Bio? Logisch!

LaSelva: „Regionalität ist eine Herausforderung“

Herzstücke von LaSelva, Spezialist für italienische Bio-Feinkost, sind die eigene ökologische Landwirtschaft wie auch die eigene Manufaktur und Produktion in der Toskana und der klare Fokus auf italienische Bio-Rohstoffe. Die seit Jahren spürbaren Folgen des Klimawandels machen es nicht leichter. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Andreas Englmeier auf der Biofach über Regionalität als Fluch und Segen, verständnisvollen Bio-Fachhandel und Bio-Feinkost für jeden Geldbeutel.

Andreas Englmeier, Geschäftsführer LaSelva, auf der Biofach 2026
LaSelva-Geschäftsführer Andreas Englmeier nahm sich viel Zeit für das Messegespräch.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

„Hat es in den vergangenen drei Jahren zu wenig geregnet, regnet es aktuell zu viel. Auf 120 Hektar können wir derzeit keinen Bio-Weizen aussähen“, kommt Andreas Englmeier bei der Frage nach aktuellen Herausforderungen schnell auf den Klimawandel zu sprechen. Das Getreide wird später nicht „nur“ für die Nudelproduktion fehlen, sondern auch die Fruchtfolge auf dem Acker gerät durcheinander.

Rund 558 Hektar bewirtschaftet LaSelva ökologisch, die restlichen Flächen bleiben bewusst unberührt. „Seit jeher erhalten und erschaffen wir neue Feuchtbiotope, natürliche Wasserspeicher, erhalten und pflanzen Windschutzhecken, kleine Wäldchen. Durch unsere Vielfalt im Landschaftsbau und in der Pflanzen- und Tierwelt erreichen wir Biodiversität und eine natürliche Schädlingsbekämpfung durch den Erhalt der Nützlinge“, teilte Pressereferentin Denise Kaltenbach-Aschauer vor dem Gespräch auf der Biofach schriftlich mit, wie das Unternehmen dem Klimawandel mit konkreten Maßnahmen im Anbau begegnet.

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„Wir ernten selbst und sind nicht als reine Einkäufer unterwegs, um hinterher lediglich unsere Etiketten auf die Produkte zu kleben“, betont der Geschäftsführer beim Gespräch auf der Biofach das Verständnis seines Unternehmens für die ökologische Landwirtschaft. In der hauseigenen Manufaktur und Produktion erblickt eine breite Vielfalt an Pestos das Licht der Welt. Die eigenen Bio-Weintrauben werden im eigenen Weinkeller veredelt. „Zwei Drittel unseres Sortiments produzieren wir selbst.“ Darüber hinaus kauft LaSelva italienische Bio-Feinkost hinzu, die außerhalb der eigenen Schwerpunkte in der Produktion liegen: beispielsweise traditionelle Pasta, Olivenöl, Essig aus Modena, Risotto, Caffè espresso in Norditalien geröstet, Salz- und Süßgebäck.

Was in Italien nicht wächst, wie beispielsweise Kaffeebohnen, wird importiert. Weitere Ausnahmen gibt es mit Bio-Rohrzucker beim süßen Gebäck und bei Cashewnüssen. Bis maximal fünf Prozent der Rohstoffe stammen von außerhalb Italiens.

Regionaler Fluch und Segen

„Regionalität ist eine Herausforderung“, so Englmeier. Einerseits präsentiere man authentische Bio-Feinkost, andererseits „beschränken wir uns selbst.“ Für LaSelva ist nicht trivial woher die Bio-Rohstoffe stammen, denn der Fokus liegt auf italienische Bio-Lebensmittel. Fällt auf dem eigenen Landgut und bei den 14 Partnerbetrieben im Umkreis von 300 Kilometern die Tomatenernte zu niedrig aus, kann es knapp werden. Im vergangenen Jahr beschädigten hohe Temperaturen im Juni die frühe Ernte, wegen starker Regenfälle im August und Septemer musste die Ernte unterbrochen werden, in der gesamten Region kam es zu Schäden. Bio-Tomaten aus anderen Ländern zu beziehen kommt nicht infrage, denn hier liegt der Schwerpunkt ganz klar auf der Toskana. Denn von der Ernte bis zur Tomatensauce im Glas vergehen in der Tomatenfabrik La Dispensa maximal 24 Stunden.

„Der Bio-Fachhandel versteht, dass nicht alles zu jeder Zeit verfügbar sein kann. Sollte ein Produkt zeitweise nicht lieferbar sein, nimmt er es wieder ins Sortiment sobald es bezogen werden kann. Herausfordernd wird es in diesem Punkt mit dem konventionellen Lebensmittelhandel, denn dort sind leere Regalplätze schnell anderweitig vergeben. Wir können nur mit denjenigen zusammenarbeiten, die uns wollen und uns verstehen.“ Heiß begehrt seien beispielsweise eingelegte Bio-Pfirsiche aus dem Hause LaSelva, von denen man mehr verkaufen könnte, wenn sie vorhanden wären.

Bio-Feinkost für alle

Mit Blick in den LaSelva-Katalog mit seiner teils hochpreisigen Bio-Feinkost drängt sich die Frage auf, ob sich nicht möglichst jeder diese Bio-Lebensmittel leisten können sollte. Englmeier verweist auf die hochwertigen Rohstoffe, die wie im Falle der Antipasti von Hand geerntet werden. Tricks wie der Zusatz von Aromen sind ausgeschlossen. So werden für das Olivenöl mit Zitrone die Oliven gemeinsam mit Zitronen gepresst – und eben nicht nur Zitronenöl hinzugefügt.

„Zudem sind wir nach den Richtlinien von Naturland Fair zertifiziert.“ Das verpflichtet LaSelva unter anderem existenzsichernde Löhne zu bezahlen – also nichts mit billigen Erntehelfern, die auch in Teilen der ökologischen Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Unfaire Praktiken in der Bio-Branche wurden auf der BioSüd im vergangenen Jahr heiß diskutiert.

Zurück zu LaSelva: Augen auf die Preisschilder bei den klassischen Tomatenprodukten aus Italien rät Englmeier. Mit konventionellen Markenprodukten könne man preislich sehr gut mithalten und böte darüber hinaus die Vorteile der ökologischen Landwirtschaft.

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