Bio? Logisch!

Anbauverbände haben Bio-Allianz gegründet

Um ihre Kräfte nicht nur politisch, sondern vor allem in wirtschaftlichen Belangen zu bündeln, haben ökologische Anbauverbände aus Deutschland, Österreich und Südtirol eine Bio-Allianz gebildet, wie heute auf den Öko-Feldtagen auf dem Wassergut Canitz im sächsischen Wasewitz bekannt gegeben wurde. Bio Austria, Bioland, Biokreis, Bioland Südtirol, Biolandwirtschaft Ennstal, Gäa und Demeter Österreich wollen so unter anderem die Märkte noch besser mit Bio-Lebensmitteln versorgen und vor allem die Praxis bei Erzeugern und Verarbeitern deutlich erleichtern.

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Von links nach rechts: Jan Plagge (Bioland), Barbara Riegler (Bio Austria), Thorsten Block (Biokreis).
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Auf der diesen März stattgefundenen Mitgliederversammlung von Biokreis gab dessen Vorstandsvorsitzender Thorsten Block bereits einen ersten Ausblick auf eine mögliche Allianz unter ökologischen Anbauverbänden, wie „über bio“ exklusiv berichtete. „Da kommt einiges auf uns alle zu“, betonte damals Biokreis-Geschäftsführer Simon Krischer.

Nun sind Taten gefolgt, bereits am 10. Juni wurde in Augsburg der Verein Bio-Allianz aus der Taufe gehoben. Vorsitzender ist Jan Plagge (Präsident Bioland), stellvertretende Vorsitzende Barbara Riegler (Obfrau Bio Austria). „Das Kind ist geboren“, sagte Riegler auf der heutigen Pressekonferenz. Damit werde auch eine Lücke geschlossen, denn bisher bestehende Dachverbände – wie das IFOAM Organics Europe, dessen Präsident Plagge ist – bündelten zwar auch Kräfte, aber eben nicht im Bereich des Markts und der Qualitätssicherung, weil dies nicht deren Aufgabe ist.

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„Ein zentraler Pfeiler der Kooperation ist ein gemeinsames Rohwarenmanagement, mit dem die Versorgung der sehr unterschiedlichen Märkte mit Bio-Waren besser gelingt. Dazu sollen Qualitätssicherungsmaßnahmen vereinheitlicht, Verbands-Standards, wo möglich und sinnvoll, angeglichen und regionale wie auch überregionale Strukturen gestärkt werden“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Auf der Pressekonferenz wurde hervorgehoben, dass die einzelnen Verbände ihre Identität und Marken behalten: „Wir wollen keinen Einheitsbrei“, betonte Riegler. „Bio ist kein Selbstläufer, wenn wir es nicht schaffen, die Kräfte besser zu bündeln insbesondere mit und unter den Verbänden in der gesamten Wertschöpfungskette“, sagte Plagge. Mit dem Verein ist nun eine rechtliche Organisation geschaffen, mit der man zu gemeinsamen Entscheidungen gelangen kann. Die dazugehörigen Strukturen gälte es im Laufe des Jahres aufzubauen, noch im Herbst soll zur Delegiertenversammlung geladen werden. „Der nächste wichtige Schritt wird das Gründen einer Bio-Allianz GmbH sein, mit der wir im Bereich Rohwarenmanagement und Qualitätssicherung aktiv werden können“, kündigte Plagge an.

Naturland in der Bio-Allianz nicht vertreten

Man sei offen, weitere Akteure in der Bio-Allianz aufzunehmen, was mehrmals deutlich betont wurde. Der international mitgliederstärkste Anbauverband Naturland (nach eigenen Angaben weltweit rund 128.000 Bäuerinnen und Bauern in 60 Ländern) gehört nicht zu den Gründungsmitgliedern. Auf Anfrage teilt Hubert Heigl, Präsident Naturland, via schriftlichem Statement mit: „Der Öko-Landbau und die Bio-Branche stehen vor großen Herausforderungen. In dieser Situation ist es gut und richtig, Gemeinsamkeiten zu suchen und die Kräfte der verschiedenen Verbände auf sinnvolle Weise zu bündeln. Für Naturland war es in diesem Zusammenhang zunächst einmal wichtig, den BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft – Anmerkung Jens Brehl) als politischen Dachverband der Bio-Bewegung in Deutschland neu aufzustellen und zu stärken. Das ist gelungen. Was die Themen Markt und Rohwaren-Management betrifft, sind die deutschen Bio-Verbände mit der Branchenvereinbarung ebenfalls gut aufgestellt. Wenn mit der neu gegründeten Bio-Allianz nun ein vergleichbares, rechtssicheres Herkunfts- und Qualitätssicherungssystem für Rohwaren auf europäischer Ebene entwickelt werden soll, kann das ein interessanter Ansatz zur Weiterentwicklung der Branchenvereinbarung sein.“ Grundlage für den Erfolg von Bio im Markt seien und blieben starke Erzeugermarken wie das Naturland Zeichen. Weiter heißt es: „Darüber hinaus sind wir für Kooperationen, die unseren Mitgliedsbetrieben und der Bio-Branche als ganzes dienen, grundsätzlich offen.“

Spannungen im Hintergrund

Vergangenen November schloss Biokreis unabhängig von der Bio-Allianz eine Kooperation mit Bioland, um im Rahmen der Branchenvereinbarung das gegenseitige Anerkennen der Rohwaren deutlich zu vereinfachen. Auch vorher schon konnte ein Biokreis-Betrieb seine Rohwaren an einen Bio-Verarbeiter liefern, wo sie in einem als Bioland ausgelobten Produkt landen – und umgekehrt. Wie „über bio“ exklusiv berichtete, sprach Biokreis bezüglich einer Kooperation auch mit Naturland. Nach intensiven Gesprächen wollte Naturland ab einem gewissen Punkt mit Biokreis fusionieren. Letzterer lehnte ab, um eigenständig bleiben zu können.

Auch zwischen Naturland und Bio Austria scheint die Stimmung teils angespannt zu sein. Seit vergangenem Herbst wirbt der deutsche Verband aktiv Mitglieder im Nachbarland – mit dem Versprechen Marktzugang zu Rewe und Aldi im Gepäck. Manch einer deute dies als Angriff auf Bio Austria, wie die Salzburger Nachrichten berichteten. Dort sagt Bio Austria Obfrau Barbara Riegler: „Wir sind ja kein Bio-Entwicklungsland, das auf die Deutschen gewartet hat“, und verweist darauf, dass in Österreich bereits 30 Prozent der Flächen ökologisch bewirtschaftet werden, in Deutschland lediglich knapp zwölf Prozent. Als Bedrohung empfindet Riegler die Naturland-Pläne laut den Salzburger Nachrichten allerdings nicht. Ob diese vereinzelten Spannungen (mit) dazu geführt haben, dass Naturland nicht zu den Gründungsmitgliedern der Bio-Allianz gehört, ist nicht gewiss.

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