Die deutschen Konsumenten gaben im vergangenen Jahr 16,08 Milliarden Euro für Bio-Lebensmittel aus, ein Plus im Vergleich zu 2022 von fünf Prozent. „Das Wachstum beruht fast ausschließlich auf gestiegene Preise“, ordnete Diana Schaack, Analystin bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, auf der heutigen Bilanzpressekonferenz der Biofach ein. „Die verkauften Mengen sind ungefähr stabil geblieben.“ Der Ausbau der ökologischen Agrarfläche hinkt dem politischen Ziel von 30 Prozent bis 2030 weiterhin deutlich hinterher.

Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0
Der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt macht 6,2 Prozent aus. Ein leichtes Plus von 0,4 Prozent im Vergleich zu 2019 vor dem Nachfrage-Boom der ersten beiden Jahre der Corona-Pandemie. Allerdings sind die Preise für konventionelle Lebensmittel seitdem prozentual deutlich stärker gestiegen, was für sich genommen den ökologischen Anteil mindert.
Konventioneller Handel legt zu, Verbandsware gefragt
Großer Gewinner ist der konventionelle Lebensmitteleinzelhandel inklusive Drogerien, der seinen Umsatz um 7,2 Prozent auf 10,82 Milliarden Euro steigern konnte. Mit 3,15 Milliarden Euro stagniert der Bio-Fachhandel nahezu auf dem Niveau von 2022. Für die 1,8 Prozent Zuwachs bei den sonstigen Verkaufsstätten auf 2,11 Milliarden Euro zeichnet sich laut Schaack vor allem mit Bäckereien und Metzgereien das Handwerk verantwortlich. Direktvermarkter hätten hingegen lediglich auf den Wochenmärkten zulegen können. „Unter dem Strich kommen wir aus der Krise heraus. Die Bio-Branche bleibt auch unter schwierigen Voraussetzungen stabil“, zeigte sich Tina Andres, Vorstandsvorsitzende Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, erwartungsgemäß positiv gestimmt.
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Bei den privaten Bio-Einkaufsmengen konnten 2023 vor allem pflanzliche Drinks (+ 13,5 Prozent), Käse und Wurst (jeweils + 5,6 Prozent) zulegen. Discounter hätten speziell im SB-Bereich Käse- und Wurst-Sortimente ausgebaut, was die gestiegene Nachfrage erkläre. Besonders zurückgegangen sind hingegen Butter (- 12,5 Prozent), pflanzlicher Fleischersatz (- 9,4 Prozent) und Geflügel (- 9,1 Prozent).

Mit 46 Prozent sind rund die Hälfte der 36.536 Bio-Betriebe in einem Anbauverband organisiert, was 66 Prozent der Öko-Fläche entspricht. „Verbands-Bio ist stärker im Aufwind als EU-Bio, weil verschiedene Handelsketten Verbandsware wollen“, erklärte Schaack. So werde beispielsweise handelsseitig Bio-Schweinefleisch verstärkter in Verbandsqualitäten nachgefragt.
Öko-Fläche: fünffacher Ausbau nötig
Bei stagnierender Nachfrage konnte die ökologisch bewirtschaftete Fläche im vergangen Jahr um 80.460 (+ 4,3 Prozent) auf 1,94 Millionen Hektar zulegen. Das entspricht insgesamt einen Flächenanteil von 11,8 Prozent und ist damit weiterhin meilenweit vom politischen Ziel 30 Prozent bis 2030 entfernt. Um es zu erreichen, braucht es jährlich mit 430.000 Hektar den fünffachen Zuwachs.
„Das Ziel ist nach wie vor richtig“, betonte Andres. Es sei auch mit Hinblick auf den Klimawandel zu entscheidend, um es abzuschreiben. Tragfähige Ideen und Konzepte lägen vor. „Es gibt eine Zukunftsstrategie ökologischer Landbau. Doch das schönste Papier ist nichts wert, wenn kein Budget dahinter steht, mit dem man es umsetzen will. Wir sind nicht bereit, zwei Jahre Stillstand hinzunehmen, weil man sich nicht einigen kann“, spielte Andres auf verschiedene politische Öko-Vorhaben in einer „schwierigen“ Koalition an.
Interessante Analyse. Schade, dass auch in diesem Bereich dank der „schwierigen“ Koalition der so dringend benötigte Schwung fehlt!