Bio? Logisch!

Weniger Bio aus Bayern

Rückwärtsgang auf dem Bio-Acker: In Bayern verloren Bioland, Naturland, Demeter und Biokreis Mitglieder und Fläche. Stand 31. Dezember 2025 wirtschafteten mit 7.321 Betrieben 261 weniger nach den Kriterien der Anbauverbände, ein Minus von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Verbandsfläche schrumpfte im gleichen Zeitraum um 7.349 Hektar auf 346.050 Hektar (-2,1 Prozent), voraussichtlich verkleinerte sich sogar die gesamte Öko-Fläche im Freistaat. „Das ist alles andere als gut, das ist schmerzhaft“, sagte Thomas Lang, 1. Vorsitzender Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ), auf der heutigen Pressekonferenz.

Thomas Lang, 1. Vorsitzender LVÖ Bayern, musste weniger Bio aus Bayern verkünden
Machte deutlich, dass jeder Bio-Betrieb zählt: Thomas Lang, 1. Vorsitzender LVÖ Bayern.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Bereits im vergangenen Jahr wies Lang auf die Diskrepanz hin, dass zwar die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt, der ökologische Ausbau der heimischen Landwirtschaft allerdings hinterher hinke. Nun hat die LVÖ Bayern den Bio-Salat, oder besser gesagt hat ihn nicht.

In erster Linie sei der Strukturwandel für den Mitgliederschwund bei den Anbauverbänden in Bayern verantwortlich. Auch die ökologische Landwirtschaft kann sich dem seit Jahrzehnten anhaltenden Trend, dass (kleinere) Betriebe (mangels Nachfolger) das Hoftor für immer schließen, nicht verwehren. Aber auch die seit 1. Januar geltende Weidepflicht für Bio-Betriebe habe zu Rückumstellungen geführt. „Bio-Tiere gehören auf die Weide, Bio steht für Tierwohl“, machte Lang deutlich. Allerdings brauche es in der Praxis eine gewisse Flexibilität. Auf Bundesebene verhandeln die Anbauverbände diesbezüglich derzeit mit EU-Agrarkommissar Christophe Hansen.

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„Wenn ein ökologischer Milchviehbetrieb, aufhören muss, weil er innerorts liegt, dann ist das schmerzhaft“, so Lang, der nachlegte: „Wenn die Weidepflicht, vor allem die politische Debatte und die damit einhergehende Unsicherheit für die Betriebe die großen Hindernisse sind, wäre das eine vertane Chance für die Landwirtschaft insgesamt. Denn Bio ist der Motor einer wirklich nachhaltigen Landwirtschaft.“ Die Rückumstellungen aufgrund der Weidepflicht seien geringer ausgefallen, als erwartet, betonte Antonia Rees, bei Bioland Expertin für den Milchmarkt.

Die Nachfrage gäbe es her

Rees hatte weitere gute Nachrichten im Gepäck: Bio-Milchprodukte sind stärker nachgefragt, beim Naturjoghurt hätte es einen regelrechten Boom gegeben. Weniger zulegen konnte im vergangen Jahr vor allem hoher Preise geschuldet Butter, dafür aber Trinkmilch und Käse. „Bio-Milch wird knapp bleiben“, so Rees denn EU-weit sei keine starke Zunahme der Mengen zu verzeichnen. „Der Markt ist stabil, Molkereien suchen Umsteller.“ Auch der durchschnittliche Milchpreis von geschätzten rund 65 Cent pro Kilogramm ist so hoch wie noch nie.

„Momentan sehen wir eine starke Nachfrage nach Eiern, hier ist der Markt nahezu unterversorgt“, ergänzte Stefan Zeiper, Teamleiter Verarbeitung und Handel bei der Naturland Zeichen GmbH. Auch ökologisches Rind- und Geflügelfleisch sei begehrt, was dem Trend weniger Fleisch zu essen, dafür aber bio abbilde. Im Umkehrschluss seien in ganz Deutschland vor allem heimische Bio-Eiweißfuttermittel knapp, daher sind hiesige ökologische Tierhalter auf Importe angewiesen. „Wir brauchen deutlich mehr Fläche“, so Zeiper. Aber auch der ökologische Anbau der Rohstoffe für pflanzliche Fleischersatzprodukte wie etwa Soja sei im Freistaat vielversprechend. Allerdings fehlten in Bayern bis auf wenige Leuchtturmprojekte Verarbeiterstrukturen – auch für TK-Convenience und TK-Gemüse.

Eine weitere Chance verortete Zeiper im Ernährungstrend „Fibre-Maxxing“, der sich vereinfacht gesagt darum dreht, sich mit vielen Ballaststoffen zu versorgen. Vollkorn sei hierbei eine wichtige Komponente, bei allen Getreidearten sei genügend heimisches Bio verfügbar. Als Rhabarber-Schorlen im Trend lagen, konnte Bio dem nur bedingt Rechnung tragen. Vom Pflanzen des Dauergewächses bis zur ersten Ernte vergehen drei Jahre. Jetzt gelte es, Möglichkeiten zu ergreifen.

„Wir sind insgesamt auf einem guten Weg und hoffen, dass wir wieder mehr Bio-Betriebe finden“, so Lang. Erwartungsgemäß adressierte er die Politik, für verlässliche Rahmenbedingungen zu sorgen, und das Umstellen auf Bio zu erleichtern.

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