Der Fall der nie an den Start gegangenen Internetseite „bio korrupt“ beschäftigt weiter das Handelsgericht Wien. Auch um seine Markenrechte zu verteidigen, klagt Bio Austria gegen den österreichischen Unternehmer Josef Ritt. Der Anbauverband vermutet weiterhin eine gezielte Schmutzkampagne mit Ritt als Urheber, der jedoch dementiert. Zudem möchte man weitere mögliche Hintermänner identifizieren. Alte und bislang ungelöste Konflikte zwischen den beiden Parteien traten bei der Verhandlung diese Woche Dienstag offen zutage.
Was klingt wie ein Drehbuch für einen Krimi ist ein echter Fall in der Bio-Branche. Es bleibt auch am dritten Prozesstag am 10. März die große Frage: Wird ein Spin gedreht und eine gezielte Schmutzkampagne gegen Bio Austria gefahren, oder wird seitens Bio Austria mittels eines letztendlich von den Mitgliedsbeiträgen österreichischer Bauern finanzierten Rechtsstreits wirtschaftliche Konflikte ausgetragen?
Spätestens am zweiten Prozesstag Ende vergangenen November zeichnete sich ab, dass die beiden Parteien mehrere ungelöste Konflikte miteinander haben. Der Richterin obliegt nun die Aufgabe zu ergründen, ob diese nicht doch Ritt zur Aktion mit der Internetseite bio korrupt veranlasst haben könnten, obwohl es bereits gegenteilige Aussagen und eine eidesstattliche Erklärung gibt. Zu den möglichen Hintergründen wurde Hermann Mittermayr, Geschäftsführer Bio Austria Marketing, vier Stunden befragt, um eventuell Indizien zu finden. Um den durchaus komplexen Fall nachvollziehen zu können, werden die bisher bekannten (teils möglichen) Hintergründe in den folgenden Abschnitten beleuchtet.
Internetseite bio korrupt
Die österreichische Bio-Bauernschaft erschüttere Korruption. Ein ÖVP-Politiker nutze unterstützt durch eine naive Obfrau den Bioverband Austria, um sich und seine Freunde zu bereichern. Über dieser Behauptung prangt das farblich verfremdete Logo von Bio Austria mit dem ausgetauschten Schriftzug „Bio KORRUPT“. Darunter zählt ein Countdown, wann die entsprechende Internetseite hätte online gehen sollen. So sah die Ankündigungsseite aus, die der Programmierer H. erstellt hatte und mindestens vom 6. bis 12. September 2024 öffentlich aufrufbar war. Aus Versehen sei ein Newsletter unter anderem an namhafte Persönlichkeiten und Funktionäre aus der Bio-Branche verschickt worden, der den Start der angeblich als Whistleblower-Plattform gedachten Seite ankündigte – die laut H. trotz Countdown allerdings nicht an den Start gehen sollte.

„Das ist ein Totalangriff. In unserem Geschäft ist Vertrauen eine Währung“, sagte am Wiener Handelsgericht am 10. März Hermann Mittermayr. Während die Landwirtinnen und Landwirte Mitglied im Anbauverband Bio Austria sind, kümmert sich dessen 100-prozentige Tochter Bio Austria Marketing um Produkt- und Qualitätsmanagement im gewerblichen Bereich für laut Mittermayr 500 Vertragspartner: Verarbeiter, Händler, Gastronomen. „Diese Seite hatte die Kraft uns zu treiben und total zu diskreditieren“, so Mittermayr im Prozess weiter. Die dort geübte Kritik sei völlig überzogen. Zudem habe man die Sorge gehabt, gefälschte Dokumente würden auf der Whistleblower-Seite hochgeladen, sollte sie tatsächlich an den Start gehen. Man habe einen Schaden für die gesamte Bio-Branche befürchtet. Expertinnen und Experten hätten laut Mittermayr Bio Austria versichert, dass die Vorwürfe absurd und nicht glaubhaft seien. Aber die Konsumentinnen und Konsumenten hätten durchaus verunsichert werden können. Zudem sei man vertraglich verpflichtet, die Marke Bio Austria zu verteidigen, welche mit dem verfremdeten Logo angegriffen wurde.
