Bio? Logisch!

Bio-Allianz: „Aus dem Klein-Klein herauszukommen ist ein Meilenstein“

„Wir waren wahnsinnig schnell unterwegs, innerhalb von sechs Monaten im deutschsprachigen Raum eine bisher nie dagewesene Kooperationsform zwischen den Verbänden zu haben“, erklärt Jan Plagge, Präsident Bioland. Sein Verband hat sich mit Bio Austria, Biokreis, Bioland Südtirol, Biolandwirtschaft Ennstal, Gäa und Demeter Österreich zur Bio-Allianz zusammengeschlossen. Ein weiterer Schritt ist mit der ersten Delegiertenversammlung absolviert.

Gruppenbild der Delegierten der Bio-Allianz
Vorstand und Delegierte der Bio-Allianz anlässlich der ersten Delegiertenversammlung.
Bild: Bioland

Die Basis für gemeinsame verbandspolitische Entscheidungen ist endgültig geschaffen. Am 10. Juni wurde der Bio-Allianz e.V. gegründet, nun wurden bei der ersten Delegiertenversammlung am 10. November der interimsmäßige Gründungsvorstand des Verein bestätigt: Vorsitzender Jan Plagge (Bioland), stellvertretende Vorsitzende Barbara Riegler (Bio Austria), Vorstandsmitglied Thorsten Block (Biokreis), Vorstandsmitglied Ulrich Gamper (Bioland Südtirol), Vorstandsmitglied Georg Gerharter (Biolandwirtschaft Ennstal).

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Bio-Allianz kein Einheitsstandard

„Aus dem Klein-Klein herauszukommen ist ein Meilenstein“, hebt Riegler, Obfrau Bio Austria, die Chancen hervor. In ihrem Statement auf den diesjährigen Öko-Marketingtagen Mitte November machte sie deutlich, dass Kooperation keine Option, sondern Pflicht ist. Zudem führt sie aus: „Angesichts ähnlicher Märkte und fortschreitender Globalisierung ist es für uns als bäuerliche Organisationen entscheidend, näher zusammenzurücken. Indem wir vorausdenken und unsere Wege angleichen, legen wir gemeinsam die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft.“

Die in der Bio-Allianz vertretenen Verbände möchten ihre Kräfte vor allem in wirtschaftlichen Belangen bündeln. Ökologische Rohwaren in Verbandsqualität zu vermarkten, in Wert zu setzen und eine noch größere Versorgungssicherheit zu etablieren ist ein Ziel. Damit dies gelingt, sollen Richtlinien der einzelnen Verbände wo es notwendig ist und Sinn ergibt harmonisiert werden. „Dafür heißt es jeweils Lösungen zu finden, mit denen alle mitgehen können. Das ist aber nicht der kleinste gemeinsame Nenner, die Bio-Allianz möchte keinen Einheitsstandard schaffen“, so Plagge. Die Identitäten der einzelnen Verbände bleiben erhalten, auch die Delegiertenversammlung der Bio-Allianz steht nicht über denen der teilnehmenden Verbände (im Falle von Biokreis Mitgliederversammlung). Zudem werde laut Plagge kritisch geprüft: „Wo ist Konkurrenz und im Wettbewerb stehen wirklich hilfreich, um Bio weiterzubringen und wo sollten Mechanismen überwunden werden, die das schwächste Glied in der Kette – die Bio-Bäuerinnen und -Bauern – an die Wand drücken?“

„Das gemeinsame Ziel ist es, Bio weiterzuentwickeln, die regionalen Verwurzelungen europäisch zu denken und für unsere Bauern Markthürden zu reduzieren“, so Riegler. Dafür soll die alltägliche Praxis einfacher werden: Oft sind Bio-Hersteller bei mehreren Verbänden Mitglied und entsprechend zertifiziert, um unterschiedliche Kunden bedienen zu können. Auch Doppel- oder gar Dreifach-Mitgliedschaften rein aus Vermarktungsgründen sind bei Verbandsbio-Landwirten keine Seltenheit, was mit entsprechenden Kosten einher geht. „Das möchten wir in der Bio-Allianz vereinfachen, so dass es für Landwirte ausreicht einem Verband anzugehören“, sagt Plagge. Dies sollte eigentlich bereits die Branchenvereinbarung gelöst haben. „Das hat sie aber nicht“, gibt er offen zu.

Was, wer, wann und wo

Der nächste Meilenstein ist das Gründen der GmbH, um auch operativ starten zu können. Ein gemeinsames Rohwarenmanagement soll aufzeigen, was in welcher Verbandsqualität wo mit welcher Herkunft verfügbar ist. So lassen sich Mangellagen und Überhänge an originärer Verbandsware im besten Falle ausgleichen. Wer unter den im Vergleich mit dem Mindeststandard EU-Bio in vielen Punkten deutlich strengeren Richtlinien der Anbauverbände Lebensmittel erzeugt, muss diese auch als Verbandsware absetzen können. Ansonsten droht ein Preisabschlag bei gleichzeitig hohen Kosten. „Es geht um Zukunftssicherung für Bio-Bäuerinnen und -Bauern. Die Anbauverbände sind nur Mittel zum Zweck und kein Selbstzweck“, betont Plagge.

Zur Zusammenarbeit verdammt

(Noch?) kein Partner der Bio-Allianz ist der Anbauverband Naturland. Dessen frisch gewählter Präsident Eberhard Räder bestätigte auf Nachfrage in einem Kurzinterview auf den Öko-Marketingtagen, dass derzeit Gespräche geführt werden. „Wir müssen Schritt für Schritt sehen, wie wir uns annähern.“ Räder war es auch, der auf den Öko-Marketingtagen den lautesten und längsten Applaus für sein etwas mehr als 15minütiges Statement ernten konnte.

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Setzt für die ökologische Agrarwende auf Gemeinsamkeiten und Kooperationen: Naturland-Präsident Eberhard Räder.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Für die Bio-Lebensmittelbranche prophezeite er eine rosige Zukunft, „allerdings wird es kein Selbstläufer. Wir haben alle Argumente auf unserer Seite, wir müssen nichts schönreden.“ Doch: „Gute Argumente das Richtige zu tun reichen alleine nicht.“ Eine für Menschen und Planet gesunde Nahrungsmittelproduktion stehe an oberster Stelle. „Der Verband ist dabei Mittel zum Zweck. Wenn wir das alle so beachten und beherzigen, dann sind wir zu einer Zusammenarbeit verdammt.“ Die Ohren der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Öko-Marketingtage waren besonders gespitzt, als Räder im weiteren Verlauf der Tagung in Richtung Plagge und Bioland verkündete: „Zwischen uns beiden passt kein Blatt.“

Auch wenn Räder die vielen kleinen Schritte die Landwirtschaft weiter zu ökologisieren wertschätzt, machte er deutlich: „Wir brauchen nicht Klein-Klein, wir brauchen einen großen Wumms. Am Ende sitzen wir in einem Boot, egal ob ich der Chef einer großen Lebensmittelkette oder ein kleiner Bauer bin.“ Das Tempo müsse deutlich anziehen, damit die gesamte Landwirtschaft möglichst schnell viel mehr auf den Klimaschutz einzahlt. „Wir wollen doch 100 Prozent ökologischen Anbau. Weltweit.“

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