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Zucht, Anbau und Handel müssen zusammenfinden

Die Saatgut-Tagung der Zukunftsstiftung Landwirtschaft am vergangenen Samstag stand unter den Motto „Zukunft gestalten – 20 Jahre Saatgutfonds“. Geschäftsführer Oliver Willing betonte, dass trotz vieler Erfolge für ökologisches Saatgut, auch die nächsten 20 Jahre noch ein langer Weg vor uns liege. „Die zehn größten Konzerne beherrschen mittlerweile 75 bis 80 Prozent des Weltmarkts.“ Vielen Menschen bereite diese Konzentration, wie auch das Privatisieren gesellschaftlicher Gemeingüter durch Patente Unbehagen. Züchter, Landwirte und Händler waren nach Kassel gereist, um zu diskutieren und gemeinsame Lösungen zu finden.

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Lukas Nossol (links) und Johanna Zellfelder von der Zukunftsstiftung BioMarkt überreichten Oliver Willing (rechts) eine Spende in Höhe von 50.000 Euro für den Saatgutfonds.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

„Der ökologische Anbau braucht eigene Sorten, die gegen Schädlinge resistent sind und auch ohne Kunstdünger gedeihen“, sagte Oliver Willing. Ebenso müsse bei der Zucht von Getreide-, Gemüse- und Obstsorten auch Geschmack und Nährstoffe im Fokus stehen und nicht alleinig der Ertrag.

Naturkosthandel befürchtet Abhängigkeiten

Kirsten Arp vom Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) erklärte, dass es für die Branche strategisch entscheidend ist, sich mit ökologischer Züchtung zu befassen. Es drohen nicht nur massive Abhängigkeiten von Konzernen, sondern auch die Kunden des Naturkosthandels verlangen bewusst Alternativen.

Lukus Nossol, Marketingleiter von Dennree, betonte die Präferenz seines Unternehmens für samenfeste Sorten aus ökologischer Züchtung. Allerdings müsse der Einkauf noch vehementer bei Erzeugern nachfragen und deutlicher Position beziehen. Noch wisse man nicht durchgehend, welche Sorten im Verkaufsregal landen. Produkte müssten durchgängig transparent gekennzeichnet sein, ohne die Kunden mit zu viel Information zu überfordern. 2013 gründete das Unternehmen zudem die Zukunftsstiftung Biomarkt, die sich unter anderem für ökologisches Saatgut einsetzt. So konnte Nossol zum Beginn der Veranstaltung dem Saatgutfonds eine Spende in Höhe von 50.000 Euro übergeben.

Samenfeste Sorten zwischen Aufbruchstimmung und Frust

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Gemüsezüchter Dieter Bauer teilt sein Wissen gerne.
Bild: Stephan Münnich

Gemüsezüchter Dieter Bauer beklagte das teilweise geringe Vertrauen in samenfeste Sorten seitens der Anbauer. Auch in der ökologischen Landwirtschaft kommt Hybrid-Saatgut zum Einsatz, welches unter anderem einen hohen Ertrag, gleichförmige Feldfrüchte und enge Erntezeiträume verspricht. Allerdings müssen Landwirte jedes Jahr aufs Neue Saatgut einkaufen, da es sich nicht vermehren lässt.

„Nie wieder samenfest“, sagte ein Erzeuger von Dennree, wie Lukas Nossol berichtete. Kurzfristig hatte der Landwirt samenfesten Friedemann/Ebner Zuckermais angebaut, da Dennree ihn als Aktion anbieten und damit für samenfeste Sorten werben wollte. Allerdings hatte der Landwirt keine Erfahrung mit der Sorte und setzte die Pflanzen daher zu eng. „Wir haben alle unser Versagen in der Kette studiert und versuchen dadurch als Unternehmen zu lernen“, sagte Nossol.

Tatsächlich nützen Züchtungserfolge wenig, wenn der Handel die Sorten nicht nachfragt und sie dadurch auch nicht auf den Tellern der Kunden landen. Gemüsezüchterin Christina Henatsch machte klar, dass Gärtner bereits Jahrzehnte in Vorleistung gegangen sind, mehr sei nicht möglich. Nun müsse der Handel folgen.

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