Ein beauftragter IT-Forensiker habe schließlich H. identifiziert. Bei einem gemeinsamen Treffen am 18. Oktober 2024 mit Vertretern von Bio Austria, deren Rechtsbeistand und H. nebst Anwalt, habe H. Josef Ritt als Auftraggeber genannt. H. lieferte zugesagte Beweise allerdings nie. Laut H. unterbreitete ihm der Rechtsbeistand von Bio Austria H. das Angebot, seine Forderung gegenüber Ritt für 5.000 bis 10.000 Euro abzukaufen („als eine Art Weihnachtsbonus“), sollte er vor Gericht gegen Josef Ritt aussagen – an die genaue Höhe konnte sich H. am zweiten Verhandlungstag Ende vergangenen November nicht mehr erinnern. Das Angebot sei unterbreitet worden, nachdem er bereits Ritt als Schuldigen genannt hatte. Bio Austria bestreitet ein konkretes Angebot. Es sei lediglich als Idee bei dem Treffen angesprochen, aber nicht weiter verfolgt worden. Ritt selbst bestreitet nach wie vor, dass es eine Forderung gab, da er nie den Auftrag für das Erstellen der Internetseite erteilt habe.
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Kehrtwende am 12. Juni 2025: In einer eidesstattlichen Versicherung gab H. an, der alleinige Urheber der Internetseite bio korrupt zu sein und von Ritt weder beauftragt noch verleitet wurde, sie zu erstellen. Auch Geld oder anderweitige Zuwendungen seien nicht geflossen. Dies bekräftigte er auch am Verhandlungstag Ende November. Er habe sich – auch beim Treffen am 18. Oktober 2024 – seitens Bio Austria unter Druck gesetzt gefühlt und wollte die Schuld von sich weisen.
Bio Austria zweifelt
„Wann hat H. die Wahrheit gesagt?“ Dieses Problem sprach Bio Austrias Rechtsvertretung vergangenen Dienstag am dritten Verhandlungstag aus. Man ist nach wie vor nicht restlos davon überzeugt, dass Ritt und/oder weitere Hintermänner nicht hinter der Aktion stehen. Ritt selbst distanzierte sich bereits mehrfach von den Inhalten der Internetseite bio korrupt und machte klar, nichts damit zu tun zu haben. „Wir haben nichts angestellt und haben kein Interesse, Bio Austria zu diskreditieren“, sagte sein Anwalt diesen Dienstag. Auch dieses Mal wurde klar, dass Kläger und Beklagter sich nicht außergerichtlich einigen können, zumal Mittermayr im persönlichen Gespräch mit „über bio“ betonte, auf dem Gerichtsweg für Klarheit zu sorgen. Dieser brächte die Bio-Branche insgesamt voran, auch da weitere Akteure von haltlosen Vorwürfen abgeschreckt würden. „Es wird also ein Ermittlungsprozess“, so die Richterin.
Konflikt 1: Agentur Ritt und Eurocrop auf der Blacklist
Ritt ist unter anderem als Bio-Rohstoffhändler mit seinem Unternehmen Eurocrop tätig, welches bei Bio Austria auf der Blacklist steht. Zudem hatte der Anbauverband die Mitgliedschaft zu Ende 2024 gekündigt. Als es diesbezüglich beim Handelsgericht ins Detail gehen sollte, schlug Bio Austrias Rechtsvertretung vor, den Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortzusetzen – schließlich werden geschäftliche Internas besprochen. Der Ausschluss sei im Sinne der Klägerseite. Diese war vom Vorschlag sichtlich überrascht und lehnte ab. Es ging mit der Öffentlichkeit weiter.
Die Bio Austria-Kontrolle 2022 habe bei Eurocrop keine Auffälligkeiten festgestellt, daher sei das entsprechende Zertifikat ausgestellt worden. Allerdings soll laut Mittermayr bei einem Kunden von Eurocrop aufgefallen sein, dass Zertifikate über die Herkunft der gelieferten Bio-Ware fehlten. Generell sei es wichtig, stets die Herkünfte sicher belegen zu können. Ritt habe die nachgeforderten Zertifikate allerdings nie geliefert. Somit sei der Bio-Rohstoffhändler letztendlich auf der Blacklist von Bio Austria gelandet. Unternehmen, die dort aufgeführt sind, können oder wollen nicht die Herkünfte der Bio-Waren belegen, wie Mittermayr erläuterte. Die Blacklist wird jedes Mal, wenn sich etwas ändert, via E-Mail an Getreide- und Futtermittelhändler verschickt „damit sie nicht falsch einkaufen und so Probleme vermeiden“, erklärte Mittermayr. Diese können frei entscheiden, ob sie dennoch von den dort aufgeführten Unternehmen Bio-Waren beziehen, diese dürfen aber nicht ins System von Bio Austria gelangen. Eurocrop könne von der Blacklist genommen werden, wenn entsprechende Belege nachgereicht würden.
