich die Bio-Geflügelhaltung neu orientieren? Die Anbauverbände Bioland, Naturland, Demeter und Biokreis antworten.
„Bei allem gilt es, Hoffnung und Zuversicht nach vorne zu tragen“
Der russische Angriffskrieg in der Ukraine wirkt sich in Deutschland auf die Versorgungslage mit Bio-Rohstoffen und -Futtermitteln aus, die sich teils extrem verteuert haben und knapp geworden sind. Auch Demeter-Produzenten sind betroffen, wie Johannes Kamps-Bender vom Bundes-Vorstand und die geschäftsführende Vorständin Demeter im Westen, Ute Rönnebeck, im Interview berichten. Ein bewusster Umgang mit knappen Ressourcen und ein Gespür für wahre Preise seien gefragt.
Bio alleine rettet nicht die Welt
Gibt die Bio-Branche tatsächlich Antworten auf drängende Probleme wie Artensterben und Klimawandel? Zuletzt geriet Bio mehrfach in Kritik. Im Interview spricht Dr. Alexander Beck, geschäftsführender Vorstand der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller, Erfolge sowie Schwachstellen an und warnt vor zu großer Marktkonzentration. Für eine vollständige ökologische Transformation sei zudem das Produzieren von Bio-Lebensmitteln erst der Anfang.
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