Kommentar
Wer Bio ganz neu für sich entdeckt, dem raucht mitunter angesichts der zahlreichen Siegel und Anbauverbände der Kopf. Welche Gurke, Joghurt oder Wurst von Bioland, Naturland, Demeter, Biokreis & Co. ist denn – auch noch im Vergleich zum Mindeststandard EU-Bio – nun ökologisch am nachhaltigsten produziert und verspricht tendenziell höchst mögliches Tierwohl? Wäre es nicht einfacher, es gäbe in Deutschland nur einen Anbauverband? Ja und nein.

Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0
Natürlich wäre es aus Sicht der Verbraucher deutlich unkomplizierter, denn die Siegelflut würde ein Stück weit abebben. Auf Seiten der Akteure würde man zudem jede Menge hauptamtliche und ehrenamtliche Doppel- bis Zigfacharbeit sparen. Ein Blick in die Natur zeigt, sie setzt auf Vielfalt – worauf im Kern auch die ökologische Landwirtschaft beruht.
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Mag es auf der einen oder anderen Ebene Reibungsverluste geben, so treibt eine gesunde Konkurrenzsituation auch die eigene Entwicklung an. Wer sich nicht bewegen muss, um neue Mitglieder zu gewinnen, der droht träge und nachlässig zu werden. Mögen die Unterschiede in den Richtlinien der verschiedenen Verbände teils nur Millimeter auseinander liegen, so hat sich mancher Verband besondere Stärken aufgebaut. Zudem können Landwirtinnen, Landwirte und Bio-Verarbeiter frei wählen, wessen Philosophie am besten passt. Natürlich spielen auch die gebotenen Absatzwege eine entscheidende Rolle. Denn wer als Verbandsmitglied höhere Auflagen als EU-Bio erfüllt, der muss seine Erzeugnisse auch als Verbandsware absetzen können – ansonsten droht ein Preisabschlag.
Bio-Allianz der richtige Schritt
Doch die Welt dreht sich weiter und wer sich in seinem eigenen Fürstentum gänzlich abschottet, der vermag die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen nur schwer zu meistern. Und ja, die einzelnen Anbauverbände kooperieren schon lange auf verschiedenen Ebenen untereinander – Stichwort Branchenvereinbarung.
Die nun von Bio Austria, Bioland, Biokreis, Bioland Südtirol, Biolandwirtschaft Ennstal, Gäa und Demeter Österreich gegründete Bio-Allianz hebt diese vereinzelten Aktionen nun auf ein neues Level und verstetigt sie im deutschsprachigen Raum auf ein bislang ungekanntes Ausmaß. Wo es sinnvoll ist Richtlinien anzugleichen, erleichtert dies die gegenseitige Anerkennung. Vereinheitlichte Maßnahmen zur Qualitätssicherung und vor allem ein gemeinsames Rohwarenmanagement versprechen noch mehr Produktsicherheit. Vor allem gäbe es dann endlich einen umfassenden Überblick, welche Verbandsrohwaren wo verfügbar sind. Auf allen Ebenen soll Verbands-Bio einfacher werden und gleichzeitig sicher bleiben, auch die jeweilige Identität der teilnehmenden Verbände bleibt gewahrt. Auf dem Papier liest sich das Vorhaben extrem gut, es bleibt spannend, was in den nächsten Jahren dadurch angestoßen wird.
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