Kommentar
Bereits zum zweiten Mal durfte ich von der Mitgliederversammlung von Biokreis berichten, um die finalen Debatten im Hinblick ob Richtlinien erweitert oder ergänzt werden abbilden zu können. Bislang ist er der einzige Anbauverband, der mutig genug ist diese Transparenz zu bieten.

Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0
Ihr braucht euch nicht wundern, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher Bio nicht verstehen, da lediglich hinter verschlossenen Türen über Richtlinien beraten und diese verabschiedet werden. Das ist absolut nicht mehr zeitgemäß. Vor allem, weil die Bio-Lebensmittelbranche sehr gerne sehr offensiv mit Transparenz wirbt. Ihr steigt nach der Mitglieder- oder Delegiertenversammlung wie der Prophet vom Berg und verkündet eure Beschlüsse. Wie es dazu kam, was die Argumente pro oder kontra waren und welche Anträge aus welchen Gründen abgelehnt wurden, bleibt euer Geheimnis.
Biokreis macht den Anfang
Mit diesen Hinweisen frage ich seit Jahren bei allen Anbauverbänden an, und blitze regelmäßig ab. Um es klar zu machen: Vertrauliche Gespräche sind unglaublich wichtig. Die Sorge und Skepsis Delegierte würden sich nicht mehr frei äußern sobald Presse anwesend ist, kann ich durchaus nachvollziehen. Und manches ist eben (noch) nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Doch spätestens die finalen Debatten sollten in meinen Augen abgebildet werden. Die meisten Themen haben viele Facetten, sind eben nicht schwarz oder weiß und damit erklärungsbedürftig.
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Biokreis fasste als erster und bislang einziger Anbauverband den Mut sich in diesem Punkt zu öffnen. So reiste ich vergangenen März nach Kirchberg an der Jagst, um exklusiv für Fleischwirtschaft.de (€) zu berichten. Natürlich war ich nervös. Mag mich der Biokreis-Vorstand zwar eingeladen haben und hinter dem Vorhaben stehen, wenn die Mitglieder vor Ort meine Anwesenheit abgelehnt hätten, hieße es für mich außer Spesen nichts gewesen. Im Gegenzug war klar: Es gibt keine Hofberichterstattung, sondern konstruktiv-kritischer und einordnender Journalismus.
Eine Abstimmung hatte im vergangenen Jahr durchaus eine gewisse Sprengkraft, denn sieben Biokreis-Betriebe hatten beantragt, die Geschlechtsbestimmung im Ei zuzulassen, um sich vom unwirtschaftlichen Bruderhahn verabschieden zu können. Dessen ökologische Aufzucht ist bei allen Anbauverbänden mit Ausnahme von Biopark Pflicht. Der Antrag wurde schließlich nach hitziger Debatte zurückgezogen. Einige Monate später sprach ich mit allen Landwirtinnen und Landwirten, die ihn ursprünglich gestellt hatten und berichtete anschließend, dass die meisten bei Biokreis ausgetreten sind.
Der eine oder andere mag dies als „negative Presse“ bezeichnen, die er gerne vermeiden würde. Die Fakten stimmten und es war legitim, den weiteren Fortgang im Auge zu behalten. Das ist meine Aufgabe als Journalist. Wie sich Biokreis verhielt? Bereits vergangenen Herbst kam die Einladung zur diesjährigen Mitgliederversammlung. Lebendige Debatten waren wieder absehbar, denn es sollte entschieden werden, ob sich der Anbauverband für eine strategische Zusammenarbeit mit dem Discount öffnet.
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