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Loheland: 90 Jahre biologisch-dynamischer Anbau

1927 wandte Maria Lohrmann zum ersten Mal im Garten der anthroposophischen Siedlung Loheland bei Fulda biologisch-dynamische Präparate an. Loheland war eine Versuchsstelle für einen naturgemäßen Landbau nach Rudolf Steiner. Unter der Marke des Anbauverbands Demeter sind Produkte aus biologisch-dynamischem Anbau schon lange im Handel und auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen. „Das ist ein positives Beispiel für eine Graswurzelbewegung“, begrüßte gestern Dr. Steffen Borzner, Vorstand der Loheland Stiftung, die Gäste. Anlässlich des Jubiläums hatte Loheland für Rückschau, aber auch kritischer Betrachtung der Gegenwart und Pläne für die weitere Zukunft in sein Tagungshotel Wiesenhaus eingeladen.

Auch eine Graswurzelbewegung braucht besondere Orte. Für Demeter sei dies Loheland, erzählte Thea Gabriel von Demeter e.V.. „Es gab etliche Wegbereiter für den biologisch-dynamsichen Impuls und Loheland ist ein guter Ort, um deren Arbeit zu würdigen.“ Solche Rückschauen seien auch für das künftige Gestalten wichtig. So habe auch Loheland durch die dort stattfindenden Tagungen den Demeter-Verband geprägt.

Raus aus der biologisch-dynamischen Filterblase

In einer anschließenden Diskussion wurde die Weitsicht für eine naturgemäße Landwirtschaft der Pioniere nicht nur in Loheland gewürdigt. Dabei sei es allerdings wichtig, nicht nur in der Vergangenheit zu schwelgen, sondern auch die Gegenwart zu betrachten und Zukunft aktiv zu gestalten.

Agrarwissenschaftlerin Anja Christinck warb für einen Blick außerhalb der biologisch-dynamischen Szene. „Wir müssen uns mehr einbringen und dürfen dabei nicht als der Oberlehrer auftreten.“ Dem stimmte auch Thorsten Keuer, Bereichsleiter der Landwirt- und Forstwirtschaft auf Loheland, zu. Aber: „Man steht oft alleine da. Die Kunst ist, empathisch auf sein Gegenüber einzugehen, Gemeinsamkeiten finden und sich selbst treu zu bleiben.“

„Wir müssen uns fragen, welchen Beitrag wir leisten können“, meinte die seit Jahrzehnten mit Loheland verbunde Margarethe Voegele. Es gäbe in der Welt genug zu heilen, wie durch Agrargifte verseuchte Böden.

Demeter steht für mehr: Kosmische Kräfte und Naturverbundenheit

Nach dem anschließenden Rundgang durch Hof und Gärtnerei folgte der Vortrag von Johannes Ell-Schnurr, Geschäftsführer Demeter Beratung e. V.. „Wir möchten mehr als nur eine andere Landwirtschaft“, warb er für ein tieferes Verständnis von natürlichen Zusammenhängen und landwirtschaftliche Betriebe als Organismen. „Wir betrachten nicht nur Vitamine und Nährstoffe von Pflanzen, sondern auch die Kräfte, die sie Menschen verfügbar machen.“

Ebenso betonte er Rudolf Steiners Weitsicht, der vor über 90 Jahren mit Zitaten wie „Kein Baum steht alleine da, kein Vogel zwitschert für sich“ für Biodiversität warb. So würde man es zumindest heute nennen. Bienen- und Insektensterben, Rückgang der Artenvielfalt auch in puncto angebauter Nutzpflanzen und gehaltener Nutztierrassen sind aktuelle Themen.

Angesichts dessen hob Gerhard Stocker persönliche Erfahrungen von Schülern in Landwirtschaft und Gartenbau hervor. Stocker ist Dozent am Institut für Waldorf-Pädagogik in Witten und Gartenbau-Lehrer der freien Waldorfschule in Marburg. „Kinder sollen lernen, dass Menschen auch auch mit der Natur umgehen können, ohne sie zu zerstören.“ Gerade in der Pubertät kommen Fragen nach dem eigenen Ich, der Außenwelt und seine Aufgaben in eben dieser auf. Hier seien solche positive Botschaften kraftvoll. Besonders, da in der industrialisierten Gesellschaft und der Landwirtschaft das Leben als Maschine wahrgenommen wird.

Zieht man für den biologisch-dynamischen Anbau eine vorläufige Bilanz, so hat er in den letzten Jahrzehnten viel erreicht. Im gleichen Zeitraum nahm aber auch das Zerstören der Umwelt zu, so dass es noch einiges zu reparieren gibt. Moralisieren bringe dabei wenig, viel effektiver sei eine sinnvolle Mitmach-Pädagogik als Grundlage für wachsendes Bewusstsein. So ließe sich die Verbundenheit mit der Natur stärken.

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