Aus Zeitgründen wurde diesen Dienstag ausschließlich Mittermayr vernommen, Ritt kam nicht mehr an die Reihe und konnte somit seine Sichtweise nicht darlegen. Während Mittermayr sprach, war Ritt mehrmals unruhig und konnte sich sichtlich nur schwer zurückhalten, etwas zu erwidern. In einem Gespräch nach der Verhandlung sagte Ritt zu „über bio“, die jeweils auf die entsprechenden Chargen bezogenen Dokumente seien bereits mit der Lieferung übermittelt worden (dies sei in seinem Unternehmen Standard), auch Bio Austria lägen diese vor. An einen Mischfutterbetrieb hatte Ritt nach eigenen Angaben Bio-Sojakuchen aus Österreich geliefert. Es gäbe daher keinen Grund, dass Eurocrop auf der Blacklist stehe. Dies hatte Ritt in diversen E-Mails auch Mitgliedern des Bio Austria-Vorstands sowie weiteren Funktionären mitgeteilt. Hierbei soll er darauf hingewiesen haben, dass die Bio-Kontrolle auch 2023 nichts zu beanstanden hatte.
„Wenn jemand nicht im Zertifizierungsprozess ist, ist es auch schwer zu verstehen“, sagte Mittermayr vor Gericht. So sei bei der Kontrolle 2023 nicht der noch offenen Punkt aus 2022 geprüft worden, da er sich damals noch in Klärung befand. Ritts Mails hätten zum Ziel gehabt, Druck aufzubauen. Im persönlichen Gespräch sagte Ritt, er wollte Vorstände und Funktionäre von Bio Austria darauf hinweisen, dass Eurocrop zu Unrecht auf der Blacklist stünde.
Warum allerdings auch Ritts Agentur auf der Blacklist stehe, welche gar keine Bio-Rohstoffe handelt und es daher folglich keine Probleme mit einer Rückverfolgbarkeit geben kann, war für die Richterin unklar, die diesbezüglich selbst kurz lachen musste. Als sie nach den genauen Gründen fragte, schlug Bio Austrias Rechtsvertretung wieder vor, den Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortzuführen, da weitere Akteure offen genannt würden und es sich folglich um interne geschäftliche Daten handelt. Die pragmatische Lösung der Richterin: „Dann sagen Sie nicht die Namen der betroffenen Unternehmen.“ So ging es auch dieses Mal mit der Öffentlichkeit weiter, auch wenn zunächst mehrere Rechtsvertreter wild durcheinander redeten und die Richterin für Ruhe sorgen musste.
Mittermayr sagte aus, Ritt habe im Kundenauftrag eine Nachkontrolle bei einem Bio-Unternehmen durchgeführt. Eine Nachkontrolle ist der letzte Schritt, bevor ein Bio-Unternehmen seitens Bio Austria gesperrt (ausdrücklich nicht gekündigt wird) und damit vom Bio Austria-Warenfluss ausgeschlossen ist. Dies würde rückgängig gemacht, sobald die beanstandeten Probleme behoben sind. Was nun genau das Problem mit der Nachkontrolle gewesen sein soll, weswegen die Agentur Ritt auf die Blacklist kam, konnte „über bio“ vor Gericht nicht ganz nachvollziehen. Anscheinend geht es um einen Fall, bei dem Bio Austria bemängelt, Bio-Soja sei falsch deklariert gewesen. Ritts Gutachten und anscheinend auch andere Kontrollstellen kamen zum gegenteiligen Ergebnis, welches anscheinend Bio Austria anzweifelt. Auch dieser Bio-Unternehmer stehe laut Ritt zu Unrecht auf Bio Austrias Blacklist. Sollte Mittermayr bei seiner Aussage diesen Vorfall gemeint haben, war der betroffene Bio-Unternehmer auch bei mindestens einem Treffen anwesend, welches H. dazu verleitet haben könnte, mutmaßlich aus eigenem Antrieb die Internetseite bio korrupt zu erstellen.
Im persönlichen Gespräch während der Pause machte Mittermayr klar, dass es Bio Austria-Partnern frei stünde, die Agentur Ritt zu beauftragen, auch wenn sie auf der Blacklist steht. Man würde in solchen Fällen dann genauer hinsehen.
