Bio-Roggen passt sehr gut in die Fruchtfolge, er wächst auch auf nährstoffarmen leichten Böden und benötigt weniger Wasser als beispielsweise Weizen. Mit ihm ließe sich daher die ökologische Landwirtschaft auf zusätzlichen Flächen weiter ausbauen. Aber: „Bio-Roggen ist ein schwieriges Produkt, der Anbau ist in den vergangen Jahren zurückgegangen“, sagt Stefan Schmidt von der Marktgesellschaft der Naturland Bauern. Ein neues Wertschöpfungskettenprojekt „Der große Bio-Roggen-Hebel“ soll dies ändern.

Bild: Harry Zdera/Meyermühle
In erster Linie soll „Der große Bio-Roggen-Hebel – ein Projekt zur Förderung des Roggenkonsums in der menschlichen Ernährung“ bestehende ökologische Wertschöpfungsketten ausbauen und hierfür neue Produkte entwickeln. Im besten Falle etablieren sich im Projektverlauf bis März 2029 darüber hinaus weitere Partnerschaften.
Als Koordinationsstelle zeichnet sich das Büro für Lebensmittelkunde und Qualität aus Bad Brückenau verantwortlich. „Wir starten Ende Juni online mit einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe, zu der alle Akteurinnen und Akteure entlang der Wertschöpfungsketten, aber auch Interessenten wie auch die Verbraucherschaft eingeladen sind“, sagt Projektkoordinatorin Melissa Buchholz. Themen der kostenfreien Talkrunden sind dann unter anderem die ökologischen Vorteile des Roggenanbaus, und was das Getreide zu einer gesunden Ernährung beiträgt.
Die eingebundenen Projektpartner bilden die gesamte Bandbreite von Anbau, über Verarbeitung bis Vertrieb ab. Mit dabei sind die Bäckereien Hofpfisterei aus München (besonders bekannt für seine Bio-Roggenbrote), Bio Breadness aus Fulda und Märkisches Landbrot aus Berlin. Die Meyermühle Landshuter Kunstmühle bringt spezielle Roggen-Kompetenz ein: Das Unternehmen betreibt eine separate Roggenmühle, die voll und ganz auf das Roggenkorn ausgelegt ist. „Für uns hat Bio-Roggen einen hohen Stellenwert“, betont Prokurist Sebastian Paintner. Das Gut Rosenkrantz aus Neumünster betreibt eine eigene Mühle und beliefert unter anderem Bäckereien und Akteure der Außer-Haus-Verpflegung mit einem breiten Sortiment. Die Marktgesellschaft der Naturland Bauern ist das Bindeglied zur Landwirtschaft. Als zusätzliche externe Berater konnte das Team von Bio2030 gewonnen werden.
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Bio-Roggen hat es schwer
Die Herausforderungen des Projekts sind nicht zu unterschätzen. „Im Absatz hat es Bio-Roggen nicht leicht. Im Vergleich zu Bio-Weizen und Bio-Dinkel ist er eher eine Randerscheinung, die Nachfrage hat in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen“, erklärt Stefan Schmidt, Ressortleiter Druschfrüchte Marktgesellschaft der Naturland Bauern. Dafür gibt es mehrere Gründe: Als Nudeln, Müsliflocken oder Haushaltsmehl findet beispielsweise Bio-Dinkel guten Absatz. Bio-Weizen ist zudem fester Bestandteil von etlichen verarbeiteten Lebensmitteln. Bio-Roggen findet seinen Weg in erster Linie „lediglich“ als Brot oder Brötchen auf die heimischen Teller. Als Haushaltsmehl oder Getreideflocke spielt er eine vergleichsweise deutlich kleinere Rolle.
Zudem birgt Roggen ein höheres Risiko vom Pilz Mutterkorn befallen zu werden. Die Grenzwerte wurden vergangenen Sommer nochmals verschärft: Im Brotroggen darf nur noch ein Gewichtsanteil von 0,02 Prozent enthalten sein. Liegt der Wert darüber, nehmen Mühlen das Getreide erst ab, wenn es mittels Farbausleser gereinigt wurde und eine anschließende Analyse auf Ergotalkaloide erfolgte. Das ist allerdings mit zusätzlichen Kosten verbunden. Ökonomischer wäre es dann, den betroffen Roggen als Tierfutter zu verwenden; hier liegt der Grenzwert bei einem Prozent Gewichtsanteil. Dennoch bringt dieser Vermarktungsweg einen Preisabschlag mit sich. Im Tierfutter wird Roggen zudem allenfalls beigemischt, kann also andere Getreidearten nicht ersetzen. Statt zu riskieren, dass Bio-Roggen im Tierfutter landet, hätte der landwirtschaftliche Betrieb beispielsweise gleich auf Bio-Futterweizen setzen können. Dieser wird aktuell fast preisgleich vergütet und verspricht einen höheren Ernteertrag.
Die Hauptaufgabe aller am Projekt Beteiligten wird es daher sein, deutliche Signale und Mehrwerte für den Anbau von Bio-Roggen in Richtung Landwirtschaft zu senden und gleichzeitig das Bewusstsein bei der Verbraucherschaft für ein ernährungsphysiologisch wertvolles aber mitunter unterschätztes Getreide zu schaffen. Bestehende Wertschöpfungsketten auszubauen und gar neue zu schaffen gelingt nur, wenn verlässlich Bio-Roggen in den jeweils benötigten Mengen und Qualitäten vorhanden ist. Am Ende müssen die Produkte auch im Einkaufskorb landen.
Über das Projekt „Der große Bio-Roggen-Hebel“
Das Projekt „Der große Bio-Roggen-Hebel – ein Projekt zur Förderung des Roggenkonsums in der menschlichen Ernährung“ (Bio-Roggen-Hebel) läuft von April 2026 bis März 2029. Ziele sind, bestehende Wertschöpfungsketten auszubauen und neue zu erschließen, um Bio-Roggen wieder verstärkt in der menschlichen Ernährung zu verankern. Anbaumengen und (private) Nachfrage sollen steigen. Bestenfalls werden bisher konventionell bewirtschaftete Ackerflächen auf Bio umgestellt.
Das Büro für Lebensmittelkunde und Qualität aus Bad Brückenau koordiniert das Projekt, welches vom Bundeslandwirtschaftsministerium im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau mit 190.350 Euro gefördert wird.
Spannende Initiative! Lasse mich gerne von „über bio“ für mehr Roggen-Produkte begeistern.