Lange gehalten hat sie nicht: Auf der Biofach 2024 verkündeten die beiden Anbauverbände Naturland und Verbund Ökohöfe (VbÖ) ihre fast zwei Jahre vorbereitete Kooperation. Vorrangiges Ziel war das Vermarkten der VbÖ-Eier als Verbandsware in Naturland-Wertschöpfungsketten. Diesen Herbst ist damit Schluss, eine Neuauflage der Kooperation wird es in dieser Form aller Voraussicht nach nicht mehr geben – auch weil der Verbund Ökohöfe mittlerweile einen anderen Weg beschreitet.

Bild: Naturland / Sabine Bielmeier
In einer gemeinsamen Pressemitteilung vom 15. Februar 2024 hieß es: „Naturland und der Verbund Ökohöfe werden in Zukunft bei der Zertifizierung von Bio-Rohwaren eng zusammenarbeiten. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung besiegelten die beiden Öko-Verbände am Donnerstag auf der Biofach (…) in Nürnberg. Hintergrund ist die steigende Nachfrage nach Bio-Rohwaren in Naturland-Qualität.“
Unterschiedliche Richtlinien
Die Kooperation von Naturland und Verbund Ökohöfe sah vor, dass bestehende VbÖ-Betriebe Rohwaren in Naturland-Wertschöpfungsketten liefern können. Letztlich sollten damit auch Doppelmitgliedschaften oder Verbandswechsel vermieden werden. Um schnell ins Tun zu kommen, habe man recht bald mit VbÖ-Eierproduzenten individuelle Rezertifizierungsvereinbarungen geschlossen.
„Voraussetzung war aber natürlich, dass die Betriebe für eine Naturland Zertifizierung auch die Naturland Richtlinien erfüllen müssen. Die entsprechenden Betriebe wurden daher im vergangenen Jahr alle von der Beratung für Naturland besucht und überprüft. Dabei stellte sich heraus, dass einige der VbÖ-Betriebe hätten nachbessern müssen, etwa bei der Auslaufgestaltung, den Tierzahlen oder auch im Futterbereich. Hintergrund ist, dass die Richtlinien des Verbund Ökohöfe sich insbesondere im Bereich Legehennen eher auf EU-Bio-Niveau bewegen“, teilt Naturland-Pressesprecher Markus Fadl auf Nachfrage schriftlich mit. Ein Telefonat mit Marcus Nürnberger, Fachreferent Agrarpolitik bei Naturland, macht klar, dass Ausnahmegenehmigungen nicht vorgesehen waren und auch nicht erteilt wurden. Nachtrag 25. August 2025: Schriftlich erklärt VbÖ-Vorstand Ingo Berthold, dass die Richtlinien seines Anbauverbands in einigen Punkten durchaus über denen von EU-Bio liegen. So sind unter anderem der Kaltscharraum, ein Außenklimabereich und eine Nachtruhe ohne Kunstlicht von mindestens acht Stunden vorgeschrieben (Nachtrag Ende).
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Tatsächlich unterscheiden sich die Vorgaben der beiden Verbände punktuell. So schreibt Naturland beispielsweise die ökologische Aufzucht des Bruderhahns vor. Einig sind sich die Verbände, dass pro Stall maximal 3.000 Legehennen gehalten werden dürfen und in einem Gebäude mehrere voneinander getrennte Ställe existieren können. Bei 12.000 Legehennen pro Gebäude ist bei Naturland Schluss, der Verbund Ökohöfe nennt in seinen Richtlinien diesbezüglich kein Limit. Allerdings müssen auch hier genügend Auslaufflächen vorhanden sein.
Kooperation von Naturland und Verbund Ökohöfe stotterte in der Praxis
Wenige Monate nach dem offiziellen Start zeichnete sich bereits im Sommer 2024 ab, dass das Kooperationsangebot seitens der VbÖ-Betriebe abseits der Eierproduzenten bislang unzureichend angenommen wurde, vereinzelt wurde es bereits als gescheitert betrachtet. Das sagt Berthold. Als einen Grund vermutet er höhere Kosten für die Naturland-Zertifizierung, die sich durch die geschaffenen Absatzkanäle nicht ausreichend refinanziert hätten.
„Als Alternative wurde seitens Naturland vorgeschlagen, dass interessierte VbÖ-Betriebe als Vollmitglied zu Naturland wechseln, um den entsprechenden Marktzugang zu erhalten. Sie sollten dann dazu angehalten werden, auch nach dem Wechsel einen Grundbeitrag von 50 Euro an den VbÖ zu entrichten, um diesen zu erhalten“, erklärt Berthold weiter. „Anfänglich hieß es, es sollen keine Betriebe abgeworben werden, in diese Richtung entwickelte es sich allerdings unerfreulicherweise aus unserer Sicht.“
Die Verhandlungen hätten sich in die Länge gezogen und mit dem Wechsel in der VbÖ-Geschäftsführung seien sie letztendlich im Sande verlaufen, teilt Fadl schriftlich mit. „Im Spätherbst vergangenen Jahres wurden die Gespräche daher beendet. Damit verbunden ist, dass die individuellen Rezertifizierungsvereinbarungen, nach welchen VbÖ-Betriebe bereits vorab in Naturland-zertifizierte Wertschöpfungsketten liefern konnten, zum Ende der jeweiligen Legeperiode auslaufen.“ Auch Berthold bestätigt, dass die Eier-Lieferungen diesen Herbst enden. Laut Naturland hätten einzelne Betriebe den Verband gewechselt, um weiterhin in Naturland-Wertschöpfungsketten liefern zu können.
Neuer Weg: Verbund Ökohöfe kooperiert mit Biokeis
Nach jetzigem Stand wird die Kooperation von Naturland und Verbund Ökohöfe nicht wieder belebt. Auch, weil letzterer auf den Ökofeldtagen 2025 im sächsischen Wasewitz eine neue mit dem Anbauverband Biokreis geschlossen hat.
Auch hier geht es im Kern darum, Absatzwege zu schaffen. Täglich gilt es zwischen 250.000 und 280.000 VbÖ-Eier als Verbandsware abzusetzen, denn ein Verkauf als EU-Bio- oder gar als konventionelle Ware geht mit entsprechenden Preisabschlägen einher.
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