Konflikt 2: Bio Initiative Fairplay Österreich als Vorstufe von bio korrupt?
Aus Sicht von Bio Austria habe die 2024 entstandene Initiative Fairplay Österreich in ein ähnliches Horn geblasen, wie zuvor Ritt mit seinen E-Mails an diverse Bio Austria Funktionäre bezüglich der Blacklist. Die Initiative ging Gerüchten über große Mengen an Bio-Importen nach, welche die österreichischen Landwirtinnen und Landwirte verunsicherte, und startete eine entsprechende Petition für mehr Transparenz bei Bio Austria. Bio-Importe können für einzelne Akteure durchaus ein wirtschaftliches Problem sein, wenn sie auf ihrer heimischen Bio-Rohware sitzen bleiben. Für andere ist es durchaus ein einträgliches Geschäft, günstigere importierte Ware zum höheren Bio Austria-Preis verkaufen zu können. Über die Initiative, deren Vorwürfe und Forderungen berichtete das Fachmagazin BIOwelt in Ausgabe 8/2024 im Artikel „Mit verdeckten Karten“ ausführlich. Dort ist zu lesen: „Zentrale Forderung der Petition: die Einrichtung einer jährlichen Kontrollinstanz für Importe im Beisein eines Prüfers von einer Bio-Kontrollstelle samt Berichtspflicht an die Delegiertenversammlung von Bio Austria.“
Zurück zum Verhandlungstag: Laut Mittermayr sei gefordert worden, unter anderem die Importunternehmen, Zeitraum, Waren und Mengen zu veröffentlichen. Allerdings unterliegen diese Informationen der vertraglichen Verschwiegenheit, daher hätte man der Forderung nicht nachkommen können. Eine Abfrage bei betroffenen Unternehmen habe ergeben, dass diese der Offenlegung nicht zustimmen. Auch die von der Initiative vorgeschlagene Methode, die Unternehmensnamen durch anonymisierte Codes zu ersetzen, sei nicht praktikabel gewesen. Branchenkenner könnten anhand des Datums, der Ware und Menge durchaus eigene Rückschlüsse ziehen, welches Unternehmen sich hinter dem Code verbirgt, so Mittermayr.
„Ziel war es offenkundig Bio Austria zu drängen, Verträge zu brechen, um Informationen offen zu legen.“ Er sehe durchaus einen Zusammenhang zwischen dem Fall Ritt/Blacklist und der Initiative. Man habe versucht nicht faktenbasiert, sondern politisch Probleme zu lösen. Ziel sei es auch gewesen, das „strenge System der Bio Austria außer Kraft zu setzen, welches unbequem für den freien Handel“ sei, um mehr Spielraum zu erlangen. Es sei der Spin gedreht worden, bei Bio Austria gäbe es in Sachen Bio-Importe Unregelmäßigkeiten.
Zwar konnte Mittermayr vor dem Handelsgericht nicht sagen, ob Ritt jemals etwas in Sachen Initiative unterschrieben habe, noch ob er in derem Namen öffentlich aufgetreten ist. Er soll aber die entsprechende WhatsApp-Gruppe gegründet haben. Zudem hatte die Initiative interessierten Journalistinnen und Journalisten ihn als Ansprechpartner empfohlen. Da wie bereits geschrieben aus Zeitgründen Ritt vor Gericht nicht befragt werden konnte, hatte er keine Möglichkeit auf die Behauptungen einzugehen, sie eventuell zu widerlegen und seine Sichtweise vorzutragen. Der weitere Prozessverlauf wird in diesem Punkt vielleicht mehr Klarheit liefern.
Bio-Mais aus der Ukraine ein Fehler?
Mittermayr ging explizit darauf ein, wann Bio-Importe zugelassen werden und gab einen von der Bio Initiative Fairplay Österreich bemängelten Fehler zu, was er zuvor in diversen Medienberichten und gegenüber Partnern von Bio Austria bereits getan hatte. In Sachen Bio-Futtermittel könne sich Österreich bei Getreide zu 95 Prozent selbst versorgen, bei Ölfrüchten zwischen 70 und 75 Prozent. Wer daher importieren möchte, stellt bei Bio Austria einen entsprechenden Antrag. Via Abfrage bei den wesentlichen Händlern wird geklärt, ob tatsächlich keine einheimische Bio-Ware verfügbar ist. Wenn nein, muss man Importe genehmigen. Dabei werden zunächst Rohstoffe anderer Verbände wie beispielsweise Bioland oder Naturland präferiert, danach Herkünfte aus der Europäischen Union. Bleibt die Suche auch in der EU ergebnislos, sind letztendlich internationale Herkünfte erlaubt.
