Hier und da kann man sie entdecken: kleine Lücken in den Regalen des Fuldaer antonius Ladens, wo nur noch eine Handvoll Produkte stehen. Mit dem Jahreswechsel hat der Bio-Laden einen harten Einschnitt vollzogen, denn die Produkte von Alnatura haben zwangsweise das Angebot verlassen. Das Trockensortiment ist deutlich entschlackt, der Fokus wird noch stärker auf Frische und eigene Bio-Lebensmittel aus der ökologischen antonius-Familie von Bauernhof, Gärtnerei, Bäckerei und Feinveredlung liegen.
Es sah so aus, als hätten sich zwei gesucht und gefunden. Via Anzeige in der Fuldaer Zeitung gab Alnatura vor gut drei Jahren bekannt, in der Region Ausschau nach Grundstücken oder Partnern zu halten. Es folgten schließlich gegenseitige Besuche in Fulda von Alnatura-Vertretern und von antonius-Mitarbeitern in der Darmstädter Alnatura-Zentrale.
Im Juni 2022 standen die ersten Alnatura-Produkte im antonius Laden, eine ganz bewusste Entscheidung Deutschlands bekannteste Bio-Marke zu führen. Die Inflation durch extrem stark gestiegene Energiepreise in Folge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine schlug voll zu, nach dem Boom der Corona-Jahre wurden Bio-Kunden beim Lebensmitteleinkauf deutlich sparsamer. Alnaturas Preiseinstiegsmarke „Prima!“ kam wie gerufen. Bis zum Schluss waren Nudeln im Preiseinstiegssegment unangefochten auf Platz eins der Alnatura-Verkaufsschlager im Laden.
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Alnatura beliefert keine Partnerläden wie antonius mehr
Als „überraschend, bedauerlich und ärgerlich“ bezeichnet Christian Bayer, Geschäftsführer antonius: gemeinsam begegnen, Alnaturas schriftliche Ankündigung ab Sommer 2025 keine Partnerläden mehr zu beliefern. „Alnatura konzentriert sich auf die folgenden strategischen Geschäftsfelder: Die Alnatura Markenprodukte, Alnatura Super Natur Märkte und die Handelspartner. Das Partnermarktmodell wird im ersten Halbjahr 2025 eingestellt“, gab das Unternehmen Anfang vergangenen September via Pressemitteilung bekannt. „Letztendlich haben wir es als Chance genommen, uns ein Stück weit neu zu erfinden“, ordnet Bayer ein.
Bereits vergangenen Winter nahm Benjamin Zurczak das Sortiment unter die Lupe. Zurczak hatte zunächst bei Aldi seine Lehre zum Einzelhandelskaufmann abgeschlossen, danach bei tegut den Handelsfachwirt absolviert und bringt seine Expertise seit vergangenem Frühjahr bei antonius ein. In erster Linie kümmert er sich um den Vertrieb der hauseigenen Produkte. Nach dem vergangenen Weihnachtsgeschäft erfolgte ein harter Schnitt im antonius Laden, bei Alnatura wurde nicht mehr geordert. Noch jetzt sind einige Produkte der Marke und weitere Artikel, die das Sortiment verlassen, im Abverkauf zu finden. Das zeigt, wie lange sie teils benötigen, um die Besitzer zu wechseln.
Fokus Bio-Lebensmittel aus eigener Herstellung
Umsatzbringer im antonius Laden ist ganz klar das Frischesortiment: Obst, Gemüse, Käse und Molkereiprodukte, Backwaren, Fleisch und Wurst mit einem Anteil von etwa 60 bis 70 Prozent. Auch die Bio-Lebensmittel aus eigener Produktion – die immerhin die Backwaren und das Frischfleisch vollständig und in der jeweiligen Saison größtenteils bei Gemüse abdecken – machen vom gesamten Umsatz etwa 65 Prozent aus.
„Das Trockensortiment werden wir so weit es geht herunterfahren, ohne dass wir den Wocheneinkauf stark beschneiden. Alle Artikel des täglichen Bedarfs wird es weiterhin geben“, erklärt Zurczak. In die Bresche des Preiseinstiegs – auf den man unter anderem bei Nudeln nicht verzichten kann – springt die Marke Green Organics, die vom Großhändler Naturkost Elkershausen bezogen wird. Als Beispiel, wo sich das Sortiment stark fokussiert hat, nennt Zurczak die Fruchtaufstriche. Bei schwarzer Johannisbeere gab es das hauseigene Produkt und zusätzlich noch Pendants von Allos, Alnatura und Green Organics. Übrig geblieben ist die Marmelade aus eigener Herstellung.
Generell liegt der Fokus wieder verstärkt auf den hauseigenen Produkten. Seit Kurzem ist eingelegtes Bio-Gemüse im Sortiment, welches in Kooperation mit dem Sternekoch Björn Leist entstanden ist. Zudem wird die antonius Bäckerei wieder Bio-Nudeln produzieren.
Neue Wege: Weggang von Ladenleiter Carsten Flynn und bald konventionelle Lebensmittel?
Darüber hinaus sei es vorstellbar, sich auch für ausgewählte konventionelle Produkte aus der Region zu öffnen. Als Beispiel nannte Bayer das Gewürzkontor des Fuldaer Unternehmens Fehrmann. Dieses liefere zwar auch Bio-Ware, doch das breite Sortiment ist konventionell. „Im Gewürzkontor sind zwei Menschen mit Behinderung im ersten Arbeitsmarkt angestellt, die ansonsten in der Behindertenwerkstatt tätig wären. Der soziale Aspekt ist daher gegeben“, betont Bayer. In allen Betrieben von antonius arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung Hand in Hand.
Unter dessen hat es den ehemaligen Ladenleiter Carsten Flynn dieses Jahr aus privaten familiären Gründen in den hohen Norden verschlagen, wo er gemeinsam mit Benjamin Oberhof den Hofladen des nach Demeter-Richtlinien zertifizierten Guts Wulfsdorf im schleswig-holsteinischen Ahrensburg leitet. Flynn hatte gemeinsam mit Dr. Uta Anschütz den Gemeinwohl-Ökonomie-Prozess vorangetrieben, Ende letzten Jahres legte der antonius Laden seine erste Gemeinwohl-Bilanz vor.






Auf konventionelle Waren zu gehen, ist keine gute Idee. Das verwässert nur unnötig das Image und verunsichert die Kundschaft.
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