Das Bündnis für Klima und Nachhaltigkeit Fulda (BKN) kann sich vorstellen, die Agrarwende intensiver und dauerhaft mit einem Ernährungsrat Fulda in der Region voranzubringen: mehr heimische Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft, dazu passende Bildungsangebote. Als Vorbild könnte das Modell aus Marburg fungieren. Bei einem gestrigen Treffen beantwortete Wulf Hahn, Vorstand Ernährungsrat Marburg und Umgebung (EMU), jede Menge Fragen.

Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0
Ende Oktober 2020 riefen aktive Bürgerinnen und Bürger den Ernährungsrat Marburg und Umgebung ins Leben, um die Ernährungswende in den Landkreis zu tragen. Das Stärken von regionalen Wertschöpfungsketten und damit der heimischen (ökologischen) Landwirtschaft, sowie Ernährungsbildung sind Ziele. Aktuell beschäftige man sich intensiv damit, wie regionale Bio-Lebensmittel verstärkt in der Außer-Haus-Verpflegung – also in Kantinen, Mensen, Gastronomie – den Weg auf die Teller finden.
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Das nach außen sichtbarste Projekt ist der Lebensmittelpunkt Wehrda. „Dort zeigt sich, wie man sich kostengünstiger ökologisch und regional mit Lebensmitteln versorgen kann, und dass es Spaß macht, sich gesund zu ernähren“, erklärte der beim gestrigen BKN-Treffen online zugeschaltete Wulf Hahn, Vorstand EMU. Herzstück des Lebensmittelpunkts ist eine Einkaufsgemeinschaft, deren Mitglieder Bio-Lebensmittel im Schnitt rund ein Drittel günstiger als im regulären Handel erwerben können. Dazu kommen Gemüsegärten, die für eine Saison gemietet werden können. „Das ist ein Geheimnis unseres Erfolgs, denn viele wollen ihr eigenes Gemüse anbauen.“ Auf dem Kinderacker gibt es darüber hinaus Ernährungsbildung zum Anfassen und Mitmachen – denn der Salat wächst nicht im Supermarkt.
Ist ein Ernährungsrat Fulda denkbar?
„Wir werden das Marburger Modell nicht 1 : 1 kopieren können, sicherlich braucht es auch Fuldaer Lösungen“, sagte Christina Krack vom BKN. Einen Ernährungsrat Fulda könne man sich prinzipiell sehr gut vorstellen, wofür es allerdings auch tatkräftige Mitstreiterinnen und Mitstreiter braucht – denn der Arbeitsaufwand ist hoch.
In Fulda gibt es bereits potenziell passende Akteure, die man einbinden könnte und die es anzusprechen gilt. So führt beispielsweise eine Projektgruppe unter dem Dach des gemeinnützigen Fördervereins Kultur- und Umweltbildung die drei Fuldaer Standorte der tegut Saisongärten am Eisweiher, Sprengelrasen und auf dem Dach des Konzeptkaufhauses Karl weiter. Im Green Food Cluster vernetzen sich Akteure der Lebensmittelwirtschaft, das Convivium Slow Food Fulda Rhön-Vogelsberg treibt die Wertschätzung für gute und gesunde Lebensmittel voran, Emmas Unverpacktladen ist seit vergangenem Jahr ein gemeinnütziger Verein. Herausfordernd wird sein, die unterschiedlichen Herangehensweisen und Ziele zu bündeln. Im kommenden Jahr lädt das BKN Hahn zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung ein, um Bürgerinnen und Bürger die Idee vom Ernährungsrat Fulda näher zu bringen.
Seit geraumer Zeit beschäftigt sich das BKN bereits mit einer enkeltauglichen Land- und Lebensmittelwirtschaft. Gemeinsam mit dem Kreisbauernverband Fulda-Hünfeld fand im Januar der Auftakt der Veranstaltungsreihe „Im Dialog. Deine Bauern. Deine Fragen.“ statt, der nächste Termin ist am 17. November.
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