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Bio-Schokolade: Ein Tabubruch wird 35 Jahre alt

Am 26. Januar 1987 brachte Rapunzel Naturkost aus dem bayerischen Legau die weltweit erste Bio-Schokolade auf den Markt und überschritt damit in den Augen vieler in der Öko-Szene eine rote Linie. Bio-Lebensmittel sollten vollwertig und gesund sein, Schokolade war der Sündenfall. „Tatsächlich haben viele Ladner abgewunken“, erinnert sich Joseph Wilhelm, Geschäftsführer und Mitbegründer von Rapunzel.

Die ersten Bio-Schokoladen – Bild: Rapunzel Naturkost

„Unser Anspruch war es jedoch, dass es alle Lebensmittel auch in bio geben muss, sonst existiert ja keine Alternative. Dann müssen die Menschen konventionelle Produkte kaufen. Wir tun uns als Bio-Bewegung keinen Gefallen, wenn wir Kunden in Sachen Ernährung bevormunden. Wenn wir offen sind, gewinnen wir immer mehr Menschen, die sich für die ökologische Landwirtschaft interessieren“, erklärt Wilhelm die damalige Intention. Der gleichen Logik folgte auch der Schoko-Aufstrich Samba.

Von der damals hitzigen Diskussion ist heute noch nicht einmal Rauch übrig geblieben. Schokolade und andere Süßigkeiten sind aus keinem Bio-Laden oder Bio-Supermarkt mehr wegzudenken.

Bio-Schokolade: früher Tabubruch, heute normal – wie im Biomarkt Vier Jahreszeiten in Erlangen
Bild: S. Frenzel

Auf Rohstoff-Suche

Doch zunächst galt es, Rohstoffe in Bio-Qualität und einen Schokoladenproduzenten zu finden. Eine deutsche Molkerei, die Biomilchpulver liefern konnte, war recht schnell mit von der Partie. Bio-Haselnüsse kamen aus Sizilien. Eine schweizer Familie vermittelte den Kontakt zu ihren Verwandten in Brasilien, die Vollrohrzucker herstellten. Über den Freund eines Freundes, der damals bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (heute Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) tätig war, entstand der Kontakt zur Kakao-Kooperative El Ceibo in Bolivien. Wieder reiste Wilhelm durch die Welt. Zuvor war er bereits in der Türkei unterwegs gewesen, um Bäuerinnen und Bauern vom Umstieg auf ökologische Landwirtschaft zu überzeugen. Rapunzel benötigte Rosinen und andere Trockenfrüchte für seine Müslis. „Wenn man den Anspruch hat, dass jede Zutat vollständig bio sein muss, bedeutet das einen entsprechenden Aufwand. Umso größer war die Freude über den Erfolg.“

Als die Zutaten komplett waren, fand sich mit Maestrani ein schweizer Schokoladenhersteller, der sich auf das Bio-Abenteuer einließ und Rapunzel auch heute noch beliefert. 21 Jahre nach dem Bio-Debüt brachte Maestrani schließlich 2008 unter der eigenen Marke Bio-Schokolade aus fairem Handel auf den Markt, seit letztem Jahr findet sich das Sortiment unter dem Markennamen Munz im deutschen Handel.

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