Mit einem Umsatz von 104 Millionen Euro im vergangenen Jahr konnte das faire Handelshaus Gepa auf der gestrigen Jahrespressekonferenz einen neuen Rekord verkünden. Im Vergleich zu 2024 legte der Umsatz um 19,2 Millionen Euro zu, was einem satten Plus von 22,7 Prozent entspricht. Wermutstropfen: Der Zuwachs ist größtenteils zweier Preiserhöhungen zu verdanken, bei den wichtigsten Produkten Kaffee und Schokolade verzeichnet Gepa „moderate Absatzrückgänge im einstelligen Prozentbereich“. Es bleibe herausfordernd.
„Die Umsatzsteigerungen sind eindeutig getrieben durch die Preiserhöhungen, die wir zum 1. Oktober 2024 und zum 1. April 2025 aufgrund der Rohwarenpreisentwicklung haben umsetzen müssen“, kam der kaufmännische Geschäftsführer Matthias Kroth beim verkündeten Rekordergebnis schnell auf den Punkt. Die Absatzrückgänge seien jedoch nicht so stark ausgefallen, wie erwartet. „Aller Voraussicht nach schließen wir das Jahr 2025 mit einem leicht positiven Ergebnis ab.“ An das Ergebnis vor Steuern von 2024 in Höhe von 1,3 Millionen Euro wird man voraussichtlich nicht anknüpfen können.
Erfreuliche Entwicklung: 89,6 Prozent des Lebensmittelumsatzes ist mittlerweile bio. Klare Hauptumsatzträger bleiben Kaffee mit einem Anteil von 35,1 Prozent und Schokolade mit 28,3 Prozent.
Herausfordernd: volatile Märkte, EmpCo-Richtlinie, Cyberangriff
Der Rohwarenmarkt für Kaffee und Kakao war und bleibt extrem volatil, dadurch sei auch die Kalkulation der Verkaufspreise alles andere als einfach. Besonders bio-fairer Kakao bleibe ein knappes und daher teures Gut. Höhere Preise für Rohwaren kämen bei den Erzeugern an, wie gestern mehrfach betont wurde.
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Im großen Stil mussten Verpackungen entsorgt werden, was ein hoher Aufwand war, der für zusätzliche Kosten gesorgt hat. Ende September tritt die Richtlinie Empowering Consumers (EmpCo) in Kraft, welche Greenwashing verhindern soll. Umweltaussagen müssen wissenschaftlich belegt sein, es dürfen nur noch extern zertifizierte Siegel genutzt werden. „Damit werden Werbeaussagen für Verbraucher deutlich klarer, überprüfbarer und auch nachvollziehbarer. Das ist ein Anliegen, das wir absolut unterstützen“, sagte Dr. Peter Schaumberger, Geschäftsführer Marke und Vertrieb. „Daher verzichten wir auf unseren Claim ‚fair+‘, der leicht mit einem zertifizierten Siegel verwechselt werden könnte.“ Noch vorhandenes Verpackungsmaterial mit dem Zeichen fair+ wurde entsorgt. Auch ohne diese zusätzliche Auslobung sei die Marke Gepa in Sachen Transparenz und Fairness glaubwürdig genug, daher rückt auch kein extern zertifiziertes Siegel nach.
Zudem traf das mittelständische Unternehmen Ende November ein Cyberangriff, der laut Kroth eine „existenzielle Bewährungsprobe“ war. Rückblickend betrachtet sei man mit einem blauen Auge davon gekommen, denn das Lager konnte nach acht Tagen Stillstand zumindest den Notbetrieb aufnehmen. Auch Monate später wirke der Angriff noch nach. Man habe es ausdrücklich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – besonders aus der IT – und externen Kräften zu verdanken, diese Krise bewältigt zu haben.
Weiterhin neue und jüngere Zielgruppen im Visier
Das Jubiläum 40 Jahre bio-fairer Kaffee Organico feiert Gepa mit der neuen Sorte Blonde Fairness, welche seit diesem Frühjahr erhältlich ist. Die Kaffeebohnen werden bei unter 200 Grad geröstet und sind daher deutlich heller. „Damit möchten wir neue und jüngere Zielgruppen ansprechen. Das Röstprofil hat betont fruchtige Noten, welche aktuell im Trend liegen. Durch die helle Röstung eignet er sich auch besonders für Cold Brew“, so Schaumberger.
