Bio? Logisch!

Barnhouse: Mut zum regionalen Getreide gefeiert

Heute auf den Tag genau vor zehn Jahren wurde das Vorhaben von Barnhouse aus dem bayerischen Mühldorf am Inn, Bio-Hafer und Bio-Dinkel aus einem Umkreis von maximal 100 Kilometern zu beziehen ernst. Am 11. Februar 2016 schlossen der Spezialist für gebackene Bio-Müslis und Landwirte aus der Region auf der Biofach den ersten Rahmenvertrag. Auf der diesjährigen Biofach wurde das Jubiläum ausgiebig gefeiert und im Beisein von Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber die Zusammenarbeit für die nächsten drei Jahre fortgeschrieben.

„Den Gründern von Barnhouse war es von Beginn an ein Anliegen, den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft zu fördern – und am liebsten direkt vor Ort. So regional wie möglich, so überregional wie nötig lautete die Devise beim Einkauf der Rohwaren“, erklärte Andreas Bentlage, Leitung Marketing & Produktmangement.

Wünsche können wahr werden: Seit 2020 wird das komplette Krunchy-Sortiment ausschließlich mit regionalen Flocken gebacken. Und noch regionaler geht es nicht: 80 Prozent der heute 90 landwirtschaftliche Betriebe umfassende Liefergemeinschaft (seit 2021 in der Genossenschaft Barnhouse Bauern TAGWERK organisiert) liegen maximal 50 Kilometer von Barnhouse entfernt. Bis zur Mühle PrimaVera Naturkorn, welche die Flocken produziert, ist es ein Katzensprung von wenigen Kilometern. Kein Wunder, dass die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber die Liefergemeinschaft als Paradebeispiel hervorhob, was Öko-Modellregionen bestenfalls erreichen können: neue, regionale, stabile, ökologische Wertschöpfungsketten zu etablieren. „Kurze Wege und Transparenz sind genau das, was wir wollen. Chapeau, Hut ab vor Ihrer Arbeit. Wenn solche Projekte noch weiter Schule machen würden, hätte ich nichts dagegen.“

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Möglich machten es 2014 die Öko-Modellregionen Isental (jetzt: Mühldorfer Land) und Waginger See – Rupertiwinkel. Im Rahmen deren Arbeit kamen erste Gespräche mit regionalen Bio-Bauern und umstellungswilligen Landwirten zustande. Zudem war die Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel maßgeblich daran beteiligt, nach längeren Verhandlungen die ersten verbindlichen Vereinbarungen mit Barnhouse in die Wege zu leiten. Ab da ging es schnell. Bereits im Folgejahr bezog Barnhouse den ersten „eigenen“ Bio-Hafer von 40 Landwirten. Aber auch Neumarkter Lammsbräu, insbesondere Dr. Franz Ehrnsperger, war ein weiterer Geburtshelfer, wie die Zusammenarbeit von Landwirten, Mühle und Müsliproduzent gestaltet werden kann.

Mut zum Risiko zahlt sich aus

Anstatt EU-weit einzukaufen sich vollkommen auf eine solch kleine Region zu fokussieren, birgt in Zeiten, in denen die Folgen des Klimawandels schon seit Jahren auf den Äckern zu spüren sind, auch Risiken. „Zum Glück waren bisherige Extremwetterereignisse superlokal, so dass nicht alle Landwirte der Liefergemeinschaft betroffen waren und wir stets die benötigen Mengen in der richtigen Qualität verfügbar hatten“, freute sich Bentlage. Josef Gaigl, Geschäftsführer PrimaVera Naturkorn, wies darauf hin, dass es durchaus anspruchsvoll ist, den Mengen- und Qualitätsansprüchen stets gerecht zu werden. „Barnhouse hatte damals den Mut, in die Verträge einzusteigen“, hob Gaigl darüber hinaus besonders hervor.

Barnhouse-Geschäftsführer Martin Eras machte selbstbewusst klar: „Solche Projekte sind Treiber, um wenigstens in die Nähe des Ziels zu kommen, 30 Prozent der Ackerflächen bis 2030 ökologisch zu bewirtschaften.“ Das noch von der Vorgängerregierung ausgerufene Ziel ist faktisch nicht mehr erreichbar, derzeit haben die Öko-Flächen einen Anteil von 11,7 Prozent. Was an politischem Gestaltungswillen fehlt, gleicht das privatwirtschaftliche Engagement zumindest teilweise aus.

Planungssicherheit ist ein weiterer wichtiger Aspekt für alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette, denn für stets drei Jahre werden Einkaufspreise auf Augenhöhe verhandelt und festgelegt. Der Vertrag für die kommenden drei Erntejahre wurde auf der Biofach unterschrieben. Barnhouse zahlt „seinen“ Landwirten stets mehr als den Verbandspreis, „weil wir die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern wertschätzen. Es ist halt mehr als ‚nur‘ eine Liefergemeinschaft, sondern eine echte Partnerschaft“, so Eras. „Wir können mit den Preisen sehr gut leben“, bestätigte Dr. Michael Rittershofer, Geschäftsführer Barnhouse Bauern TAGWERK. Dem Bio-Müsliproduzent gelingt es, das Engagement der gesamten Wertschöpfungskette auch in Wert zu setzen. „Für Regionalität sind die Menschen auch bereit mehr zu bezahlen“, nannte Eras einen wirtschaftlichen Vorteil.

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