Zwei Jahre Umsatzrückgang sind beim fairen Handelshaus Gepa überwunden. „Der Geschäftsverlauf 2024 hat unsere Erwartungen weit übertroffen“, sagte der Kaufmännische Geschäftsführer Matthias Kroth auf der gestrigen Pressekonferenz. Der Umsatz stieg um 8,3 Millionen Euro auf 84,8 Millionen Euro (+10,9 Prozent), dafür zeichnete sich vor allem die faire Bio-Schokolade verantwortlich. Sorgen bereiten nach wie vor extrem gestiegene Rohwarenpreise, die Folgen des Klimawandels – und neu: Bundeskanzler Friedrich Merz.
Mit einem Anteil von 40 Prozent am Umsatz bleibt Kaffee der Spitzenreiter bei Gepa, 2024 konnte „ungefähr die gleiche Menge“ wie im Jahr zuvor abgesetzt werden, aber deutlich mehr faire Bio-Schokolade. Diese belegte 2024 mit einem Umsatzanteil von 27 Prozent Platz zwei – und die Nachfrage steige. Die Berichte der Rechnungsprüfer liegen noch nicht vor, doch man werde die 0,9 Millionen Euro vor Steuern von 2023 klar übertreffen. „Mit dem erwirtschafteten Jahresergebnis sind wir selbstverständlich unter diesen widrigen Rahmenbedingungen sehr zufrieden“, sagte Kroth.
Auch ins neue Jahr ist man stark gestartet: Im ersten Quartal ist in den Kernvertriebsbereichen (Bio-Handel/Lebensmittelhandel, Weltläden, Außer-Haus-Verpflegung und Onlineshop für Endkunden) ein Umsatzplus von 3,5 Millionen Euro im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum zu verzeichnen – was einen Zuwachs von 22 Prozent bedeutet. „Treiber der Umsatzsteigerung ist nahezu ausschließlich die Produktgruppe Schokolade. Allerdings gehen diese Entwicklungen mit stark rückläufigen, bei einigen Großkunden nahezu aufgezehrten Margen einher. Deswegen ist es zwingend notwendig gewesen, die Verkaufspreise zum 1. April nochmals zu erhöhen.“ Die 100 g Tafel faire Bio-Schokolade mit hohem Kakao-Anteil kostet seitdem statt 2,99 Euro nun 3,99 Euro, bei Kaffee hat sich das Kilo etwa um 1,50 Euro verteuert.
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Speziell bei der fairen Bio-Schokolade könne die Kundschaft zwischen verschiedenen Packungsgrößen vom Riegel, über 40-Gramm-, 80-Gramm und 100-Gramm-Tafeln wählen. Diese Preisklassen und Größen werde man beibehalten. „Wir werden nicht wie andere Hersteller die ursprünglichen Verpackungen optisch unverändert lassen und die Einwaage verringern. Es gibt keine Mogelpackungen“, erklärte Dr. Peter Schaumberger, Geschäftsführer Marke und Vertrieb, für das gesamte Gepa-Sortiment. Auch Rezepturen blieben unverändert.
Bereits vergangenen Oktober mussten die Preise nach oben angepasst werden. Schaumberger hob hervor, fairer Handel sei der wichtigste Unternehmenszweck, und nicht die Gewinnabsicht. Man gebe schrittweise ausschließlich gestiegene Kosten für die sich stark verteuerten Rohwaren Kaffee und Kakao weiter – in der Vergangenheit sei man oftmals mit der fairen Bio-Schokolade sogar günstiger gewesen, als konventionelle Ware. Gepa zahlt zu den Börsenpreisen noch Prämien für Bio, Fairen Handel und mitunter weitere Zuschläge für besondere Qualitäten. Preistreiber sind die Folgen des Klimawandels, die für Ernteverluste sorgen, und Börsenspekulationen. Wie sich die Preise in naher Zukunft entwickeln? Seriöse Prognosen seien unmöglich.
Gepa-Präsenz im Supermarkt soll ausgebaut werden
Es gelte die Anfänge als politische Bewegung mit der heutigen Aufgabe neue Märkte zu erreichen miteinander zu verknüpfen, wie Schaumberger verdeutlichte. „Wir wollen vom Beispiel zur Marktbedeutung kommen.“ Rund 400 Artikel bei (Bio-)Lebensmitteln hält die Gepa bereit, in den meisten Supermärkten seien in der Regel vielleicht nur zehn zu finden. „Unser Ziel ist es, das Regal zu verbreitern.“ Allerdings schließe man Kooperationen mit Discountern nach wie vor aus, diese böten nicht das passende Umfeld.
