Die ökologische Vulkan Brauerei hat ihr Sortiment in diesem Frühjahr stark erweitert, besonders alkoholfreie Bio-Biere spielen eine immer zentralere Rolle. Voelkel präsentierte „guten Scheiß“ und bricht bewusst mit einer Handvoll Produkten aus der Öko-Blase aus. Barnhouse, Spezialist für gebackene Bio-Müslis, legte beim zuckerreduzierten Segment nach. Diese und weitere Spezialitäten gab es vergangenen Sonntag auf der Fachmesse BioOst in Leipzig zu entdecken.

Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0
Seit drei Jahren produziert die Vulkan Brauerei aus dem rheinland-pfälzischen Mendig ausschließlich ökologisch, und hat sich neben Standardsorten wie Pils und Helles auf besondere Geschmackserlebnisse spezialisiert. Auf der BioOst präsentierte Vertriebsleiter David Gerdewischke das deutlich gewachsene Sortiment. Zum 150-jährigen Bestehen der Brauerei kam diesen März das untergärige 1875 Hell erstmals in die Gläser durstiger Kundschaft. Ganz frisch verbindet der alkoholfreie Weizen-Mix Grapefruit den Geschmack von Getreide und der spritzigen Frische der Grapefruit, ab Mai stößt das ebenfalls alkoholfreie Hazy IPA hinzu. „Topseller ist das klassische Helle, danach folgt direkt das alkoholfreie Radler. Der Markt für alkoholfreies Bio-Bier wächst gewaltig“, so Gerdewischke.
Die limitierten Sondersude – Sud 13 ist ein heller Bock – werden aber stets alkoholhaltige Sorten bleiben. Und auch bei den zwölf Monate in Fässern in 30 Meter Tiefe gereiften Spezialitäten gibt es Neuigkeiten: Diese werden ab sofort nicht mehr in 0,375-Liter-Flaschen abgefüllt und als Hingucker zusätzlich mit Wachs versiegelt, vielmehr greift die Vulkan Brauerei auf die 0,33-Liter-Standardflaschen zurück. Dadurch reduziert sich der Preis von 8,99 Euro auf 5,99 Euro. Den Anfang macht in Kürze der Bio Bourbon Barrel Doppelbock.
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Auch ObstNatur aus Weimar schlägt beim Bio-Bier der Marke Fink zusätzlich den alkoholfreien Weg ein. Der Thüringer Spezialist für ökologische Streuobstsäfte lässt seine Schorlen in der Rosenbrauerei Pößneck abfüllen. Was lag da näher, als ein Apfel Radler, welches 2020 auf den Markt kam? „Damit war das erste Bio-Bier in der Flasche aus Thüringen geboren. Die Brauerei ließ sich extra für uns bio-zertifizieren“, sagte ObstNatur-Geschäftsführer Björn Burmeister. Vor zwei Jahren folgte das Pils, ab Mai wird aus dem Duo ein Trio: Alkoholfrei stößt hinzu. Die Nachfrage sei vorhanden.
Brennmeister Andreas Kascha von der Fallstein Destillerie geht den komplett entgegengesetzten Weg, um Bio in die Haushalte zu bringen. „Neun von zehn Kunden ist es egal, ob unsere Produkte bio sind. Wir überzeugen mit dem Geschmack, für hochwertige Spirituosen gibt es eine breite Fanbasis.“ Topseller ist der Carls Single Malt Whisky.
Mit Voelkel raus aus der Öko-Blase
Beim deutschen Marktführer für Ingwer-Shots (den konventionellen Markt mit einbezogen) Voelkel heißt es aus dem gewohnten Umfeld auszubrechen. Vergangenes Jahr gastierte der Bio-Pionier erstmals mit einem eigenen Stand auf dem Metalfestival Wacken und präsentierte dort insbesondere den extra scharfen Wacken Vitamin Shot, den es auch 2025 wieder gibt.
Für das Berliner Startup UPD8 produziert Voelkel darüber hinaus seit Kurzem eine Bio-Dattellimonade mit speziellem Blick auf die muslimische Community und deren traditionellem Fastenbrechen. „Neue Menschen für Bio zu begeistern ist unser Job. Auf den erhobenen Zeigefinger gilt es zu verzichten, die Leistungen für Artenvielfalt und Klimaschutz folgen automatisch“, sagte Voelkels Marketingleiter Jannis Meseke in einem telefonischen Interview vor der BioOst. Die Kunst war es, das Dattelaroma in die Flasche zu bringen, die Süße folge automatisch, konnte man wiederum am Messestand erfahren. Das hinzugegebene Karamell rundet geschmacklich ab und sorgt darüber hinaus für die ansprechende Farbe.
Aber auch mit den zeitlich befristeten Sonderaktionen der „Impact Shots“ legt Voelkel nach, nachdem der Multikulti-Shot vergangenes Jahr den Anfang machte. Damals gingen pro verkaufter Flasche zehn Cent an die Initiative Laut gegen Nazis. Garantiert kein Scherz: Am 1. April stellte Voelkel den The Good Shit Shot mit Ballaststoffen vor. Laut WHO und UNICEF haben 3,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Toiletten, wie Voelkel in einer Pressemitteilung verkündete. Das gemeinnützige Unternehmen Goldeimer der Viva con Agua-Familie macht auf diesen Missstand aufmerksam und fördert sanitäre Projekte. Dafür kann es sich pro verkaufter Flasche The Good Shit Shot über zehn Cent freuen. Es gelte bei allen schlechten Nachrichten weiterhin „guten Scheiß“ zu machen, das Wortspiel ist daher bewusst gewählt, erklärte Meseke.
Barnhouse: Bio-Müsli mit weniger Zucker gefragt
Auch beim Spezialist für gebackenes Bio-Müsli Barnhouse gab es neue Geschmackserlebnisse zu entdecken. Im März neu hinzugekommen sind Krunchy High Protein mit 21 Prozent Eiweiß und Krunchy Chocolate Banana Chunks. Letzteres verortet Andreas Bentlage, Leitung Marketing & Produktmanagement, ganz klar bei den „Genuss-Müslis“, da es 22 Gramm Zucker auf 100 Gramm enthält.
„Beim Thema Zucker sind Verbraucher sensibler geworden, und haben deswegen teils einen Bogen um unsere Knuspermüslis gemacht. Das hat uns angespornt, Varianten mit weniger Zucker ohne Abstriche bei Geschmack, Knusprigkeit und Optik zu entwickeln. Dabei waren und sind wir in Sachen Obst sehr reglementiert, weil alleine Banane bereits einiges an Süße mit sich bringt“, erklärte Bentlage in einem telefonischen Interview vor der BioOst. Bereits 2021 führte Barnhouse die Sorten Krunchy Low Sugar Plain Grain, Krunchy Low Sugar Very Berry und Krunchy Low Sugar Crazy Nuts ein, welche jeweils unter fünf Gramm Zucker pro 100 Gramm aufweisen, was dem gesetzlichen Grenzwert entspricht, damit die Produkte als zuckerarm ausgelobt werden dürfen.
„Wir waren uns nicht sicher, ob das Segment eine Nische sein wird oder nicht.“ Bis dato war Bio-Schokomüsli der unangefochtene Topseller. Das hat sich in den vergangenen zwei Jahren geändert, denn die ersten beiden Plätze belegen seitdem zuckerreduzierte Sorten, unter den ersten sechs Plätzen sind stets drei von ihnen zu finden. Daher hat Barnhouse bereits vergangenen September mit Krunchy Low Sugar Silly Seeds nachgelegt. Eine fünfte Sorte wird derzeit entwickelt.








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