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Gochsheimer Gelbe Rübe gerettet: Prost!

Gelbe Rüben waren im deutschen Sprachraum noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitet, bevor die optisch viel ansprechenderen orangefarbenen Vertreter die eher blassen Sorten verdrängten. Eine Allianz aus Aktivisten, Gemüsezüchtern und Landwirten konnte die alte Sorte Gochsheimer Gelbe Rübe retten. In Form von Direktsaft bringt sie Voelkel als weltweit erster Hersteller in die Flasche.

Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Der neue Sonnenmöhre-Saft aus dem Hause Voelkel überrascht nicht nur mit seiner ungewohnten hellgelben Farbe. Auch geschmacklich eröffnet er neue Welten: Anders als andere Möhrensäfte ist er weniger samtig und süß, sondern dank der Zugabe von Zitronensaft besonders erfrischend und spritzig; im Abgang ergänzt die leicht erdige Note.

Gelbe Möhren aus der Versenkung holen

Neben dem Naturkost-Großhändler hakopaxan und fünf Demeter-Landwirten aus Süddeutschland ist auch die Real Food Foundation angetreten, um gelbe Möhren wieder bekannt zu machen und anzubieten. Beim Safthersteller aus dem Wendland rannte letztere damit offene Türen ein: Für die eigene Marke setzt das Unternehmen soweit möglich auf samenfeste Sorten. Einkaufsleiter Boris Voelkel engagiert sich darüber hinaus im Vorstand des gemeinnützigen Vereins Kultursaat und ist damit nahe am Puls der ökologischen Gemüsezucht.

Während das Bundessortenamt die Gochsheimer Gelbe Rübe erst Mitte Februar zugelassen hat, brachte Voelkel etwa zwei Wochen zuvor und damit kurz vor der diesjährigen Biofach 11.000 Flaschen ihres Sonnenmöhre-Safts als Test in den Handel. „Februar und März ist die klassische Fastenzeit – viele schwören mittlerweile auf Saftfasten. Daher wollten wir unseren Kunden mit einem neuen Geschmack Abwechslung ins Glas bringen“, erklärt Jurek Voelkel, Leiter Marketing und Verkauf.

Ab Werk ist das Unternehmen ausverkauft, die weitere Produktion ist erst nach der Ernte im Spätsommer möglich. Im Handel dürften noch hier und da Flaschen zu finden sein.

Alte Gemüsesorten für die heutige Zeit

Es klingt immer romantisch, alte (und in Vergessenheit geratene) Gemüsesorten anzubauen. Allerdings passen sie oft nicht mehr in die heutige Zeit: Das Klima hat sich ebenso gewandelt, wie Anforderungen im Erwerbsanbau, Ansprüche des Handels und Ernährungsgewohnheiten der Endkunden. Auch Schädlinge wie Pilze haben sich weiter entwickelt. Die Gochsheimer Gelbe Rübe galt es züchterisch aufzuwerten, was Kultursaat-Züchter Thomas Heinze gelang. Das Laub ist stabiler, so dass Pilze es nicht zu früh zerfressen können und die Rübe via Klemmbandroder, der die Früchte aus der Erde zieht, problemlos geerntet werden kann. Besonderes Augenmerk legte Heinze auf den Geschmack.

„Alte Sorten sehen zwar besonders aus, aber die baut niemand an, der davon leben muss. Die Kunst ist es, die Sorten auf für den Erwerbsanbau relevante Merkmale zu trimmen und gleichzeitig den besonderen Charakter und Geschmack zu bewahren“, erklärt Michael Fleck, Vorstand Kultursaat. „Das geniale an diesem Projekt ist, wie schnell auch ein entsprechendes Produkt im Handel war“, schwärmt er. Getreu dem Motto: Bewahren durch aufessen – oder in diesem Fall durch Gläser leeren.

Fazit

Der Sonnenmöhre-Saft ist kein „Trend-Gag“ für Öko-Hipster. Alte Sorten lassen sich langfristig nur erhalten, indem man sie züchterisch verbessert und sie in den Handel gelangen. Die Vielfalt auf dem Acker ist ein wichtiger Schritt für unsere Ernährungssicherheit. Persönlich bevorzuge ich den eher samtig-weichen, leicht süßen und orangefarbenen Möhrensaft. Die Sonnenmöhre bringt allerdings spritzige Abwechslung ins Glas. Besonders in der heißen Sommerzeit kann ich mir den Saft als belebendes Erfrischungsgetränk gut vorstellen.

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