Ein entscheidendes Jahr ist für das Green Food Cluster angebrochen, denn voraussichtlich läuft die Förderung durch das Land Hessen 2025 aus. Daher muss das Netzwerk der hessischen Lebensmittelwirtschaft bald auf eigenen Beinen stehen. Wie das gelingen kann und wie das Cluster noch sichtbarer und attraktiver werden soll, waren Themen auf der gestrigen Mitgliederversammlung.
Cluster-Präsident Bernd Müller kam – auch angesichts der aktuellen politischen Weltlage – in seinen Eröffnungsworten bereits in den ersten Sätzen auf den wesentlichen Punkt: „Wir müssen die Stärke in der Gemeinschaft suchen.“ Bei Floskeln soll es nicht bleiben. Derzeit bildet das Green Food Cluster ein internes Experten-Board, um Fachwissen sowie Erfahrungen schnell und unkompliziert zu teilen – etwa, wenn sich ein Mitgliedsbetrieb bio-zertifizieren lassen möchte. Diesen Schritt ist beispielsweise das Fuldaer Unternehmen Rudolf Fehrmann, in dessen Räumen die Mitgliederversammlung nach einer umfassenden Betriebsbesichtigung stattfand, bereits gegangen.
Zudem wird intensiv in Sachen Rahmenverträge verhandelt, so dass die Cluster-Mitglieder auf Wunsch Einkaufsgemeinschaften bilden können – beispielsweise für Verpackungen oder Energie, wie von Müller auf der vergangenen Mitgliederversammlung angekündigt. Dies sei ein entscheidender Hebel, um neue Mitglieder zu gewinnen, was Christoph Jestädt, Geschäftsführer Hannheinehof, ausdrücklich betonte. Besonders Jestädt fällt immer wieder durch konstruktive Kritik und aktive Mitarbeit positiv auf.
Green Food Cluster muss wachsen
Tatsächlich muss das Cluster, das derzeit 28 Mitglieder zählt, deutlich zulegen. Voraussichtlich sind in diesem Jahr zum letzten Mal 116.091 Euro Fördermittel vom Land Hessen geflossen, das Netzwerk muss daher recht bald wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen. Doch wer kann beim Green Food Cluster eintreten?
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Nachhaltigkeit ist kein rechtlich geschützter Begriff und natürlich soll ausgeschlossen werden, dass sich ein Unternehmen einen nicht verdienten grünen Anstrich verpasst. Daher wurden immer wieder feste Kriterien gefordert, die seit Gründung des Clusters der Quadratur des Kreises gleichen. Denn neben Unternehmen der konventionellen wie ökologischen Lebensmittelwirtschaft können beispielsweise auch reine Dienstleister, Forschungseinrichtungen und Privatpersonen dem Cluster beitreten. Je spitzer Vorgaben sind, umso mehr potenzielle Mitstreiterinnen und Mitstreiter für eine ökologische Transformation schließt man aus.
Es steht nun fest: Eigene Qualitätskriterien-Kontrollsysteme wird es nicht geben. Stattdessen wird auf bestehende Zertifikate und Mitgliedschaften bei weiteren Vereinen beziehungsweise Dachmarken wie Bio, Landmarkt, FSC (für Holz) und dergleichen gesetzt. Kann ein Interessent nichts dergleichen vorweisen, muss eine noch zu erstellende Selbsterklärung abgegeben werden. Bestehende Mitglieder landen ebenso mit einer Karenzzeit von sechs Monaten unter der ökologischen Lupe.
Selbstfindungsprozess abgeschlossen
Bevor mittels einer Kampagne beispielsweise in den Sozialen Medien Konsumenten auf das Green Food Cluster aufmerksam gemacht und darüber hinaus weitere Unternehmen und Organisationen als Mitglieder gewonnen werden sollen, hieß es zunächst den ehrlichen Blick nach innen zu richten. „Dieses Jahr haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, unser Profil zu schärfen, unsere Rolle neu zu definieren und neue Ziele zu verabschieden“, erklärte Cluster-Managerin Katharina Most auf der Mitgliederversammlung vergangen Oktober.
Ein Großteil der „Hausaufgaben“ ist abgeschlossen. „Lebensmittel sind der stärkste Hebel zur Sicherung der menschlichen Gesundheit und ökologischen Nachhaltigkeit“, betonte Most gestern und nannte die drei Kernbegriffe des Selbstbildes: „Wir fördern hessenweit die regionale, nachhaltige und vielfältige Lebensmittelwirtschaft – von der Erzeugung bis zum Verzehr.“
Unter dem geografisch nicht definierten Punkt regional werden beispielsweise kurze Transportwege, lokale Arbeitsplätze und Transparenz hervorgehoben, nachhaltig stützt sich im Kern auf ökologische Wirtschaftsweisen und zertifizierte Bio-Lebensmittel. Und statt des Arbeitsbegriffs gesund ist nun vielfältig das dritte Adjektiv im Bunde, welches artenreiche Lebensräume, Sortenvielfalt bei Obst und Gemüse, aber auch vielfältige Kochtraditionen meint. Damit nicht „nur“ der Verstand, sondern auch das Herz angesprochen wird, lautet die zentrale Botschaft: Genuss, der den Unterschied macht. Eben das böten die Mitglieder durch ihre Produkte.
Green Food Cluster bleibt Karl treu
Im Frühjahr 2023 hatte das Konzeptkaufhaus Karl seine Pforten im ehemaligen Galeria Kaufhof in Fuldas Innenstadt geöffnet. Seitdem hat das Green Food Cluster Flächen gemietet, auf denen die Mitglieder ihre Produkte anbieten. Diebstahl war durchaus ein Problem, auch die Umsätze waren für die meisten überschaubar. Dennoch hält das Cluster aus strategischen Gründen weiter am Mietvertrag fest.
Der neue Betreiber Michael Kunze aus Flieden habe vieles zum Positiven verändert, zudem steht auf der Cluster-Fläche auch der Reifeschrank für Rhöner Biosphären-Schinken. Die beteiligten Metzger seien durchaus zufrieden mit dem Umsatz im Karl, zudem würden Kundinnen und Kunden auch die Wege zu den handwerklichen Metzgereien in der Rhön finden, wie Matthias Weller vom Verein Rasdorfer GenussKultur berichtete. Die Mission Aufmerksamkeit zu schaffen, wird an dieser Stelle erfüllt.







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