Bio? Logisch!

Alnatura: „Es zeigt alles auf Wachstum“

Im Geschäftsjahr 24/25, welches am 30. September endete, steigerte die Alnatura-Gruppe inklusive Tochterunternehmen wie Alnavit den Umsatz um 6,6 Prozent auf 1,274 Milliarden Euro. Kommendes Jahr geht ein neues Logistikzentrum in Betrieb, nach längerer Pause stoßen wieder neue Super Natur Markt-Filialen hinzu. Beim Ausbau der ökologischen Landwirtschaft könne man sich nicht auf die Politik verlassen, sondern müsse selbst aktiv werden, so Prof. Dr. Götz Rehn, Gründer und Vorsitzender Geschäftsführung Alnatura, anlässlich der gestrigen Jahrespressekonferenz.

Petra Schäfer und Prof. Dr. Götz Rehn auf der Jahrespressekonferenz Alnatura 2025
Petra Schäfer und Prof. Dr. Götz Rehn gaben Einblicke, wie sich Alnatura entwickelt.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Deutlich mehr Kunden pro Tag und Markt mit höheren Durchschnittsbons in den eigenen Filialen und ausgebaute Sortimente bei den Handelspartnern wie beispielsweise der Drogeriekette Rossmann – diese Kombination habe maßgeblich zum Umsatzplus beigetragen, konnte Petra Schäfer, stellvertretende Vorsitzende Geschäftsführung, gestern auf dem Alnatura Campus im hessischen Darmstadt berichten. „Es zeigt alles auf Wachstum.“ Während das Unternehmen zunächst das bestehende Filialnetz mit acht großen Umbauten regeneriert hat, sind für 2026 acht neue Super Natur Märkte angekündigt, so in Ingolstadt, Kiel, Düsseldorf und Berlin. Im Geschäftsjahr 2024/2025 gab es bundesweit 153 Filialen. Der Fokus liegt weiterhin auf Ballungsräume, in denen Bio bereits gut nachgefragt wird, eine Art Nahversorgungskonzept für ländliche Gebiete ist weiterhin keine Option. Zudem gelte es die Logistik effizient zu nutzen. „Wir bleiben unserer Linie treu, auf den Alnatura-Achsen zu wachsen“, so Schäfer.

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Um künftig die eigenen Filialen zu beschicken, geht im Sommer 2026 im südhessischen Groß-Rohrheim ein neues und gemietetes 30.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum in Betrieb, welches derzeit nach ökologischen Standards gebaut wird. Die Fassade besteht aus heimischem Lärchenholz, auf dem Dach erzeugt eine großflächige Photovoltaikanlage Strom, und Luft-Wasser-Wärmepumpen sorgen dafür, dass für den Gebäudebetrieb keine fossilen Brennstoffe notwendig sind. Der Standort Lorsch bleibt bestehen, von dort erhalten die nationalen und internationalen Partner ihre Ware.

30 Prozent Bio bis 2030 unerreichbar, aber

Rehn kam auch auf das Ziel der Bundesregierung zu sprechen, dass 30 Prozent der Ackerflächen bis 2030 ökologisch bewirtschaftet werden sollen. „Davon sind wir aber Lichtjahre entfernt“, machte er klar, denn derzeit sind es um die zwölf Prozent. „Jährlich müssten über 600.000 Hektar auf ökologische Landwirtschaft umgestellt werden, wenn wir das Ziel bis 2030 erreichen wollen. Es gibt keine Beobachtungen unsererseits, dass im Bundeslandwirtschaftsministerium oder in denen der Bundesländer verstärkte Aktivitäten entfaltet werden. Das bedauern wir außerordentlich.“ Schließlich liefere der ökologische Landbau Lösungen für den Klimaschutz, Erhalt der Artenvielfalt und sauberes Grundwasser. Allerdings kamen 2024 lediglich 24.213 Hektar hinzu, die ökologische Gesamtfläche betrug 1.913.212 Hektar – laut Strukturdaten zum ökologischen Landbau in Deutschland, die vom Bundeslandwirtschaftsministerium bei den Ländern abgefragt werden. Schon lange steht also fest, dass das Ziel unerreichbar ist, denn es fehlen entscheidende flankierende politische Maßnahmen.

Auf der anderen Seite steigt bei deutschen Konsumentinnen und Konsumenten die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln. Für dieses Jahr wird ein Umsatz von 18,19 Milliarden Euro prognostiziert, 2024 waren es 16,99 Milliarden Euro – auch darauf wurde gestern hingewiesen. Wo heimische Ware nicht ausreicht, läuft es auf Importe hinaus. „Es kann nicht sein und wir dürfen nicht zulassen, dass der zweitwichtigste Bio-Markt weltweit zu einem Importmarkt wird. Das hieße, die Chancen für die heimische Landwirtschaft zu verschenken – und damit kann kein Politiker gut beraten sein“, betonte Tina Andres, Vorsitzende Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, anlässlich der Bilanzpressekonferenz der diesjährigen Biofach.

Zurück zu Alnatura: Auch hier gilt es, Bio-Waren in hoher Qualität und vor allem ausreichender Menge langfristig zu sichern. „Das ist eines der wichtigsten Themen der Zukunft“, sagte Schäfer. Früher wurde Obst und Gemüse beim Bio-Großhandel bezogen, vor etwa eineinhalb Jahren die Kehrtwende. „Alles was in unseren Läden angeboten wird, kaufen wir direkt bei den Bio-Bäuerinnen und -Bauern. Innerhalb von 24 Stunden bekommen wir die Frischware in die Märkte. Es ist auch für die Zukunft wichtig, die Qualität weiterzuentwickeln und dazu bedarf es langfristiger Verbindungen“, erklärte Rehn. So kam beispielsweise bereits Ende März das Langut Pretschen aus dem brandenburgischen Spreewald mit seinem rund zwei Hektar großen Gewächshaus und nach eigenen Angaben Europas größter Bio-Chicorée-Reiferei als exklusiver Partner im Bio-Gemüsebau hinzu.

Damit weitere landwirtschaftliche Betriebe auf Bio umstellen können, und damit eventuell künftig auch Alnatura als Lieferant zur Verfügung stehen, wurde 2015 die Alnatura Bio-Bauern-Initiative (ABBI) ins Leben gerufen. Diese wird gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland umgesetzt. Pro verkaufter Packung ausgewählter Alnatura-Produkte – erkennbar am Schriftzug „Gemeinsam Boden gut machen“ – fließt ein Cent in die Initiative. Umstellungswillige konventionelle Landwirtinnen und Landwirte können an dem Wettbewerb teilnehmen, eine Fachjury wählt die besten Konzepte aus. Ein entscheidendes Kriterium: Die ausgewählten Betriebe müssen Mitglied bei einem Anbauverband werden, um die höchsten ökologischen Standards zu garantieren. Rehn nannte diesbezüglich Bioland, Naturland und Demeter.

In den vergangenen zehn Jahren konnten dank ABBI 131 landwirtschaftliche Betriebe mit 3,6 Millionen Euro unterstützt werden, was mit einer ökologisch bewirtschafteten Fläche von 20.654 Hektar einhergeht. Die aktuelle Bewerbungsphase läuft bereits.

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