So gab es 2022 einen Antrag auf den Import von Bio-Soja und Bio-Mais. Dieser wurde im Falle von Bio-Soja aufgrund der guten Versorgungslage mit österreichischer Ware abgelehnt, nur der Import von Bio-Mais wurde genehmigt. Allerdings lediglich aus der Europäischen Union. Tatsächlich wurden allerdings 2.000 Tonnen Bio-Mais aus der Ukraine eingeführt, welcher laut Mittermayr als von Bio Austria zugelassen gekennzeichnet war und letztendlich verfüttert wurde. Eine Mitarbeiterin habe einen Fehler gemacht, man habe die EU mit dem europäischen Kontinent verwechselt. Dies sei durch eine kurz zuvor eingeführte Änderung in der Datenbank begünstigt worden. Ein Fehler, der sich laut Mittermayr nicht mehr wiederholt hätte, zudem habe man bereits einen Tag nach Kenntnis die Bio Austria-Partner informiert. Anscheinend fiel der Fehler Bio Austria nach zwei Jahren auf. Im oben bereits genannten Artikel berichtet BIOwelt, dass 2022 der Absatz von österreichischem Bio-Mais in den Keller gegangen ist. Folglich könnte es sein, dass doch heimische Ware vorhanden war. Im Artikel ist zu lesen: „Nicht ein Mitarbeiter, sondern Mittermayr selbst habe dem Importeur persönlich per Handschlag den Ukraine-Import zugesagt und besiegelt.“ Ein entsprechendes Schriftstück soll dem Magazin vorliegen. Im am BIOwelt-Artikel anschließenden Interview erklärt Mittermayr, einem seiner Mitarbeitenden sei ein Fehler unterlaufen. Im Artikel selbst ist zu erfahren, dass bei den Akteuren der Initiative Zweifel bestehen, ob generell vor einer Importgenehmigung tatsächlich alle infrage kommenden Bezugsquellen abgefragt werden. (Nachtrag 16. März 2026: Schriftlich erklärt Mittermayr, den Import nicht via Handschlag zugesagt zu haben. Andernfalls wäre dies bei der Bearbeitung des bereits zuvor gestellten Importantrags entsprechend dokumentiert worden.)
Zurück zum Prozess: In der WhatsApp-Gruppe der Initiative sei ein entsprechendes Zertifikat in Sachen ukrainischen Bio-Mais aufgetaucht, bei dem der Name des betroffenen Unternehmens geschwärzt war. Das Dokument soll ein österreichisches Bio-Unternehmen geliefert haben, welches Kunde der Agentur Ritt ist.
Sicht von Bio Austria: Nahtloser Übergang von Bio Initiative Fairplay Österreich zu bio korrupt
Die Vorwürfe der Initiative Bio Fairplay Österreich und die Texte der Ankündigungsseite von bio korrupt sowie des mutmaßlich aus Versehen von H. versendeten Newsletters seien sprachlich nicht exakt die gleichen, aber die Stoßrichtung sei dieselbe. „Die Geschichte ist unter anderem Namen weitergegangen“, so Mittermayr. Angesichts der Vorgeschichte habe man daher schon recht früh an Josef Ritt als möglichen Drahtzieher gedacht.
Neben den Anwalts-, Arbeitskosten sowie aufgrund der Beauftragung externer Ressourcen, um den Ursprung von bio korrupt mit dem Ziel die Seite abzuschalten zu klären, sei Bio Austria ein weiterer finanzieller Schaden entstanden. Mittermayr nannte diesbezüglich ein geplatztes Projekt mit einer großen Lebensmittelhandelskette. Diese wollte als Bio Austria ausgelobte Produkte listen, das Handelsunternehmen habe jedoch verunsichert zurückgezogen. Das Projekt läge laut Mittermayr derzeit auf Eis.
Ein weiterer Prozesstag bringt eventuell mehr Klarheit in den Fall. Ergeben sich relevante neue Erkenntnisse, wird dieser Artikel aktualisiert und/oder entsprechende Links eingefügt.
Stark, dass Du auch hinter die Bio-Kulissen in Österreich blickst!