Mitten in der Stadt möchte die im Juli 2024 gegründete Genossenschaft Bürgermolkerei Weimar heimische Bio-Milch in Bio-Käse veredeln. Im ersten Halbjahr 2026 soll es soweit sein. Insgesamt werden 2,4 Millionen Euro investiert, der Ausbau der Produktionsräume im weimarer Quartier Alte Feuerwache an der Erfurter Straße ist im vollem Gange. Um den ersten Käsekessel nebst entsprechendem Zubehör zu finanzieren, startet die Bürgermolkerei Weimar nun ein Crowdfunding.

Bild: Bürgermolkerei Weimar
Die künftigen Produktionsräume sind noch eine Baustelle, die Vision ist aber klar: Die Bio-Milch des Landguts Weimar soll bestenfalls nicht mehr über hunderte Kilometer transportiert, sondern in der heimischen Region zu Käse veredelt werden. Dies schafft eine weitere Planungssicherheit für den vor fünf Jahren gegründeten Bio-Betrieb im Süden Weimars, der nach den Richtlinien des Anbauverbands Gäa wirtschaftet, die deckungsgleich mit denen von Bioland sind.
Bürgermolkerei Weimar plant Bio-Käserei als Begegnungsort
Zwar ist der Preis für ökologische Rohmilch gestiegen, aber gleichzeitig auch die Kosten. Einen Teil der eigenen Bio-Milch vermarktet das Landgut selbst, das Gros geht an die Großmolkerei und erst hinterher zeigt deren Abrechnung, wie viel der Betrieb erhält. „Wir haben schon den Ansporn mehr zu bezahlen als die Großmolkerei“, erklärt Anne Wetzel, Vorstandsmitglied der Bürgermolkerei Weimar. „Wir diktieren keinen Preis, sondern ermitteln ihn gemeinsam im Gespräch.“
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Wer sich mit Wetzel unterhält merkt schnell, dass sie im großen Ganzen denkt. Das Landgut, welches nach eigenen Angaben jährlich 900.000 Liter Bio-Milch produziert, gelte es tatkräftig zu unterstützen. Auch mit der Produktion von Lebensmitteln gelte es wieder verstärkt in Kontakt zu kommen. Die Käserei ist ganz bewusst als Begegnungsort geplant, dem Käser können Besucherinnen und Besucher dann durch ein Glasfenster über die Schulter schauen. Der Verkauf soll direkt vor Ort stattfinden, aber auch der Bio-Großhandel wie Naturkost Erfurt wäre mit an Bord. Kleine Mengen Bio-Käse werden bereits seit vergangenem Dezember hergestellt, die allerdings schon jetzt nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken. Daher ist das Team zuversichtlich, die im Vergleich höherpreisigen Bio-Premiumprodukte auch absetzen zu können.
Geht alles nach Plan, startet der Regelbetrieb im ersten Halbjahr 2026, wobei zunächst zwischen 4.000 und 6.000 Liter Bio-Milch pro Woche verarbeitet werden. Der Vollbetrieb ist für 2028 angestrebt, dann sollen es jährlich 800.000 Liter sein. Bereits 2020 haben sich das Landgut Weimar die Bio-Handwerksbäckerei Brotklappe und der Anbauverband Gäa zusammengeschlossen, um das gemeinsame Projekt der Bürgermolkerei Weimar zu verwirklichen.
Crowdfunding für den Käsekessel gestartet
Damit der eigentliche Produktionsstart gelingt, braucht es natürlich einen Käsekessel. Via Crowdfunding bei Startnext sollen für dessen Anschaffung bis zum 31. Oktober 72.500 Euro im virtuellen Topf landen. Doch warum überhaupt eine solche Aktion, wenn man doch auch weitere Genossenschaftsanteile a 100 Euro veräußern kann? „Nicht jeder möchte gleich Mitglied in einer Genossenschaft werden, und sich stattdessen lieber einmalig engagieren. Zudem gehen wir diesen Weg auch, um Aufmerksamkeit zu schaffen“, so Wetzel.
Nachtrag 3. November 2025: Insgesamt sind 11.141 Euro im virtuellen Topf gelandet, abzüglich Gebühren stehen der Bürgermolkerei Weimar dadurch 10.643 Euro mehr zur Verfügung. „Letztendlich ist es ein guter Beitrag, zumal im Rahmen des Crowdfundings 27 Genossenschaftsanteile gezeichnet wurden“, ordnet Wetzel ein. Dahinter verbergen sich 16 Neumitglieder, eines hat nachgezeichnet. „Das stärkt unsere Gemeinschaft nachhaltig.“ Bis Mitte November sollen Käsekessel und weitere Technik bestellt werden, im Januar gehe es hoffentlich auf der Baustelle weiter. Ende zweites Quartal 2026 soll die Käserei im Regelbetrieb starten.
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