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BioSüd: Ehrlicher und purer Geschmack

Die Brauerei Clemens Härle hat sein erstes alkoholfreies Bier präsentiert, die Bohlsener Mühle ihr Demeter-Sortiment mit drei neuen Kekssorten komplettiert, Havelmi seinen rein pflanzlichen Haferjoghurt vorgestellt und Purvegan bei seinem veganen Vleischkäse auf Tofu statt Lupine gesetzt. Was wie eine zufällige Auswahl der auf der Fachmesse BioSüd vergangenen Sonntag vorgestellten Neuprodukte wirkt, verbindet eines: Geschmack ist entscheidend.

Alkoholfrei in lecker

Während andere Öko-Brauereien schon lange alkoholfreies Bier im Sortiment haben und dessen Umsatzanteil dort stetig wächst, hat die Brauerei Clemens Härle erst diesen Juni nachgezogen. „Ganz bewusst haben wir abgewartet und uns nach neuen Herstellungsverfahren für höhere Produktqualitäten umgeschaut“, sagte Geschäftsführer Gottfried Härle im telefonischen Vorgespräch. „Bisher haben uns die alkoholfreien Biere geschmacklich nicht überzeugt.“ Wird der Gärprozess gestoppt, hat das Bier eine höhere Restsüße, Entalkoholisieren verbraucht Wasser und Energie und kostet Geschmack.

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Alkoholfreies Bier muss in erster Linie schmecken, betonte Hansjörg Baur.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Mit Freies Gold präsentierte die Brauerei ein alkoholfreies Export, bei dem eine Spezialhefe zum Einsatz kommt, die von vornherein weniger Alkohol produziert. Zudem wird das Bier mit den Sorten Tettnanger Perle und Ariana (Mischung aus den zwei Anbaugebieten Hallertau und Tettnang) kalt gehopft. Ergebnis: frisch, angenehm bitter und das „harzige“ Aroma des Hopfens rundet perfekt ab.

So bald wie möglich soll alkoholfreies Weizenbier folgen. „Hier gilt es die geschmackliche Erwartungshaltung der Kunden zu treffen. Dafür hat man nur eine Chance“, erklärte Hansjörg Baur am Messestand. Irgendwie muss das bananig-fruchtige Aroma erhalten bleiben. Ein Weizenbier sei wichtig, um auch im alkoholfreien Segment auf Menge zu kommen.

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Bohlsener Mühle: Demeter-Sortiment erweitert

Auf Hafervollkornmehl setzt die Bohlsener Mühle bei den drei neuen Kekssorten HaferMomente: Preiselbeer/Zitrone, Schoko/Chai und Erdmantel/Honig, die nun das Demeter-Sortiment Stand heute komplettieren.

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Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Auf der Biofach im vergangenen Jahr präsentierte das Unternehmen, welches ansonsten bei der eigenen Marke konsequent auf Bioland setzt, mit drei Sorten KeksFreunde die ersten Produkte mit dem Demeter-Logo. Noch 2023 sollten drei weitere Kekssorten als Demeter-Variante folgen – nun hat es bis September dieses Jahres gedauert. Zunächst hieß es Lieferengpässe beim Hafer auszusitzen und die Zeit nutzen, um an der Rezeptur zu feilen, die für eine ansprechende Textur sorgt. „Im gleichen Jahr weitere Demeter-Kekse auf den Markt zu bringen wäre für den Handel zu schnell gewesen“, erklärte Marketingleiter Finn Naujoks im telefonischen Vorgespräch zur Messe. Doch warum nicht bei Bioland bleiben und stattdessen auf Demeter setzen? „Laut Marktforschung wissen langwierige Bio-Kunden wofür Bioland steht, Neukunden jedoch nicht. Anders bei Demeter, das Label ist ungleich bekannter und eine hohe Glaubwürdigkeit ist gegeben.“ In der Produktion selbst würden sich Bioland- und Demeter-Rohstoffe nicht unterscheiden.

Zurück zu den HaferMomenten. Der Handel wurde bereits Anfang des Jahres bemustert, um entsprechende Rückmeldungen zur Produktqualität einzuholen. Tenor vereinfacht ausgedrückt: nicht mit dem Gesundheitsaspekt Vollkorn übertreiben, für den Geschmack braucht es Zucker und Fett, Kekse sind Genussmittel. Auf Weinsteinbackpulver zu verzichten, um weniger verarbeitete Rohstoffe zu nutzen, und gleichzeitig einen hohen Vollkornanteil einsetzen zu können und am Ende einen Keks mit „gutem Biss“ zu erhalten, sei laut Naujoks besonders herausfordernd gewesen.

Hafer soll nach Hafer schmecken

Während der Haferdrink schon lange erhältlich ist, galt es auf der BioSüd den neuen Haferjoghurt aus dem Hause Havelmi zu verkosten, der durch seine Milde und den Hafergeschmack hervorsticht. „Obwohl traditionelle Joghurtkulturen zum Einsatz kommen, möchten wir nicht den Geschmack der Milch-Varianten nachahmen. Es muss nach Hafer schmecken“, betonte Vertriebsleiter Matthias Nitschke.

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Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Erst seit wenigen Wochen sind die Sorten Natur, Zitrone Holunder und Cassis erhältlich. Letztere ist noch etwas flüssig geraten, an der Rezeptur wird weiter gefeilt. Für den Herbst folgt noch Pflaume Zimt. Im Januar erhält der Haferdrink zudem eine Barista-Variante.

Veganer Vleischkäse: Tofu statt Lupine

Auf der diesjährigen Biofach gab es die ersten Prototypen zu begutachten, seit August ist der vegane Vleischkäse in den zwei Varianten Pizza-Style und Zwiebel erhältlich. Der Lupinen-Spezialist Purvegan wollte hierbei auf eben diese Hülsenfrüchte setzen. Ergebnis: zu trocken. Daher der schnelle Schwenk zum Tofu, was definitiv richtig entschieden ist. Ob kalt oder gebraten, der Vleischkäse ist saftig und bietet einen angenehmen Biss. Das Räuchern verleiht Farbe und Geschmack, auch die Form erinnert an den klassischen Leberkäse „Die Lupine wird immer unser Schwerpunkt bleiben“, bekräftigte Geschäftsführer Hermann Krämer.

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Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Geschmacklich können die zwei Neuprodukte überzeugen, doch es wird herausfordernd sein, diese mit relevantem Absatz am Markt zu halten. Platzhirsch ist Taifun Tofu. Zudem haben Alnatura und Dennree den Vleischkäse nicht gelistet. „Damit fehlt uns die Hälfte des Fachhandelsmarktes.“ Auch der konventionelle Lebensmittelhändler tegut, der einzelne Produkte bereits führt und bei seiner Bio-Eigenmarke beispielsweise bei den Seitanwürstchen auf Purvegan setzt, hat dieses Mal nicht zugegriffen. Dies taten bis dato die Großhändler Weiling und Claus Reformwaren.

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