Mal eben nebenbei Huhn und Hahn austauschen
In Deutschland ist eine Revolution im Gange. Jahrzehntelange einseitige Tierzucht hatte der Landwirtschaft Legehennen beschert, die unter industriellen Bedingungen bis zu 320 Eier im Jahr produzieren. Doch deren männliche Tiere taugen nicht für die Mast und sind daher unter strengen wirtschaftlichen Gesichtspunkten von Geburt an so gut wie wertlos. Deshalb wurden in Deutschland jährlich etwa 45 Millionen Küken direkt nach dem Schlupf getötet. Ab nächstem Jahr ist das verboten. In der ökologischen Landwirtschaft gilt es, alle Bruderhähne aufzuziehen – pro Henne ein Hahn. Zudem besinnt man sich dort wieder auf Altbewährtes, welches allerdings wieder neu geschaffen werden muss: das Zweinutzungshuhn. Für alle Akteure ist das eine enorme Kraftanstrengung. Mal eben gilt es im laufenden Betrieb ein komplettes System umzubauen. Wie gut, dass die Bio-Branche faule Kompromisse ausgeschlagen hat und sich damit selbst enorm unter Druck setzt.
Zum Tod von Karl Ludwig Schweisfurth
In der Nacht von Freitag auf Samstag ist der Biopionier Karl Ludwig Schweisfurth im Alter von 89 Jahren verstorben. Mit Herta war er der größten Fleischproduzent Europas. Mit 55 Jahren fing er noch einmal ganz von vorne an, gründete die Herrmannsdorfer Landwerkstätten und die Schweisfurth-Stiftung. Seitdem setzte er sich für ökologische Landwirtschaft, echtes Handwerk und Tierwohl ein. Noch im Spätsommer letzten Jahres führte ich mit ihm ein ausführliches Interview für mein im Oktober erscheinendes Buch „Für unsere Zukunft – Wie Biopioniere die Welt verändern“.
