Biokreis wird ab sofort auch Produkte der Edeka Bio-Eigenmarke zertifizieren, dafür ist der Lebensmittelhändler Mitglied beim Anbauverband geworden. Damit ist das „Triple“ perfekt: Die Edeka-Töchter Naturkind und Discounter Netto sind dies bereits. Der Edeka-Verbund habe damit „einen Meilenstein in seiner Bio-Offensive“ erreicht, wie das Unternehmen mitteilt.

Bild: Edeka/Christian Schmid
„Mit der Biokreis-Zertifizierung kann die Bio-Eigenmarke nun die Zusammenarbeit mit allen relevanten Bio-Anbauverbänden vorweisen“, heißt es aus der Edeka-Zentrale, die weiterhin auf Anfrage schriftlich mitteilt: „Der Edeka-Verbund ist der einzige Lebensmittelhändler in Deutschland, der mit allen relevanten Bio-Anbauverbänden wie Naturland, Bioland, Biokreis und Demeter kooperiert.“ Das ist allerdings falsch, denn der konventionelle Lebensmittelhändler tegut tut dies bei seiner Bio-Eigenmarke bereits seit langem.
Biokreis bei Edeka
Konkrete Biokreis-Produkte für die Eigenmarke Edeka Bio seien bereits geplant, teilt Simon Krischer, Geschäftsführer Biokreis, auf Anfrage schriftlich mit und kündigt baldige Details hierzu an. Die selbstständigen Edeka-Kaufleute haben hohen Einfluss auf das Sortiment in ihren Läden, daher kann es je nach Region generell zu unterschiedlichen Verfügbarkeiten kommen. „Das Schöne an Edeka ist ja eben die nicht konzernartige Struktur. Es sind einzelne lokale, regionale, Strukturen und Abwicklungen möglich und auch sehr gewünscht“, freut sich Krischer.
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Entscheidend für die Mitgliedschaft von Edeka war unter anderem die im vergangenen November beschlossene Kooperation auf Basis der Branchenvereinbarung zwischen den Anbauverbänden Bioland und Biokreis. Beide sichern sich damit die Verfügbarkeit von Rohwaren ab, da sie gegenseitig ihre Richtlinien anerkennen. Denn eins ist klar: Edeka & Co. gilt es verlässlich in größeren Mengen zu beliefern. „Beste Qualität und Absicherung der Lieferketten sind primordial für alle Akteure. Nur so kann man nachhaltig eine gesunde Vertrauensbasis aufbauen“, schreibt Thorsten Block, Vorstandsvorsitzender Biokreis, auf Anfrage.
In der Praxis sieht das so aus: Ein Biokreis-Betrieb kann seine Rohwaren an einen Bio-Verarbeiter liefern, wo sie in einem als Bioland ausgelobten Produkt landen – und umgekehrt. „Dies war schon im Rahmen der Branchenvereinbarung möglich. Auf Basis dieser wird die Zusammenarbeit jedoch noch vertieft. Durch die gegenseitige Anerkennung und gemeinsame Weiterentwicklung der Richtlinien sind Biokreis- und Bioland-Rohwaren gleichwertig und können in jedes mit einem der zwei Verbandssiegel ausgelobtes Produkt einfließen“, teilte Biokreis damals auf Anfrage mit.
Weitere Absatzkanäle
Erst vergangenen März hatte die Biokreis-Mitgliederversammlung per denkbar knappem Votum den Weg für strategische Partnerschaften mit dem konventionellen Lebensmitteleinzelhandel und dem Discount frei gemacht. Quasi als Reaktion auf die Kooperation von Bioland und Lidl, richtete sich Biokreis 2019 ebenfalls per Mitgliedervotum verstärkt auf den Bio-Fachhandel aus. Zwar können seit jeher Biokreis-Erzeuger und -Verarbeiter frei entscheiden wen sie beliefern, allerdings waren offen als Biokreis ausgelobte Eigenmarken durch den Beschluss dem Bio-Fachhandel vorbehalten. Konventionelle Lebensmittelhändler durften diese nur führen, wenn sie mindestens ein Fünftel ihres Umsatzes mit Bio-Lebensmittel erwirtschaften – ein Zugeständnis für tegut. Der Fachhandelsbeschluss führte in der Breite allerdings nicht dazu, dass der Bio-Fachhandel verstärkt auf Biokreis setzt.
Nach dessen Aus im vergangen März wurde wenige Monate später der Discounter Netto Mitglied bei Biokreis. Im Bio-Fachhandel musste der Anbauverband hingegen den Verlust des einzigen dortigen Leuchtturmprojekts verzeichnen: Nach nur vier Jahren Mitgliedschaft beendete Bio Company diese zu Ende 2024. Das Abrücken vom Fachhandelsbeschlusses habe damit nichts zu tun, teilte Bio Company damals mit. Zuvor hatte die Bio-Supermarktkette bei ihrer offen als Verbandsware ausgelobten Produkte der Eigenmarke exklusiv auf Biokreis gesetzt. Der Zug für neue strategische Partnerschaften im Bio-Fachhandel ist für Block allerdings nicht abgefahren. „Der Bio-Fachhandel muss sich eben auch neu denken, wie wir alle: sich suchen und neue Wege finden.“
tegut wird in der Branche offenbar nicht so richtig ernst genommen, oder? ;-) Oder eben nur als regionaler Akteur.
Gibt’s eigentlich keine Unterschiede bei den Kriterien für Anbau, Tierhaltung etc. zwischen Bioland und Biokreis?
Doch, in Details gibt es da durchaus Unterschiede in den Richtlinien. Die Richtlinien sind öffentlich zugänglich: Biokreis Verarbeitung unter https://www.biokreis.de/verarbeitung-handel/richtlinien/ Biokreis Erzeugung unter https://www.biokreis.de/landwirtschaft-imkerei/richtlinien-erzeugung/ Bioland unter https://www.bioland.de/richtlinien