„Wir versuchen unsere Prinzipien des fairen Handels noch viel stärker bei den Supermarktketten bekannt zu machen und damit zu überzeugen. Das ist natürlich ein sehr, sehr dickes Brett zu bohren.“ Problem: Es prallen zwei Welten aufeinander. „Wir stehen natürlich einem kapitalistischen System und einem Oligopol des Lebensmittelhandels gegenüber. Hier herrscht ein starker Preiswettbewerb. Eine faire und ökologische Marktwirtschaft ist unser Ziel.“
Meilensteine 50 Jahre Gepa
„Die Delle der Krisenjahre haben wir 2024 überwunden, die Trendwende ist geschafft“, hob Schaumberger einen Grund zum Feiern hervor. Der zweite ist das Jubiläum 50 Jahre Gepa. Am 14. Mai 1975 fing alles in einem Privathaus in der Grafenstraße 3 in Wuppertal an. Als „Lager“ dienten zwei Wohnungen mit je 100 Quadratmetern. Das heutige Hochregallager beansprucht eine Fläche von 8.500 Quadratmetern. Ein deutliches Zeichen, dass Fairer Handel Wirtschaftlichkeit und Ethik erfolgreich miteinander verbindet – so sahen es die Akteure der Pressekonferenz.
Meilensteine waren 1978 die Kampagne „Jute statt Plastik“, acht Jahre später kam der erste faire Bio-Kaffee aus Mexiko auf den deutschen Markt. Die erste faire Bio-Schokolade landete 2000 in den Regalen, elf Jahre später die ersten Varianten mit fairer Bio-Milch. Letzteres ermöglicht die Molkerei Berchtesgardener Land, die Bio-Milch nach den Richtlinien von Naturland fair liefert.
Problembereiter Friedrich Merz
Doch es sei nicht alles rosig, betonte Andrea Fütterer, Leiterin der Abteilung Grundsatz und Politik. Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, für das auch etliche Organisationen des Fairen Handels gekämpft haben, kommt nicht, wie die neue Bundesregierung klarmachte. Eigentlich sollte die EU-Verordnung zu den Lieferketten an dessen Stelle treten.
Bei seinem Antrittsbesuch in Brüssel hatte der neue Bundeskanzler Friedrich Merz allerdings in zwei Pressekonferenzen gefordert, auch die EU-Lieferkettenregelungen abzuschaffen – wie unter anderem die taz berichtete. „Das ist ein weiterer klarer Wortbruch.“ Tatsächlich steht im noch druckfrischen Koalitionsvertrag etwas anderes: „Darüber hinaus schaffen wir das nationale Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) ab. Es wird ersetzt durch ein Gesetz über die internationale Unternehmensverantwortung, das die Europäische Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) bürokratiearm und vollzugsfreundlich umsetzt. Die Berichtspflicht nach dem LkSG wird unmittelbar abgeschafft und entfällt komplett.“
Doch auch, wenn die EU-Regeln kommen und in Deutschland umgesetzt werden, bleibt Fütterer skeptisch. „Es geht ganz konkret um einen massiven Rückbau der Inhalte, insbesondere den Menschen- und Umweltrechten. Diese ‚Verwässerung‘ wird uns als Bürokratieabbau verkauft.“ Unternehmen sollen nur noch für ihren ersten Zulieferer verantwortlich sein – wobei man wisse, dass die meisten Menschenrechtsverletzungen am Anfang der Lieferkette entstehen. Laut EU-Vorhaben solle es dabei bleiben, dass Unternehmen zwar einen Klimaplan erstellen müssen, aber die Umsetzungspflicht wurde gestrichen. „Das kann man nur als einen Witz betrachten.“ Voraussichtlich im Oktober dieses Jahres stimmt das EU-Parlament ab.
Dies sei ein mahnendes Beispiel, in der politischen Arbeit stets wachsam zu bleiben, auch wenn man sich (fast) am Ziel wähne, so Fütterer. Die Abteilungsleiterin gab sich kämpferisch: „Du hast es in der Hand: nicht ‚nur‘ Schoki essen, sondern auch Petition unterschreiben.“ Letztere hat die Initiative Lieferkettengesetz jüngst gestartet.
Mitglied der Initiative ist unter anderem der Weltladen-Dachverband. Dessen Geschäftsführerin Gifty Rosetta Amo Antwi fand während der Pressekonferenz deutliche Worte: „Wir brauchen ein gutes Lieferkettengesetz und Handelsverträge, die nicht nur Konzerninteressen schützen und eine Bundesregierung, die sich auf EU-Ebene klar für Menschenrechte und Gerechtigkeit einsetzt. Die Klimakrise trifft den globalen Süden am härtesten – und uns fehlt oftmals der Mut, an den Grundfesten eines ungerechten Systems zu rütteln.“
Auch die Weltläden müssten sich teilweise neu erfinden, um vermehrt jüngere Zielgruppen anzusprechen. Es gelte zu verdeutlichen, dass diese nicht „nur“ Einkaufsstätten für fair gehandelte Produkte, sondern vor allem Orte des politischen Engagements seien. „Faire Handelsbeziehungen sind keine Almosen, sondern strukturelle Gerechtigkeit.“
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