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Zum Tod von Karl Ludwig Schweisfurth

In der Nacht von Freitag auf Samstag ist der Biopionier Karl Ludwig Schweisfurth im Alter von 89 Jahren verstorben. Mit Herta war er der größten Fleischproduzent Europas. Mit 55 Jahren fing er noch einmal ganz von vorne an, gründete die Herrmannsdorfer Landwerkstätten und die Schweisfurth-Stiftung. Seitdem setzte er sich für ökologische Landwirtschaft, echtes Handwerk und Tierwohl ein. Noch im Spätsommer letzten Jahres führte ich mit ihm ein ausführliches Interview für mein im Oktober erscheinendes Buch „Für unsere Zukunft – Wie Biopioniere die Welt verändern“.

Bild: Herrmannsdorfer Landwerkstätten

Vom Saulus zum Paulus – so könnte man Karl Ludwig Schweisfurths Leben in wenigen Worten beschreiben. In den 50ern brachte er angeregt durch eine USA-Reise die industrielle Fleischverarbeitung nach Deutschland. Sein kleines Familienunternehmen Herta wuchs zum größten Fleischproduzent Europas, verdrängte einen Großteil des Metzgerhandwerks und war indirekt eine treibende Kraft der Massentierhaltung.

Ab einem gewissen Punkt machten sich bei ihm Zweifel stark, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Es setzte nicht nur ein Umdenken ein, sondern der gelernte Metzger ging konsequent neue Wege. Mit den Herrmannsdorfer Landwerkstätten hat er nicht „nur“ einen Biohof ins Leben gerufen, sondern eine Insel der ökologischen und handwerklichen Vernunft geschaffen.

Mit Tränen in den Augen und einem dicken Kloß im Hals habe ich heute Vormittag die Nachricht von seinem Tod gelesen. Noch lebhaft habe ich unser angeregtes und offenes Gespräch vor Augen, welches wir noch vor wenigen Monaten geführt haben. Ich habe ihn als tatkräftig, extrem reflektiert und nahbar erlebt. Auch unbequeme Fragen beantwortete er mit der gleichen Leidenschaft, wie er über die Vorzüge der ökologischen Landwirtschaft sprach.

Ich bin sehr dankbar, diesem außergewöhnlichen Menschen persönlich begegnet zu sein. Es ist ein besonderer Visionär gegangen.

1 Kommentar zu “Zum Tod von Karl Ludwig Schweisfurth

  1. Beeindruckend, Jens! Ich bin sehr gespannt auf Dein Buch über die Pioniere.

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