Um insbesondere verstärkt neue junge Konsumentinnen und Konsumenten anzusprechen, wurde das Sortiment der Bio-Schokoriegel bereits 2024 einem Marken-Relaunch unterzogen und es kamen damals Neuprodukte hinzu. Seit diesem Frühjahr bereichern drei neue Bio-Nussriegel mit den Sorten Mango und Kokos, Himbeer-Haselnuss und dunkle Schokolade und Meersalz das im süßen Snackbereich angesiedelte Sortiment. Die Bio-Cashewnüsse liefert die Frauen-Kooperative La Sureñita in Honduras. Seit 38 Jahren arbeitet Gepa mit der Frauenorganisation zusammen, gemeinsam hätte man schon viel durchgestanden. Daran erinnerte Andrea Fütterer, Leiterin Abteilung Grundsatz und Politik.
Besonders ein Vorfall vor einigen Jahren sei besonders im Gedächtnis geblieben. Ein Großgrundbesitzer wollte die Kooperative beseitigen, um das Geschäft mit den Cashewnüssen für sich zu beanspruchen. So begann er die Organisation öffentlich zu diffamieren. Folglich wurden die Konten der Kooperative eingefroren und der Lastwagen stillgelegt – mitten in der Erntezeit. „Wir als Gepa haben finanziell unterstützt, damit der Aufkauf der Cashewnüssen weitergehen konnte“, so Fütterer. Die Kooperative hatte den folgenden Gerichtsprozess in allen Instanzen gewonnen. „Alles ist gut dokumentiert, die Kooperative arbeitet außerordentlich professionell. Die Frauen halten zusammen und geben nie auf – in ihrer Region sind sie Pionierinnen und Vorbilder.“
Der ökologische Anbau bleibt herausfordernd: „Die Frauen erleben und erleiden mittlerweile immer stärker die Auswirkungen des Klimawandels. Zwischen Februar und Mai, wo eigentlich die Früchte ausreifen, wo es nicht regnen sollte und früher auch nicht geregnet hat, kommt es immer öfter und stärker zu Regenereignissen.“ Diese waschen die Blüten und einen Teil der kleinen Früchte herunter, was die Erträge mindert.
Fütterer begrüßte es ausdrücklich, dass die Vereinten Nationen 2026 als das Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen haben. „Frauen spielen in der globalen Landwirtschaft und in der Ernährungssicherung eine zentrale, aber leider immer noch unterschätzte Rolle.“
Ausblick auf das aktuelle Jahr
Man sei im Januar grandios ins neue Jahr gestartet. „Wir mussten aber auch den einen oder anderen umsatzschwachen Monat hinnehmen. Ende April zeigt sich, dass wir beim Umsatz im Kernvertrieb dem Plan um circa vier Prozent hinterherlaufen und auch minimal unter dem Vorjahresumsatz liegen. Das ist alles andere als eine besorgniserregende Entwicklung und zeigt trotzdem, dass wir täglich mit der gesamten Mannschaft hart dafür kämpfen müssen, unsere Ziele zu erreichen. Es ist einfach kein Selbstläufer“, machte Kroth deutlich.
„Seit etlichen Jahren bewegen wir uns im Krisenmodus: der nahtlose Übergang der Corona-Pandemie in den Ukrainekrieg. Jeder von uns weiß, wie die Preise damals extrem gestiegen sind, und wie sie sich auf das Konsumverhalten ausgewirkt haben. Der aktuelle Konflikt im Nahen Osten zeigt zudem, dass die politische und wirtschaftliche Lage weiterhin sehr unberechenbar sind.“ Auch dank der Treue der Kundschaft, sähe Gepa dennoch optimistisch in die Zukunft.
„Über 50 Jahre Gepa zeigt, dass Fairness langfristig überzeugt – sonst gäbe es uns gar nicht. Auch wenn sich angesichts der Krisen viele ohnmächtig fühlen, kann die Gepa, kann jeder etwas tun, um sich für eine bessere Welt einzusetzen. Wir haben es in der Hand“, schloss Schaumberger die Jahrespressekonferenz.
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